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Aus: Ausgabe vom 14.02.2020, Seite 15 / Feminismus
Reformvorschläge nicht aufgegriffen

»Zerrissener« Papst

Streit um Zölibat und Frauen im Priesteramt: Katholiken zum Teil von Oberhaupt enttäuscht
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Der Papst und seine Anhängerinnen: Szene am Rande einer Messe in Tokio (25.11.2019)

In der katholischen Kirche geht der Streit um die Gleichstellung von Frauen und die verordnete Ehelosigkeit von Priestern weiter. Während Papst Franziskus sozial- und umweltpolitisch deutlich links von seinen Vorgängern steht, greift er Reformvorschläge in der Geschlechterfrage nicht auf. »Leider findet er nicht den Mut dazu, in den seit 50 Jahren diskutierten Fragen der Weihe verheirateter Männer und der liturgischen Kompetenzen von Frauen echte Reformen umzusetzen«, erklärte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, am Mittwoch.

Papst Franziskus hatte zuvor mit einem apostolischen Schreiben auf Vorschläge einer Amazonassynode reagiert, die unter anderem angeregt hatte, den Zölibat in abgelegenen Gegenden Südamerikas in Ausnahmefällen zu lockern. Der Papst ging in dem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben »Querida Amazonia« (»Geliebtes Amazonien«) nicht darauf ein, obwohl sich die Mehrheit der Teilnehmer beim Bischofstreffen im Oktober im Vatikan dafür ausgesprochen hatte, um den akuten Priestermangel in der lateinamerikanischen Regenwaldregion zu bekämpfen. Allerdings enthält das päpstliche Schreiben keine ausdrückliche Absage an Reformen dieser Art. Seine Schwerpunkte sind die ökologische und die soziale Frage. Die Naturzerstörung im Amazonasgebiet und die Ausbeutung der indigenen Völker werden darin scharf verurteilt. »Man muss sich empören«, schreibt Franziskus, »so wie Gott angesichts der Ungerechtigkeit in Zorn entbrannte«. Es sei »nicht gesund, wenn wir uns an das Böse gewöhnen, es tut uns nicht gut, wenn wir zulassen, dass unser soziales Gewissen betäubt wird«, so der 83jährige.

Die Wiener Tageszeitung Die Presse bezeichnete das Oberhaupt der Katholiken am Donnerstag als »Zerrissenen«: »So progressiv der Papst (sozial-)politisch tickt, so konservativ ist er kirchenpolitisch.« (AFP/dpa/jW)

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