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Aus: Ausgabe vom 28.02.2020, Seite 8 / Ansichten

Exehrenbürger des Tages: Paul von Hindenburg

Von Arnold Schölzel
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Berlin, 1. Mai 1933: Paul von Hindenburg (l.) und Adolf Hitler bei den Nazifeiern zum »Tag der Arbeit«

Welch Wendung der Berliner SPD durch Müllers Fügung: Am 11. März 2015 lehnten SPD und CDU im Berliner Abgeordnetenhaus den Antrag der Linksfraktion ab, Paul von Hindenburg aus der Liste der Ehrenbürger Berlins zu streichen. Auf die war er 1933 zusammen mit Adolf Hitler wegen »ihrer Verdienste um die nationale Wiedergeburt der Stadt Berlin« geraten. Hitler wurde am 16. Dezember 1948 entfernt, Hindenburg blieb. Nun habe der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) dessen Streichung aus der Ehrenbürgerliste veranlasst, teilte die Senatskanzlei am Donnerstag auf Anfrage von dpa mit. Das Abgeordnetenhaus hatte am 30. Januar mit der Mehrheit von SPD, Linke und Grünen den Beschluss gefasst.
Zur Reichspräsidentenwahl 1932 war die SPD mit der Parole angetreten: »Wählt Hindenburg! Schlagt Hitler!« Kein Wunder also, dass die Berliner SPD noch 2015 von ihm nicht lassen wollte. Jetzt wird die Streichung allein mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler durch Hindenburg am 30. Januar 1933 begründet. Die Deutschnationalen aller Farben der Weimarer Republik stimmten aber wegen seiner anderen Heldentaten für die Taufe von Straßen, Plätzen, Schulen, Ortschaften und dem Eisenbahndamm nach Sylt: faktischer Militärdiktator Deutschlands im Ersten Weltkrieg, Kriegsverbrecher, Konterrevolutionär und Miterfinder der Legende vom »im Felde unbesiegten Heer«, dem Juden und Marxisten den Dolch in den Rücken gerammt hätten. Ab 1925 war er Reichspräsident und unterschrieb die Notverordnungen, mit denen die Kosten der Wirtschaftskrise auf die Massen abgewälzt und der Nazipartei der Weg bereitet wurde. So einer bleibt in der BRD hochangesehen. Jedenfalls wurden noch 2014 allein in Baden-Württemberg 128 Hindenburg-Benennungen gezählt. Im Unrechtsregime DDR gab es keine, aber den Westberlinern bleibt ein Trost: Der Hindenburgdamm in Lichterfelde heißt weiter so.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Ralph Dobrawa, Gotha: Überfälliger Schritt Es war allerhöchste Zeit, dass Berlin Paul von Hindenburg von der Ehrenbürgerliste gestrichen hat. Ein Mann, der von sich selbst behauptete, ihm sei der erste Weltkrieg »wie eine Badekur« bekommen, un...

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