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Aus: Ausgabe vom 23.03.2020, Seite 1 / Titel
Volksrepublik China

Aufatmen in Wuhan

China kehrt langsam zur Normalität zurück. Hilfslieferungen an europäische Länder werden ausgeweitet
Von Jörg Kronauer
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Mediziner werden am Sonntag am Flughafen in Kunmming begrüßt und feiern ihre Heimkehr aus Wuhan. Dort hatten sie gegen das Virus gekämpft

Nach einem gut zwei Monate währenden erbitterten Kampf gegen die Covid-19-Pandemie kehrt China Schritt für Schritt zum einst gewohnten Alltag zurück. Die Eindämmung des Covid-19-Virus scheint gelungen zu sein: Nach drei Tagen gänzlich ohne Neuinfektionen verzeichnete die Volksrepublik am Samstag einen einzigen neuen Fall in der südchinesischen Metropole Guangzhou.

Lediglich einige Heimkehrer treiben die Zahl der mit dem Virus Infizierten noch in die Höhe; zahlreiche sich im Ausland aufhaltende Chinesen haben in der vergangenen Woche alles daran gesetzt, in die Volksrepublik zurückzufliegen, weil sie größeres Vertrauen in deren entschiedenes Vorgehen gegen die Pandemie haben als in die verspäteten Maßnahmen der westlichen Welt. Die Zahl der durch sie ins Land gebrachten Neuinfektionen stieg am Samstag auf insgesamt 314; sie wird wohl noch weiter zunehmen. Die Behörden hoffen, sie mit strikter Quarantäne unter Kontrolle zu halten, um eine zweite große Infektionswelle zu verhindern.

Unterdessen heben die zuständigen Stellen nach und nach die Einschränkungen des Alltagslebens wieder auf. In der vergangenen Woche stellten erste Schulen von Online- auf normalen Unterricht um, öffneten also auch ihre Gebäude wieder, allerdings noch unter Wahrung strikter Vorsichtsmaßnahmen – so sind etwa Mundschutzmasken Pflicht.

Die östliche Provinz Jiangxi, die mit fast 1.000 Fällen betroffen war, hob am Samstag die Einschränkung der Bewegungsfreiheit wieder auf. Die Metropole Hangzhou südwestlich von Shanghai stellte am Wochenende das Temperaturmessen auf öffentlichen Plätzen ein und lockerte die Pflicht, Mundschutzmasken zu tragen.

Im am schwersten betroffenen Wuhan feierten Anwohner die Räumung der ersten Straßensperren mit Feuerwerken. Allerdings bleiben in der Stadt wegen anhaltender Ansteckungsgefahr vorerst noch zahlreiche Restriktionen bestehen.

Und während am Wochenende zahlreiche Ärzte, die aus anderen Regionen zur Unterstützung eingeflogen worden waren, die Heimreise antreten konnten, musste sich in der vergangenen Woche auf öffentlichen Druck die Polizei in Wuhan offiziell entschuldigen, weil sie gegen den Augenarzt Li Wenliang vorgegangen war. Li hatte Ende Dezember das Auftreten des Covid-19-Virus als erster öffentlich gemacht.

Erste Schritte in Richtung Alltag unternimmt auch die chinesische Wirtschaft. Betriebe beginnen, die Produktion wieder aufzunehmen; Geschäfte und Restaurants öffnen ihre Türen wieder. Klar ist, dass die Coronaviruskrise der chinesischen Wirtschaft erheblich geschadet hat. Das Ziel, das Pro-Kopf-Einkommen von 2010 bis 2020 zu verdoppeln, wird deshalb wohl nicht ganz zu erreichen sein. Unklar ist, wie sich der beginnende Kollaps der westlichen Wirtschaft auf Firmen in China auswirken wird: Chinesische Zulieferer werden ihre Waren auf absehbare Zeit nur eingeschränkt in Europa und Nordamerika absetzen können und wichtige Kunden verlieren.

Dessen ungeachtet weitet Beijing seine Hilfslieferungen in europäische Länder und teilweise auch die Entsendung von Ärzteteams aus. Atemschutzmasken, medizinische Ausrüstung und Testkits wurden mittlerweile nach Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland und Serbien geliefert. Präsident Xi Jinping hat auch der BRD Unterstützung angeboten. Über eine etwaige Antwort der Bundesregierung war bis jW-Redaktionsschluss allerdings nichts bekannt.

Debatte

  • Beitrag von Dieter R. aus N. (23. März 2020 um 07:35 Uhr)
    China-Virus oder Detrickt-Virus? Über die Ursachen bzw. Verursacher der Pandemie findet derzeit ein offener Schlagabtausch zwischen den Regierungen der USA und Chinas statt, der sich auch in den »Social Media« fortsetzt. Trumps windige Schuldzuweisung an China, zu spät informiert zu haben, findet offenbar in der US-Bevölkerung große Verbreitung bis hin zum Verdacht der absichtlichen Aussetzung zum Schaden der USA. China verwahrt sich entschieden und verweist auf das im Juli letzten Jahres unter mysteriösen Umständen geschlossene Biowaffeninstitut Fort Detrickt in Maryland, das über Jahrzehnte bereits im Verdacht steht, HIV, Ebola und andere Seuchen künstlich erzeugt und zu Versuchszwecken vorrangig in Entwicklungsländern verbreitet zu haben. Ablauf und jeweilige Motivlage sprechen meiner Meinung nach eindeutig für die chinesische Interpretation.
  • Beitrag von Fabian P. aus S. (23. März 2020 um 09:45 Uhr)
    Ich hoffe, dass die Volksrepublik China in Deutschland helfen kann.

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