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Aus: Ausgabe vom 26.03.2020, Seite 6 / Ausland
Italien

Widerstand in Italien

Wegen Coronavirus: Arbeiter und Gewerkschaften wehren sich gegen Fortsetzung der Produktion
Von Gerhard Feldbauer
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Ein FIAT-Arbeiter des Mirafiori-Werks in Turin (10.3.2020)

Die Zahl der täglich registrierten Todesfälle durch Covid-19 in Italien ist wieder gestiegen, nachdem sie am Wochenanfang zunächst rückläufig war. Wie die staatliche Nachrichtenagentur ANSA am Dienstag berichtete, gebe es zwar einen Rückgang bei den neu festgestellten Infektionen, allerdings gehe man mittlerweile von insgesamt 6.820 Toten aus – das sind 743 mehr als am Vortag

Während die Regierung in Rom das Land unter eine weitgehende Quarantäne stellte, die auch eine Unterbrechung aller nicht lebenswichtigen Produktion in den Betrieben einschließen sollte, hatte Premierminister Giueseppe Conte allerdings dem Druck des Verbands der Großindustriellen Confindustria nachgegeben und in 80 Unternehmen in der Lombardei und im Piemont die Fortsetzung der Produktion erlaubt, wie die linke Tageszeitung Il Manifesto berichtete.

ANSA meldete am Mittwoch nachmittag allerdings, diese Liste sei nun nach erheblichem Druck von Gewerkschaften und Arbeitern überarbeitet worden. Finanzminister Roberto Gualtieri und Wirtschaftsminister Stefano Patuanelli hätten sich nach einem Gespräch mit den Generalsekretären der großen Gewerkschaftsverbände auf eine neue Liste von Unternehmen geeinigt, die weiterproduzieren dürften. Genaueres wurde bis jW-Redaktionsschluss nicht bekannt.

Unter der Losung »Wir brauchen Sicherheit!« hatten zuvor Arbeiter der 80 betroffenen Unternehmen einen achtstündigen Streik begonnen. Sie forderten, dass die Produktion eingestellt wird. Zu dem Ausstand hatten auch die drei großen Gewerkschaftsbünde CGIL, CISL und UIL sowie die Branchenverbände der Metallarbeitergewerkschaft FIOM in der Lombardei, im Piemont und in der Region Lazium bei Rom aufgerufen.

Die Tageszeitung La Repubblica hatte zuvor noch berichtet, dass unter anderem Luft- und Raumfahrtunternehmen weiterproduzieren dürfen. Beispielsweise hätte in den Avio-Aero-Werken von Fiat, den Stahlwerken von Taranto im Süden und auf den Schiffswerften gearbeitet werden dürfen. Auch an der neuen Brücke in Genua werde gebaut, hieß es. Bei Avio Aero wurde der gesamte Luft- und Raumfahrtsektor ermächtigt, »seine Aktivitäten aus rein wirtschaftlichen Gründen fortzusetzen, obwohl die Unternehmen in diesem Sektor sehr diversifizierte und weitgehend unwesentliche Tätigkeiten ausüben«, stellte die Turiner FIOM in einer Erklärung fest.

Bereits vor Mittwoch hatte es in vielen Betrieben spontane Arbeitsniederlegungen gegeben. »Sichere Arbeitsbedingungen« forderten auch mehrere in den Verbänden CISL, UIL und ​​CGIL organisierte Bankengewerkschaften, die ankündigten, andernfalls die Arbeit niederzulegen. In den Filialen, hieß es, müssten die Angestellten ohne Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel arbeiten.

Die Regierung habe zugeschaut, wie »die Arbeiter von der Confindustria gezwungen wurden zu arbeiten, um Produktion und Gewinn nicht zu stoppen«, sagte Stefano Azzarà, Professor für Philosophie an der Universität Urbino, gegenüber junge Welt. Als ob das Virus, »vor dem die Bourgeoisie geschützt werden müsse, kein Risiko für die Arbeiter darstelle«. Azzarà fügte hinzu: »Die Gewerkschaft hat gute Arbeit geleistet, um die Sicherheit an den Arbeitsplätzen zu gewährleisten, hat Streiks angekündigt, wenn die Fabriken nicht geschlossen und nichtwesentliche Dienstleistungen eingestellt werden. Die Gesundheit und das Leben der Arbeiter sind nicht weniger wert als die Gesundheit und das Leben der Chefs.«

Die Aktivitäten der Arbeiter und ihre Proteste verdeutlichen, dass auch in Italien das Hauptaugenmerk der Regierung auf die Unterstützung der Wirtschaft gerichtet ist. Sie werden mit Almosen abgespeist, damit sie ihre Arbeitskraft nach der Krise weiterverkaufen können. Gleichzeitig hat der Streik aber auch gezeigt, dass Widerstand möglich ist.

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