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Aus: Ausgabe vom 10.03.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Investoren

Geier über Griechenland

Wirtschaftsforum in Berlin berät über Ausverkauf des Landes
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Freude über Kürzungsprogramme: Die Wirtschaftsminister Griechenlands, Adonis Georgiadis, und Deutschlands, Peter Altmaier, sowie DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben (v. l. n. r.) am Freitag in Berlin

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht Griechenland nach schwierigen Jahren im Aufbruch und hat deutsche Firmen zu mehr Investitionen in dem Land aufgerufen. Altmaier sagte am Montag auf einem deutsch-griechischen Wirtschaftsforum in Berlin, es lohne sich, in Griechenland zu investieren, es gebe große Chancen zum Beispiel bei erneuerbaren Energieträgern. Investitionen sollten nicht Drittstaaten wie China überlassen werden. Griechenland könne eine neue »Erfolgsstory« werden.

Das deutsch-griechische Handelsvolumen hat nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) 2019 mehr als sechs Prozent zugelegt. Erstmals seit 2009 habe der Handel wieder den Wert von acht Milliarden Euro überstiegen. »Zahlreiche Maßnahmen der neuen griechischen Regierung bieten neue Möglichkeiten«, so Schweitzer. »Dazu zählen Vorhaben in der Logistikbranche, bei den erneuerbaren Energien und bei der Modernisierung der Infrastruktur – von Häfen über Flughäfen bis zur Bahn.« Ein Ziel der Konferenz mit Politikern und Unternehmen sei es, mehr deutsche Investoren nach Griechenland zu locken. Auch der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollten am Nachmittag Grußworte halten.

Griechenland wurde von der Troika aus IWF, EU und EZB als Versuchslabor neoliberaler Kürzungspolitik behandelt. Vor fast genau zehn Jahren hatte der damalige griechische Regierungschef Giorgos Papandreou internationale Gläubiger um Kredithilfen gebeten. Die »linke« Partei Syriza, die darauf an die Regierung kam, setzte die Kürzungsvorgaben um. Mitsotakis von der konservativen Nea Demokratia versieht seit Juli die Staatsgeschäfte. Seine Regierung hat Abgaben für Unternehmen und die Grundsteuer gesenkt. Investoren sind zufrieden: Erstmals, seit der Wert überhaupt bemessen wird, sanken die Zinsen für die zehnjährigen Anleihen Griechenlands an den internationalen Kapitalmärkten unter ein Prozent. Als die US-Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Landes Ende Januar von »BB minus« auf »BB« anhob, jubelte Mitsotakis auf Twitter: »Griechenland ist zurück.«

Der Beauftragte der Kanzlerin für die Deutsch-Griechische Versammlung, Norbert Barthle, sagte gegenüber dpa, die wachstumsfreundliche politische Agenda der neuen Regierung schlage sich positiv nieder, auch wenn die Zahl der Erwerbslosen nach wie vor zu hoch sei. Es gehe nun darum, wie deutsche Firmen mehr investieren könnten. Momentan beschäftigten deutsche Firmen in Griechenland rund 30.000 Menschen und trügen damit rund drei Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, resümierte Barthle, der ansonsten Staatssekretär beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist. Allerdings seien noch längst nicht alle Probleme bewältigt. Griechische Banken seien nach wie vor von »roten Krediten«, den Kreditausfällen seit der Finanzkrise, belastet. Auch die Privatisierung von Staatseigentum müsse nach Meinung von Investoren schneller vorangetrieben werden. (dpa/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Roland Winkler, Aue: Schändliches Spiel Griechenland, das beste Beispiel dafür, was in und von einer westlichen Wertegemeinschaft mit einem Volk gemacht, wie es gedemütigt, diffamiert, in Not und Elend und unverschuldeten Katastrophen allei...
  • Reinhard Hopp: Was für eine Gaudi Soviel Spaß kann es machen, einen Staat in den Ruin zu treiben, ein Land auszuplündern und ein Volk zu versklaven. Und das alles im Namen des Fortschritts und unterm EU-Sternenhimmel....

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