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Aus: Ausgabe vom 14.02.2020, Seite 5 / Inland
Elektrofahrzeuge

Noch einmal vertröstet

Verkaufspreis des Grundstücks für Autofabrik von Tesla bei Berlin nicht abschließend festgelegt. Gutachten liegt noch nicht vor
Von Bernd Müller
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Damit die drei hier im Wald gebaut werden können, ist Tesla bereit, Ameisen umzusiedeln (Grünheide in Brandenburg, 25.1.2020)

Tesla will in Grünheide bei Berlin eine Fabrik für Elektroautos errichten. Das beschäftigt den Brandenburger Landtag aus mehreren Gründen: Zum einen ist es der enorme Wasserbedarf der weltweit vierten »Gigafactory« von Tesla, der so hoch ist wie der einer Stadt mit 60.000 Einwohnern. Am Donnerstag stand dagegen der Wert des rund 300 Hektar großen Areals auf der Tagesordnung des Haushaltsausschusses.

Die Landesregierung wollte ein »unabhängiges« Gutachten vorstellen, um den Verkaufspreis des Grundstücks abschließend festlegen zu können. Doch Umweltminister Axel Vogel (Bündnis90/Grüne) musste die Parlamentarier ein weiteres Mal vertrösten: Das Gutachten ist noch nicht fertig und kommt wahrscheinlich erst nächste Woche. Auch er habe mit einer schnelleren Bearbeitung gerechnet, sagte Vogel im Ausschuss. Der Minister begründete die Verspätung mit wenig Zeit. Erst nachdem Mitte Januar der Vertrag unterzeichnet worden war, habe man gemeinsam mit Tesla einen unabhängigen Gutachter ausgewählt und beauftragt.

Kritik an dem Grundstücksverkauf kam unter anderem von der Linke-Fraktion. Deren finanzpolitischer Sprecher, Ronny Kretschmer, hatte im Januar moniert, der Verkauf solle »auf Grundlage einer nicht nachvollziehbaren Vorlage« in einer nichtöffentlichen Sitzung des Haushaltsausschusses genehmigt werden.

Der Wert des 300 Hektar großen Grundstücks wurde zuvor vom Landesforstbetrieb beziffert; für 41 Millionen Euro soll es den Eigentümer wechseln, was einem Preis von knapp 13,50 Euro pro Quadratmeter entspricht. Die Linke zeigte sich ob des günstigen Preises verwundert, liege er doch »weit unter dem Bodenrichtwert von 40 Euro pro Quadratmeter, der offiziell für das angrenzende Güterverkehrszentrum Freienbrink angegeben« werde. Das Brandenburger Finanzministerium hielt dagegen: Der Preis sei so gering, weil das Grundstück noch nicht voll erschlossen sei. Sollte der Gutachter aber zu dem Schluss kommen, dass die Fläche einen höheren Wert habe, dann müsste Tesla auch entsprechend mehr zahlen.

Der Autobauer verkündete am Donnerstag unterdessen, den Kursaufschwung seiner Aktie zu nutzen und sich mit einer Kapitalerhöhung »frisches Geld« zu besorgen. Brutto könnte das Unternehmen bis zu 2,3 Milliarden Dollar mit dem Aktienverkauf einnehmen. Das Geld braucht Tesla nicht zuletzt zur Expansion, wie in Grünheide.

Der Konzern will dort ein Werk bauen, in dem ab Juli 2021 jährlich bis zu 500.000 Fahrzeuge von »Model 3« und »Model Y« sowie künftiger Modelle vom Band rollen sollen. Derzeit läuft das umweltrechtliche Genehmigungsverfahren. In diesem Zusammenhang hatte sich der Konzern in den letzten Tagen bereit erklärt, für den Naturschutz Nistkästen aufzuhängen und Waldameisen umzusiedeln.

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