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Aus: Ausgabe vom 25.03.2020, Seite 8 / Ansichten

Saboteure des Tages: Beschaffungsamt

Von Michael Merz
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Sechs Millionen Atemschutzmasken haben sich in Luft aufgelöst

Da hatte sich Kriegsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer als die große Macherin in der Krise darstellen wollen und verkündete noch vor mehr als einer Woche vollmundig: »Wir planen auf allen Ebenen so, dass wir alle kritischen Bereiche sicher abdecken könnten – auch das, was an Amtshilfe auf uns zukommt.« Ebenso war der Anti-Corona-Superman Markus Söder nicht umhingekommen, im Zuge der Rettung Bayerns und der Restwelt die »Bundeswehr stärker einzubinden«. 163 Millionen Euro hat die Truppe nun schon in die Hand genommen, um Medizingüter einzukaufen. Und händeringend sucht die deutsche Armee nach weiteren Verwendungszwecken. Decken an Autofahrer im Stau verteilen, sich als Omas Einkaufshilfe in Wilhelmshaven anbiedern – nur nicht zu Hause bleiben respektive in der Kaserne, wie die meisten anderen Menschen es vernünftigerweise tun.

Für die Amtshilfe in Sachen Medizingüter allerdings hätte sich die Bundesregierung besser einen anderen Partner gesucht als das Beschaffungsamt der Bundeswehr in Koblenz. Erfahrungswerte besagen, dass das, was die Mammutbehörde mit mehr als 11.000 Mitarbeitern anfasst, meist kaputtgeht, nicht fliegt oder nicht schwimmt: Panzer, Hubschrauber, Korvetten. Wirkmächtige Antimilitaristen sitzen da an Rhein und Mosel, so hat es den Anschein. Aber auch die Versorgung von Krankenhäusern sabotieren sie gekonnt. Sechs Millionen (!) Schutzmasken gegen das Coronavirus seien auf einem Flughafen in Kenia »spurlos verschwunden«, berichtete Spiegel online am Dienstag. Eigentlich wollte die Bundeswehr die dringend benötigten Masken bereits am vergangenen Freitag in Deutschland angeliefert haben. Doch das Beschaffungsamt hat wieder mal seinen Zauberstab geschwungen. Hex, hex – und weg. Von allen seinen bisherigen subversiven Aktionen dürfte das wohl die finanziell günstigste gewesen sein.

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