Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Gegründet 1947 Sa. / So., 28. / 29. März 2020, Nr. 75
Die junge Welt wird von 2267 GenossInnen herausgegeben
Probeabo abschließen und weiterempfehlen Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Aus: Ausgabe vom 17.02.2020, Seite 5 / Inland
Abgasmanipulation

Dieselfahrer tappen im dunkeln

VW lässt Vergleichsverhandlungen mit Verbraucherzentrale platzen
Von Bernd Müller
Vergleich_fuer_VW_Di_64365410.jpg
Klaus Müller, Vorsitzender des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, war sichtlich verblüfft, als VW seine Zusagen am Freitag zurückzog (Berlin, 14.2.20)

Die Vergleichsverhandlungen im Dieselskandal zwischen Volkswagen und dem Bundesverband der Verbraucherschutzzentralen (VZBV) sind gescheitert. Das teilten beide Parteien übereinstimmend am Freitag mit.

Im September 2015 hatte der Autobauer zugegeben, in weltweit elf Millionen Fahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben. Bislang zahlte der Konzern mehr als 30 Milliarden Euro an Strafen und Entschädigungen, vor allem in den USA. In Deutschland weigerte sich VW bislang, seine Kunden zu entschädigen.

Streitpunkt zwischen dem VZBV und VW ist unter anderem die Kostenübernahme für die Abwicklung der Entschädigungszahlungen. Der Verbraucherschutzverband erklärte, der Konzern habe in Aussicht gestellt, 50 Millionen Euro der Gebühren, die von den VZBV-Anwälten erhoben werden, zu tragen. Am Freitag sollte davon plötzlich keine Rede mehr sein. Volkswagen monierte: Die Rechtsberater des VZBV hätten »keinen ausreichend konkreten Nachweis für die von ihnen zu erbringende Leistung« vorgelegt. Sie hätten sich bis zuletzt geweigert, die geforderten Gebühren von unabhängiger Seite überprüfen zu lassen.

Gescheitert seien die Verhandlungen nicht an den Honorarforderungen, teilte dagegen der VZBV mit. VW sei nicht bereit gewesen, »ein transparentes, vertrauenswürdiges und für Verbraucher sicheres System der Abwicklung zu ermöglichen«. Die Verbraucherschützer hätten sich nie dagegen gesperrt, den Leistungskatalog der Anwälte überprüfen zu lassen. Die Abwicklung durch die VZBV-Anwälte sei nicht zwingend gewesen. Außerdem hätte Volkswagen das Honorar in einem Angebot am Freitag mittag noch akzeptiert. Über den Abbruch der Verhandlungen durch Volkswagen sei man irritiert. »Wir haben davon heute um kurz nach 12 Uhr aus der Presse erfahren.«

VZBV-Anwalt Marco Rogert erklärte gegenüber AFP: »Volkswagen wollte die Entschädigung zu einer eigenen Werbeveranstaltung machen – ohne Transparenz,
Kontrolle und Einspruchsmöglichkeiten der Verbraucher«. Weil der Konzern in den vergangenen Jahren massenhaft betrogen habe, brauche es eine Kontrollinstanz: »Deswegen sind wir für eine Abwicklung, die der Verbraucherzentrale Bundesverband überwachen kann.«

Beide Seiten hatten sich auf Zahlung von bis zu 830 Millionen Euro geeinigt. Nach dem Scheitern der Vergleichsverhandlungen bietet der Autokonzern den vom Dieselskandal Betroffenen eine Einmalzahlung an: Die rund 430.000 Personen, die sich zur Musterfeststellungsklage angemeldet haben, sollen ab Ende März »ein auf sie zugeschnittenes Angebot« erhalten – je nach Fahrzeug und Alter zwischen 1.350 und 6.257 Euro.

Der VZBV resümiert: »Vier Jahre lang erzeugte der Dieselskandal großen Frust bei den Verbrauchern in Deutschland und Europa, aber nur wenig Entgegenkommen von VW.« Das habe sich im Zuge der Musterfeststellungsklage geändert. »Wir kämpfen weiter vor Gericht für eine gute Lösung für die Verbraucher.« Man werde das Verfahren »mit voller Kraft fortsetzen«.

Ähnliche:

  • Der Autokonzern muss sich mit den Folgen seiner Dreckschleudern ...
    03.01.2020

    Volkswagen lenkt ein

    Konzern geht im Dieselstreit in Vergleichsverhandlungen mit Verbraucherzentrale
  • Klagefreudig: Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bun...
    03.11.2018

    VW baut auf die Gerichte

    Musterfeststellungsklage nun auch gegen die Volkswagen-Bank. Wolfsburger Konzern gibt sich zuversichtlich

Drei Wochen kostenlos: jetzt probelesen!