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Aus: Ausgabe vom 18.02.2020, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft
TCB Beverages

Eine austauschbare Größe

Im Tarifkonflikt bei Gilde-Brauerei setzt Geschäftsleitung auf Verweigerung und Streikbruch
Von Steve Hollasky
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Die Tarifauseinandersetzung in der Gilde-Brauerei hat Vorbildcharakter für Belegschaften in anderen Betrieben (Krostitz, 9.3.2017)

Die Gilde sei »ein Stück pures Hannover«, kann man auf der Seite des Hannoveraner Traditionsbetriebes lesen. Seit 1546 wurde in der Brauerei Bier hergestellt. Damit war Ende letzten Jahres Schluss, im Zuge eines heftigen Tarifkampfes wurde die Brauerei durch den Besitzer, die Brauereigruppe TCB, in vier Betriebe zerschlagen.

TCB hatte das Unternehmen im Januar 2016 übernommen. Für die Beschäftigten der Gilde bedeutete dies vor allem den Verlust der Tarifbindung. Lediglich diejenigen, die vor dem Betriebsübergang an den neuen Eigentümer schon bei Gilde angestellt waren, werden seither noch nach dem damaligen Tarif entlohnt. Aber von Tarifsteigerungen sind auch sie ausgeschlossen.

Neubeschäftigte werden weit unter diesem Niveau entlohnt. Nach Angaben der zuständigen Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) verdienen diese Angestellten der Gilde gut 15.000 Euro brutto im Jahr weniger als Brauer, die vor dem Januar 2016 bereits dort gearbeitet haben. Gut die Hälfte der heute etwa 140 Beschäftigten ist davon betroffen.

Die NGG forderte daher die TCB schon vor etwa vier Monaten zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag auf. Die Unternehmensleitung lehnt Gespräche jedoch seither ab. Während der laufenden Warnstreiks spaltete TCB den Betrieb in vier kleinere auf. Gegenüber Bild erklärte Unternehmenschef Karsten Uhlmann noch im Dezember, dieser Schritt sei nötig, »um die Zukunft« der Brauerei »zu sichern«. Ähnlich drückte sich Uhlmann danach wiederholt gegenüber der Presse aus.

Philipp Thorn, Gewerkschaftssekretär der NGG Hannover äußerte gegenüber junge Welt am Montag den Verdacht, dass die Aufspaltung der Gilde eher der Versuch sei, die »Tarifbindung zu unterlaufen«. Auch der Betriebsrat wurde bei dem Manöver von der TCB umgangen, weshalb der Fall seit dem gestrigen Montag vor einer gerichtlich vereinbarten Einigungsstelle verhandelt wird. Große Hoffnungen machte sich die NGG auf diesen Termin im Vorfeld jedoch nicht. Zwar gäbe es den Plan seitens des Eigentümers, das Unternehmen wieder zusammenzuschließen, richtig glauben will die NGG daran jedoch nicht. »Für die Beschäftigten wäre die Rückkehr« in ein einziges Unternehmen »durchaus positiv«, erklärte Thorn. Allerdings würde die TCB diesen Schritt nur gehen, wenn deren Pläne zur Effizienzsteigerung umgesetzt würden – und das »würde sicherlich wieder zu Lasten der Kolleginnen und Kollegen gehen«, befürchtet Thorn.

Im Prozess der »Sicherung des Unternehmens« sind die Beschäftigten für die TCB anscheinend austauschbar. Das bewies die Geschäftsleitung bereits Ende Januar. Einer Pressemitteilung der NGG zufolge verbot das Management sechs Angestellten aus der Frühschicht am 31. Januar nach Abschluss eines Warnstreiks den Zutritt zur Brauerei. Diese Aussperrung ist bis heute gültig. Zudem wurden mittlerweile 19 Beschäftigte der Flaschenabfüllung ausgesperrt.

Inzwischen setzt die TCB auch Streikbrecher ein. Laut einer Meldung der Hannoveraner Zeitung wurden sogar Beschäftigte aus anderen Städten herangeholt, um die Umsatzeinbußen zu kompensieren. Thomas Domke, Sekretär der NGG, hat dies im jW-Gespräch bestätigt. Die hartnäckige Verweigerungshaltung der TCB erklärt sich Domke so: Käme es in Hannover zum Abschluss eines Tarifvertrages, könnte dies auch in Dresden, wo der Holding die Feldschlösschen-Brauerei gehört, den Beschäftigten Mut machen, »einen Tarifvertrag zu fordern«. Das wolle das Unternehmen scheinbar verhindern.

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