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Aus: Ausgabe vom 17.02.2020, Seite 2 / Inland
Rechter Terror

Neonaziterrorgruppe zerschlagen

Zwölf Personen in Haft. Scharfe Waffen bei Durchsuchungen entdeckt
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Ein Beschuldigter am Samstag bei der Ankunft beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe

Nach Razzien gegen eine mutmaßlich neonazistische Terrorzelle haben Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof Haftbefehle gegen zwölf Männer erlassen. Vier mutmaßliche Mitglieder und acht mutmaßliche Unterstützer befinden sich in Untersuchungshaft. Das erklärte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Samstag.

Der Generalbundesanwalt war am Freitag mit Razzien in sechs Bundesländern gegen die Gruppe vorgegangen. Die mutmaßlichen Rechtsterroristen sollen Anschläge auf Politiker, Asylbewerber und Muslime ins Auge gefasst haben, um Chaos auszulösen. Bei den Durchsuchungen sollen scharfe Waffen gefunden worden sein.

Die Festgenommenen sind dem Vernehmen nach zwischen 31 und 60 Jahre alt. Vier von ihnen sollen sich zu der eigentlichen Terrorzelle zusammengeschlossen haben, die anderen acht halten die Ermittler für Unterstützer. Zum Kern der Gruppe rechnet die Bundesanwaltschaft noch einen fünften Mann. Er wurde aus unbekannten Gründen allerdings nicht festgenommen.

Laut Bundesanwaltschaft hatte sich die Gruppe in Chats und telefonisch ausgetauscht und auch schon mehrfach getroffen. Diese Treffen soll der 53jährige Werner S. aus dem Raum Augsburg koordiniert haben, zum Teil unterstützt von Tony E. aus dem Landkreis Uelzen. Zum Kern der Gruppe sollen außerdem der 35jährige Thomas N. aus Nordrhein-Westfalen und der 47jährige Michael B. aus dem Raum Esslingen gehört haben. Der Spiegel berichtete, dass mehr als zehn Personen am Sonnabend der Vorwoche in Minden zusammengekommen sind. Dieses Treffen sei von den Behörden mit großem Aufwand observiert worden.

S. soll bereits zuvor als Gefährder eingestuft gewesen sein. Laut Bild hat ein V-Mann den Ermittlungsbehörden Informationen übermittelt. Nach unbestätigten Berichten hatte der Stuttgarter Staatsschutz die Gruppe seit fünf Monaten im Visier.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Freitag bekanntgegeben, dass ein Verwaltungsmitarbeiter der Polizei suspendiert worden sei. Dieser Mann ist dem Vernehmen nach einer der mutmaßlichen Unterstützer. Die Bundesanwaltschaft wollte sich am Sonntag auf Nachfrage nicht zu möglichen Anschlagszielen äußern. Wie die Welt am Sonntag unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete, agierte die Gruppe unter dem Namen »Der harte Kern«. (dpa/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Irmela Mensah-Schramm: Fünf vor oder nach zwölf? Die Tatsache, dass so lange weg- oder auch zugeschaut wurde von den bundesdeutschen Verfassungssch(m)utz-Behörden, bis die »Neonaziterrorgruppe zerschlagen« wurde, zeigt, wie gefährdet die Demokratie ...

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