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Aus: Ausgabe vom 13.02.2020, Seite 16 / Sport
Ringen

Voll im Saft

Triumphe vor der Hungerkur: Der schwäbische Ringer Frank Stäbler bei seiner letzten EM
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»Demontage«: Frank Stäbler nach dem EM-Triumph gegen Adam Kurak

Rom. Ringer Frank Stäbler hätte kaum besser in sein letztes Sportlerjahr starten können. Mit drei klaren Siegen erreichte der 30jährige am Dienstag bei der Europameisterschaft in Rom souverän das Finale der Gewichtsklasse bis 72 Kilogramm. »Mega! Mega! Oberhammer«, jubelte der dreimalige Weltmeister aus Musberg bei Stuttgart. Vor dem Finale im griechisch-römischen Stil gegen den Georgier Iuri Lomadse am Mittwoch abend (nach Redaktionsschluss) versprach der Familienvater: »Ich werde nochmal alles reinwerfen, dann geht es in den Urlaub.«

Stäblers EM-Auftritt war überragend: In Achtel- und Viertelfinale ließ er den Gegnern mit jeweils 8:0 keine Chance, beide Duelle endeten vorzeitig. Im Halbfinalkampf gegen Adam Kurak lag er 0:1 zurück, warf den Russen dann aber dreimal auf die Matte. Mit dieser »Demontage« sicherte sich der Schwabe seine achte Medaille bei EM und WM. Bei Olympia stand er noch nicht auf dem Podest. 2012 in London verlor er unglücklich im Kampf um Bronze, vier Jahre später in Rio fehlte er verletzt (Syndesmoseriss). Im August in Tokio eine olympische Medaille zu gewinnen, ist erklärtermaßen sein »letzter großer Traum«. Der Haken: Stäbler wird nicht in der Klasse bis 72 Kilo antreten können, die ist nicht olympisch. Er wird sich auf 67 Kilo runterhungern müssen – eine Tortur mit fast komplettem Nahrungs- und Wasserentzug kurz vor den Kämpfen. »Alles ist Richtung Tokio konkret geplant«, erklärte Stäbler, der normalerweise 75 Kilo wiegt, in Rom. »Bis Juni, Juli will ich mein Grundgewicht auf 71 Kilo reduzieren. In der letzten Phase geht es dann weiter runter. Der Plan ist, mit 69 Kilo nach Tokio zu reisen und die letzten beiden Kilos vor Ort zu schaffen.«

Durch das »Drehen an einigen Stellschrauben« hofft er, in Tokio besser im Saft zu stehen als bei der WM im September. Da hatte er nach der harten Diät im Achtelfinale gegen den kubanischen Olympiasieger Ismael Borrero Molina keine Chance, kämpfte sich über die Hoffnungsrunde noch zu Bronze. Er ist realistisch geworden. »75 bis 80 Prozent meiner Leistungsfähigkeit wären das Optimum in der Klasse bis 67 Kilo«, sagt er, ohne deshalb den Titeltraum schon aufzugeben: »Wenn ich das schaffe, ist alles möglich.« (sid/dpa/jW)

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