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Aus: Ausgabe vom 23.03.2020, Seite 1 / Ausland
Italien

Italien macht dicht

Fast 5.000 Tote durch Covid-19. Kuba und Russland schicken medizinische und personelle Hilfe
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Weitgehende Maßnahmen: Radfahrer vor der geschlossenen Mailänder Scala (20. März)

Die italienische Regierung hat im Kampf gegen das Coronavirus die Schließung aller »nicht lebensnotwendigen« Unternehmen und Fabriken beschlossen. Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte am Samstag abend in einer Fernsehansprache, die Regierung habe entschieden, landesweit jegliche Produktion einzustellen, die für die Grundversorgung »nicht absolut notwendig, entscheidend und unverzichtbar« sei.

Die Zahl der Todesopfer in Italien nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus war zuvor binnen 24 Stunden um fast 800 in die Höhe geschnellt und stieg somit auf 4825. Damit wurden 38,3 Prozent der Fälle weltweit, in denen Menschen an Covid-19 starben, aus Italien gemeldet.

Die Regierung habe beschlossen, im Bemühen um eine Eindämmung der durch das Coronavirus ausgelösten Pandemie einen »zusätzlichen Schritt« zu gehen, sagte Conte. »Wir werden den Produktionsmotor des Landes verlangsamen, aber wir werden ihn nicht stoppen«, versicherte er. Ausgenommen von der Schließung seien unter anderem Lebensmittelgeschäfte und Apotheken.

Unterdessen hat Kuba am Sonntag ein Ärzteteam nach Italien geschickt, das die italienischen Kollegen bei ihrem Kampf gegen das Coronavirus unterstützen soll. Die 52 Ärzte und Krankenpfleger sollten in der Lombardei, dem aktuellen Brennpunkt der Coronaviruskrise, eingesetzt werden, teilte das Gesundheitsministerium in Havanna mit.

Auch Russland schickt medizinische und personelle Hilfe nach Italien. Staatschef Wladimir Putin hatte dem italienischen Regierungschef Conte bei einem Telefonat am Samstag die Unterstützung versprochen. Vom Militärflughafen Tschkalowski in der Nähe von Moskau starteten am Sonntag die ersten von neun Flugzeugen des Typs Iljuschin »Il-76« in Richtung Italien, wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte. Insgesamt sollten acht Brigaden mit entsprechender medizinischer Ausrüstung in das südeuropäische Land verlegt werden. Das Ministerium machte keine Angaben zur Zahl der Mitglieder je Brigade. (AFP/dpa/jW)

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