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Aus: Ausgabe vom 19.03.2020, Seite 6 / Ausland
Kampf gegen Coronavirus

Es geht auch anders

Vietnam entwickelt schnelles Testkit für Coronavirus. Viele internationale Anfragen
Von Stefan Kühner
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Quarantänemaßnahme in Hanoi vor dem Haus eines mit dem Coronavirus infizierten Patienten (13.3.2020)

Auch die Menschen in Vietnam stehen unter dem Bann der Coronaviruspandemie. Am Mittwoch lag die Zahl der nachgewiesenen Infektionen laut der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität bei 68, die Zahl der Todesfälle bei null. Die Regierung der Sozialistischen Republik Vietnam hatte, nachdem das Ausmaß der Erkrankungen im Nachbarland China bekannt geworden war, sehr schnell und konsequent reagiert. Bereits Ende Januar wurde nach dem vietnamesischen Neujahresfest am 25. Januar der Schulbetrieb nicht wieder aufgenommen. Die Schließungen wurden in der Folge mehrfach verlängert, die Sommerferien nach hinten verschoben, ebenso die Abitur- und Abschlussprüfungen. Seit der zweiten Märzwoche laufen Teile des Unterrichts über das Fernsehen.

Auch in Bezug auf SARS-CoV-2-Tests ist Vietnam offensichtlich gut vorbereitet. Eine dem Militär angegliederte medizinische Universität hat zusammen mit dem Unternehmen »Viet A Corporation« Testkits entwickelt, die das neuartige Coronavirus in Tröpfchenproben aus den Atemwegen und in Blutproben nachweisen. Es wurde vom vietnamesischen Institut für Hygiene und Epidemiologie validiert und liefert zuverlässige Ergebnisse in weniger als zwei Stunden, wie die Zeitung der KP Vietnams Nhan Dan am 5. März berichtete.

Das innerhalb von nur einem Monat entwickelte Untersuchungskit umfasst jeweils 50 Einheiten und kostet pro Test zwischen 17 und 26 US-Dollar – deutlich weniger als die durchschnittlich 200 Euro, die in Deutschland im Verdachtsfall von den Krankenkassen, ansonsten von Selbstzahlern übernommen werden müssen. Seine Genauigkeit entspricht jener der Tests der Weltgesundheitsorganisation und des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention. Zudem sieht sich die in Ho-Chi-Minh-Stadt ansässige Herstellerfirma in der Lage, bis zu 10.000 Testkits pro Tag herzustellen und bei Bedarf die Menge noch deutlich zu erhöhen. Mehr als 20 Länder, darunter Italien, Deutschland und die Türkei, haben bereits Lieferanfragen an Hanoi gerichtet, wie das Nachrichtenportal Vietnam Insider am Dienstag schrieb.

Nach drei Wochen ohne Neuinfektionen hatte das Land Anfang März bereits gehofft, dass die Ausbreitung gestoppt sei, jedoch wurden neue Fälle bei Touristen festgestellt. Die Regierung des Landes und der Provinzen reagierten erneut konsequent. Seit dem 15. März gibt es umfangreiche Einreisebeschränkungen für etliche Länder unter anderem aus dem EU- Schengen-Raum und Großbritannien. Betroffen sind auch Reisende aus den Nachbarländern Vietnams. Ausländer als auch Überseevietnamesen, die in den vergangenen zwei Wochen in den ASEAN-Ländern gelebt haben oder sich auf der Durchreise befanden, müssen sich in eine 14tägigen Quarantäne in zentralisierten Einrichtungen begeben, so das vietnamesische Verkehrsministerium.

Im Zuge der Maßnahmen ist unter anderem ein 500 Meter langer Abschnitt der bei Touristen beliebten Truc-Bach-Straße in Hanoi komplett abgeriegelt worden, nachdem in der Nachbarschaft eine aus Italien oder Großbritannien eingeschleppte Coronavirusinfektion festgestellt wurde. Die mehr als 1.000 Menschen, die dort noch mindestens eine Woche unter Quarantäne stehen, erhalten nach lokalen Angaben gegenüber jW täglich kostenlose Mahlzeiten.

Ministerpräsident Nguyen Xuan Phuc, der die Koordinierung der Maßnahmen an sich gezogen hat, erließ am 11. März eine Direktive, in der er angesichts der neuen Infektionen Ministerien, Behörden und die Volkskomitees auf Provinzebene dazu anhielt, die schnelle Erkennung und strenge Kontrolle von Infektionsquellen sowohl in Vietnam als auch in anderen Ländern voranzutreiben. Die im Ausland lebenden Vietnamesen rief er zu Spenden auf. Eine der führenden vietnamesischen Geschäftsbanken, die Viet Die Nam Prosperity Joint Stock Commercial Bank, stellte unterdessen knapp 650.000 US-Dollar zur Bekämpfung des Coronavirus bereit.

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