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Aus: Ausgabe vom 28.02.2020, Seite 8 / Abgeschrieben

Tödliche Konsequenzen abgestritten

Die Initiative »Coordination gegen Bayer-Gefahren« hat am Donnerstag den Antrag für die Hauptversammlung des Konzerns am 28. April veröffentlicht, den Vorstand nicht zu entlasten. In der Begründung heißt es unter anderem:

Im Jahr 2018 vollendete Bayer die Übernahme des US-amerikanischen Agrarkonzerns Monsanto. Damit gelangte auch das Breitbandherbizid »Roundup« in das Sortiment. Dieses Pestizid mit dem Wirkstoff Glyphosat steht bereits seit einiger Zeit massiv in der Kritik. Laut Bayer selbst sind weltweit mehr als 48.000 Klagen anhängig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen bezeichnete Glyphosat als »wahrscheinlich krebserregend«. Sogar Monsanto selber stufte den Stoff als gesundheitsschädlich ein. (…)

Die internen Monsanto-Dokumente spielen folgerichtigerweise eine prominente Rolle in der Argumentation der Anwälte von Glyphosat-Geschädigten in den USA. Mehrere zehntausend Verfahren sind bisher gegen Bayer anhängig. Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender des Bayer-Konzerns, hält trotzdem in Treue fest zu Glyphosat. (…) Der Konzern strebt in den weltweiten juristischen Auseinandersetzungen nun Vergleiche an. Diese werden üblicherweise »ohne Anerkennung jeglichen Verschuldens« geschlossen. Entscheidende Fragen der Haftung und der Verantwortung für das Leid der Betroffenen werden damit durch Bayer ausgeschlossen. Zudem kann Bayer das krebserregende »Roundup« auch nach dem Abschluss der Vergleiche weiter vertreiben. Zukünftige Vergiftungen von Mensch und Umwelt sind damit programmiert. Der Vorstand des Konzerns ist in der Pflicht, die Produktion des krebserregenden Produktes »Roundup« einzustellen und zuzugeben, welch verheerende Wirkungen es entfaltet hat. Bisher hat der Vorstand aber versucht, die tödlichen Konsequenzen der Anwendung von Glyphosat für Mensch und Umwelt abzustreiten. (…)

Der Verein »Landesweite Opferberatung, Beistand und Information für Betroffene rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern« (LOBBI) teilte zum Urteil gegen einen neonazistischen Angreifer mit:

Bereits am 27. Januar 2020 fiel am Amtsgericht Rostock das Urteil gegen einen 18jährigen Mann. Er hatte im Dezember 2018 im Rostocker Stadtteil Lütten Klein einen Familienvater rassistisch beleidigt und anschließend mit einem Zimmermannshammer so schwer verletzt, dass dieser stationär behandelt werden musste. (…) Da er zur Tatzeit erst 17 Jahre alt war, fand die Verhandlung gegen ihn unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. (…) In ihrer jetzt veröffentlichten Begründung spricht die vorsitzende Richterin von einem rassistischen Hintergrund der Tat und wertet diesen als strafverschärfend. Ebenfalls benennt sie im Urteil die Folgen der Tat für den Betroffenen und seine Familie. Dieser sei so stark verletzt worden, dass er operiert werden und mehrere Tage stationär behandelt werden musste. Außerdem habe der Angriff zu großen Ängsten in seiner Familie geführt. »Es ist nicht an uns, zu bewerten, ob eine Strafaussetzung auf zwei Jahre eine angemessene Sanktion für einen derartig brutalen Angriff ist. Wir begrüßen jedoch ausdrücklich, dass das Motiv der Tat im Urteil ebenso klar benannt wurde wie deren Folgen für den Betroffenen und seine Angehörigen«, so Tim Bleis von der Opferberatung LOBBI, die den Betroffenen seit Dezember 2018 unterstützt.