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Aus: Ausgabe vom 26.03.2020, Seite 8 / Ansichten

Neinsager des Tages: Thomas Bach

Von Oliver Rast
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IOC-Präsident Thomas Bach wird in die Sportgeschichte eingehen: Unter seiner Ägide wurden die Sommerspiele verschoben

Degenfechter a.D., Doktor der Rechtswissenschaften und – wem wäre es in den vergangenen Tagen nicht immer wieder schmerzlich in Erinnerung gerufen worden – Vorturner des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Letzteres ist Thomas Bach schon seit 2013.

Nun Bachs größte sportpolitische Pleite. Dank des Coronavirus. Die Pandemie hat dem Gigantismus Olympischer Spiele den Garaus gemacht. Vorerst zumindest. Die diesjährigen Sommerspiele in Tokio wurden abgesagt und aufs nächste Jahr verschoben.

Manisch hielt Bach am Eröffnungstermin fest, wollte später vier Wochen Bedenkzeit herausschlagen. Langmut, die zum PR-Desaster für das IOC werden sollte.

Der erste Wirkungstreffer gegen Bach kam indes aus dem eigenen Metier: von Säbelfechter Max Hartung. Der ist Sprecher der »Athleten Deutschlands«, einer mit Stimme also. Und die hat er publikumswirksam am vorigen Sonnabend im ZDF-Sportstudio erhoben. Er teilte mit, auf die Teilnahme an den Spielen zu verzichten, falls diese wie terminiert im Sommer stattfinden sollten. Beinahe im Stundentakt folgten Sportler Hartungs Beispiel – die Olympiaequipe Kanadas etwa. Bach fiel um.

Für einen mit einer fetten Lobbyistenvita eigentlich ungewöhnlich. Eine stichprobenartige Jobauswahl gefällig? Adidas, Siemens, Holzmann, MAN. Bach vertrat auch Geschäftsinteressen kuwaitischer Investoren in Europa. Dazu passt, dass er vor seiner Wahl an den IOC-Olymp der deutsch-arabischen Handelskammer vorstand.

Selbstzweifel kennt Bach weiterhin nicht. Das gehört vermutlich auch nicht zum Charakterspektrum eines spröden Technokraten. Symptomatisch war das Frage-und-Antwort-Spiel am Mittwoch im Deutschlandfunk: Studiomoderator: »Es gibt Kritik, dass die Entscheidung zur Verlegung der Spiele wegen Corona zu spät erfolgt ist. Haben Sie an Ihren Rücktritt gedacht?« Bach: »Nein!«

Kritischer, unangepasster Journalismus von links, gerade in Krisenzeiten!

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Rudi Platzer: Den Bach runter Der Neinsager des Tages, Thomas Bach, ging jetzt den Bach runter. Gut so! Und Dank an den Säbelfechter Max Hartung. Eine Bemerkung als Ergänzung: Thomas Bach, einst selbst Degenfechter, hat, was in Ve...

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