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Aus: Ausgabe vom 21.03.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Phantastische Annahme

Zu jW vom 16.3.: »Genealogie des Verfalls«

Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, ja schon »verschwörungsverdächtig«, dass ausgerechnet die recht verspätete Nietzsche-Beschäftigung in der DDR die Aufweichung der antifaschistischen und realsozialistischen Grundlagen herbeigeführt haben soll – das wäre sicher zu phantastisch einfach! In den gerade veröffentlichten Anhörungen der früheren Politbüromitglieder vor der PDS-Schiedskommission 1990 zum ganz realen parteiorganisatorischen und staatspolitischen Niedergang von SED und DDR kommt Friedrich Nietzsche jedenfalls gar nicht vor, allerdings Marx auch nur einmal. Vielmehr fehlte doch jahrzehntelang eine eigenständige marxistisch-kritische Auseinandersetzung mit der spätbürgerlichen Philosophie und Nietzsche nach dem Vorbild von Franz Mehring, Hans Günther und Georg Lukács. Wolfgang Harich allein konnte sie natürlich nicht leisten. Derweil wurde aber schon in den 1960er Jahren in Weimar die schließlich fast 100bändige große Nietzsche-Ausgabe durch die beiden antifaschistischen marxistischen IKP-Mitglieder Giorgio Colli und Mazzino Montinari neu erarbeitet und für den fortlaufenden Druck in Westberlin vorbereitet. Und darin besteht doch die eigentliche Tragik für Wolfgang Harich: dass er dagegen überhaupt nicht angehen konnte und statt dessen gegen die ganz reguläre Nietzsche-Promotion von Renate Reschke auch noch »frauenfeindlich« polterte. – Aber die Harich-Edition, auch zu Nietzsche, ist tatsächlich eine ganz großartige Leistung von Andreas Heyer zur Rehabilitierung von Harich.

Hans-Christoph Rauh, Berlin

Verhängnisvolle Abkehr

Zu jW vom 16.3.: »Genealogie des Verfalls«

Endlich ein den Sachverhalt klar und wahrheitsgemäß beschreibender Beitrag. (…) Es ist offensichtlich: Bis ins Politbüro der SED hinein wollte man sich mit Friedrich Nietzsche »weltoffen« und »tolerant« geben. (…) Die Abkehr von Marx in der Kulturpolitik der späten DDR war offensichtlich und gewollt, unterstützt auch von den damals die Kulturpolitik der DDR bestimmenden Leuten wie Hermann Kant und Stephan Hermlin.

Clemens Wittkowski, per E-Mail

Schikane an Grenze

Zu jW vom 16.3.: »Rechter Protest«

Als mittelbar Betroffener (…) noch ein paar Informationen zu Ihrem Artikel: Die Ausreise aus Polen in die Ukraine dauerte nicht nur extrem lange, sie war auch mit skandalösen Begleitumständen verbunden. Menschen in den Bussen wurden offenbar gezielt nur sehr langsam abgefertigt (es ging ja nur um die Ausreise, das heißt die eigentliche Kontrolle bestand in einem kurzen Blick in den Pass – aber das war offensichtlich sehr anstrengend und erforderte nach jedem Bus eine ordentliche Pause …), es standen keine Toiletten zur Verfügung (auch wenn es der Bus endlich in die Nähe des Grenzübergangs geschafft hatte, nützte das nichts – die Toiletten dort durften nicht benutzt werden), es gab auch kein Wasser für die Wartenden (inklusive alter Leute und Kinder). Ich habe mich (…) über die im Internet angegebenen Adressen direkt an den Grenzpunkt und an das polnische Rote Kreuz gewandt – natürlich keinerlei Reaktion. Verschärft wurde die Lage durch die ukrainischen Rückkehrer aus Polen, die ihre Reise über polnische Busunternehmen gebucht hatten. Letztere setzten die Leute, statt sie in die Ukraine zu bringen, offensichtlich einfach in der Nähe der Grenze ab und überließen sie mit ihrem Gepäck sich selbst. Fußgänger wurden aber an der Grenze gar nicht abgefertigt, so dass diese von den Bussen ukrainischer Unternehmen aufgenommen wurden (wahrscheinlich nicht ganz uneigennützig). Insgesamt wurden hier Menschen in miesester Weise behandelt. Die staatlichen polnischen Stellen wussten von dem Problem – über die Wartezeiten wurde, wie Sie ja schrieben, sogar online informiert. Aber es hat sich nicht nur niemand darum gekümmert, sondern den Wartenden wurde das Leben offensichtlich so schwer wie möglich gemacht. Die ganze Sache riecht sehr nach Vorsatz. Würde das woanders passieren, gäbe es wohl einen Aufschrei …

Boris Fehse, per E-Mail

Scharlatanerie

Zu jW vom 17.3.: »Abgeschrieben: Alle Agrargebiete der UdSSR waren betroffen«

Trofim Lyssenko, wie der Name sagt, ein Ukrainer, war Stalins bevorzugter »Wissenschaftler«. Beide setzten den Bann jeglicher genetischer Forschung durch und propagierten die abenteuerlichsten Methoden zur mutmaßlichen Erntesteigerung. Neben der übereilten und gewaltsamen Zwangskollektivierung (…) war auch dies ein wesentlicher Grund für Missernten und Hunger. Der weltweit geachtete Genetiker Nikolai Wawilow kam zu Tode, und die Lyssenkosche Scharlatanerie hielt sich im ganzen Osten, inklusive Chinas, bis in die 1960er Jahre – mit Ausnahme der DDR!

Armin Christ, per E-Mail

Schwierige Zeiten

Zu jW vom 18.3.: »Risikogruppe Arbeiter«

Es ist nicht ungewöhnlich, von Angriffen auf Zeitungen zu lesen, da die Pressefreiheit regelmäßig angegriffen wird. Aber das jüngste Verbot ist ungewöhnlich: Jordanien hat das Drucken von Zeitungen untersagt, da diese angeblich zur Verbreitung des Coronavirus beitragen. Ich habe zwar kaum medizinisches Wissen, das über Google hinausginge, aber ich finde das fehl am Platz. In schwierigen Zeiten brauchen wir Zugang zu Informationen, und für viele wird dieser durch Zeitungen ermöglicht. Es gibt bereits soviel Panik und so viele Fehlinformationen, dass die wahre Geschichte weiter veröffentlicht werden muss. Dies ist kein Moment, die Druckmaschinen anzuhalten.

Dennis Fitzgerald, Melbourne/Australien

Zwei Systeme

Zu jW vom 18.3.: »Kubas Ärzte im Einsatz«

Der Donald schreit: »Alle Medikamente für Amerika!« – Kuba zeigt Solidarität. Der Unterschied zwischen zwei Systemen.

Martina Moritz, Onlinekommentar

In schwierigen Zeiten brauchen wir Zugang zu Informationen. Die wahre Geschichte muss weiter veröffentlicht werden. Dies ist kein Moment, die Druckmaschinen anzuhalten.

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