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Aus: Ausgabe vom 23.03.2020, Seite 5 / Inland
Douglas hält Belegschaft knapp

Knausern in der Krise

Beschäftigte bei Douglas sollen Überstunden abbauen. Kurzarbeitergeld wird minimal bezuschusst. Gewerkschaft fordert vollen Ausgleich
Von Gudrun Giese
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Nur wenige Filialen haben einen Betriebsrat und sind dadurch im Vorteil (Archivbild)

Die Versorgung der Menschen mit Parfüm und Make-up ist in Zeiten der Coronaviruspandemie nachrangig – nicht aber die gute Absicherung der Beschäftigten von Parfümerien. So hat zwar der Filialist Douglas Kurzarbeit in seinen bundesweit rund 450 Läden angekündigt, beginnend ab diesem Montag. Wie die Beschäftigten mit sechzig Prozent ihres Gehaltes über die Runden kommen sollen, sagt das Unternehmen allerdings nicht. Lapidar heißt es in dem Schreiben an das »Douglas-Team«: »Wir gehen aktuell davon aus, dass die Kurzarbeit mindestens bis 15.5.2020 andauern wird.« Alle Beschäftigten sollten zunächst Überstunden abbauen, bevor sie in die Kurzarbeit wechseln.

Was das konkret für die bundesweit knapp 6.500 Beschäftigten bedeutet, verdeutlicht ein Beitrag von Verdi auf der Internetseite der Dienstleistungsgewerkschaft. Kurzarbeit sei demnach vor allem für Unternehmen gedacht, die ansonsten kaum überleben könnten. »Kündigungen sollen so abgewendet werden«, heißt es dort. Doch der europaweit vertretenen Parfümkette gehe es wirtschaftlich gut. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Douglas die Beschäftigten nicht weiterbezahle, sondern »in den vom Staat zur Verfügung gestellten Geldtopf« greifen wolle. Lediglich fünf Prozent sollten aus eigenen Mitteln dazugezahlt werden.

Das Unternehmen solle die volle Differenz zwischen Kurzarbeitergeld und Gehalt aufbringen, fordert Verdi. Angesichts von bis zu 3,5 Milliarden Euro Umsatz in den europäischen Filialen der Parfümkette, wie das private Statistikportal Statista im Dezember 2019 gemeldet hatte, würde der volle Ausgleich die Kette »keineswegs in die Insolvenz treiben«, erklärte die Gewerkschaft. »Doch die Beschäftigten selbst müssen zusehen, wie sie mit solch einer Kürzung zurechtkommen«. So stelle sich die Frage, wie etwa bei Douglas arbeitende Alleinerziehende in Großstädten die hohen Lebenshaltungskosten aufbringen sollen.

Im Vorteil sind Filialen mit Betriebsrat. Diese machen jedoch nur einen kleinen Anteil am Gesamtnetz aus. In einer Unternehmensanalyse vom September 2019 nannte Verdi die Zahl von rund 30 Läden, die über eine Arbeitnehmervertretung verfügen. Außerdem gebe es seit 2017 einen Gesamtbetriebsrat. Über die Einführung und Ausgestaltung der Kurzarbeit muss Douglas nun mit den Betriebsräten verhandeln. In allen übrigen Geschäften gelten einzelvertragliche Vereinbarungen. Gerade in diesen betriebsratslosen Filialen werde starker Druck auf die Beschäftigten ausgeübt, die Kurzarbeiterregelung zu unterschreiben, so die Gewerkschaft. Wer sich weigere, dem drohe die sofortige betriebsbedingte Kündigung. Deshalb ruft Verdi alle betriebsratslosen Filialen dazu auf, die Gründung einer Mitarbeitervertretung in Angriff zu nehmen.

In der zurückliegenden Woche, in der bundesweit bereits viele Geschäfte geschlossen wurden, die keine Waren des Grundbedarfs anbieten, zeigte Douglas zudem, wie wichtig der Geschäftsleitung der Gesundheitsschutz der Beschäftigten ist. Sie seien nach Gewerkschaftsangaben zum Teil in die geschlossenen Filialen bestellt worden, um dort aufzuräumen, Retouren zu bearbeiten oder Regale aufzufüllen. In Anbetracht der täglich steigenden Infektionszahlen sei es verantwortungslos, das Personal für solche unsinnigen Arbeiten in die Läden zu zwingen – zumal viele von ihnen öffentliche Verkehrsmittel benutzen müssten, in denen das Ansteckungsrisiko hoch sei. »Gehalt und Gesundheit der Mitarbeiter, das alles ist für die Parfümerie Douglas offenbar nebensächlich.«

Im September 2019 hatte Verdi zum wiederholten Mal einen Tarifvertrag gefordert. Hintergrund war die »freiwillige« minimale Erhöhung der Entgelte in der Parfümeriekette, die allerdings, so die Gewerkschaft, auch »jederzeit wieder rückgängig« gemacht werden könne. Für besondere Unsicherheit in der Belegschaft sorgte zugleich die Nachricht, dass Douglas europaweit 70 Filialen, davon 20 in der Bundesrepublik, schließen wolle. Davon erfuhren die Beschäftigten aus den Medien. Eine direkte Information durch die Geschäftsleitung gab es nicht.

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