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Aus: Ausgabe vom 26.02.2020, Seite 10 / Feuilleton

Wallroth, Cron, Rinnelt

Von Jegor Jublimov
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Arzthelferin, Model, Defa-Titelheldin: Evelyn Cron in »Hände hoch oder ich schieße« (1966, uraufgeführt 2009)

Kürzlich konnte man den 2011 verstorbenen Defa-Regisseur Werner W. Wallroth noch einmal im Fernsehen bewundern. In einer kleinen Nebenrolle in seinem Film »Du und ich und Klein-Paris« (1969). Er spielt da einen Dirigenten. Der am kommenden Freitag vor 90 Jahren in Erfurt geborene Wallroth gehörte zu den wenigen, die sich aufs »leichte Fach« einließen. Er drehte Lustspiel- und Abenteuerfilme, begab sich auch ins bei der Defa rare Musical-Fach (»Zille und ick«, 1983).

Mit 20 arbeitete er bei der Erfurter HO und leitete einen Jugendchor, mit dem er 1951 an den Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Berlin teilnahm. 1954 gehörte er zu den ersten Regiestudenten der neuen Filmhochschule in Babelsberg. In den 60er Jahren wurde er mit »Hauptmann Florian von der Mühle« (1968) und »Lützower« (1972) Spezialist für 70-Millimeter-Filme, und schrieb mit Dean Reed den Indianerfilm »Blutsbrüder« (1975). Zudem schuf Wallroth zahlreiche Texte für Sänger wie Chris Doerk, Holger Biege, Nina Hagen und seinen Bruder, den Chansonnier Wolfgang Wallroth.

In »Haus am Meer« aus der »Staatsanwalt«-Reihe des DFF spielte Evelyn Cron 1978 die Hauptrolle. Charlotte von Mahlsdorf, bürgerlich Lothar Berfelde und einer der berühmtesten Transvestiten Deutschlands, trat darin als Kneipengast auf. Als 1992 ihre Lebensgeschichte verfilmt wurde, verkörperte sie ihre Tante Luise. Bei der Adaption ihrer Autobiografie »Ich bin meine eigene Frau« führte Rosa von Praunheim Regie. Die Magdeburgerin Evelyn Cron hatte nach der Schule neben ihrem Job als Arzthelferin gemodelt. Mit 20 wurde sie für eine Defa-Hauptrolle entdeckt. Nach der Titelrolle in der Operettenadaption »Die schöne Lurette« (1960) nahm sie Schauspielunterricht, wirkte in zahlreichen Filmen und Fernsehspielen und am Theater. Vor fünf Jahren zog sie sich aus dem Beruf zurück. Am Montag ist sie 80 Jahre alt geworden.

Filmemacher Frank Rinnelt, der heute 65 wird, spielte in der Kindheit in Bautzen oft mit Cousin Timo, der später mit den Eltern in den Westen ging und in Wiesbaden Opfer eines spektakulären Mordes wurde. Rinnelt wurde Volontär beim Fernsehen, Regiestudent in Babelsberg und schließlich Regisseur im Defa-Dokumentarfilmstudio. Er lernte bei einigen der Großen, Karl Gass’ Dokfilm »Das Jahr 1945« wurde nicht zuletzt durch Rinnelts Mitarbeit der erfolgreichste Kinofilm des Jahres 1985. Ab 1987 machte Rinnelt eigene Filme, etwa über Erfolge der »Messe der Meister von morgen«. In den 90ern gründete er einen Potsdamer Stadtfernsehsender und arbeitet bis heute als einfühlsamer Editor.

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