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Aus: Ausgabe vom 11.02.2020, Seite 1 / Titel
Syrien

Kampf um Idlib

Syrische Armee rückt weiter vor. Türkei rüstet verbündete Kampfverbände auf und unterstützt Vorgehen militärisch
Von Karin Leukefeld
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Islamischer Tauhid-Gruß: Nicht nur vom »IS«, sondern auch von anderen Dschihadisten in Syrien benutzt (Al-Mastuma, 10. Februar)

Die syrischen Streitkräfte und ihre Verbündeten sind weiter auf dem Vormarsch. Am Sonntag erklärte die Armeeführung, strategisch wichtige Hügel, Dörfer und Städte im Grenzgebiet der Provinzen Idlib und Aleppo zurückerobert zu haben. Mit der Stadt Sarakeb konnte der wichtige Knotenpunkt der beiden Autobahnen »M 4« (West-Ost) und »M 5« (Nord-Süd) wieder eingenommen werden. In Sarakeb und in den nahe der Autobahnkreuzung gelegenen Orten Scheich Edris und Sarmin befanden sich Kommandozentralen der drei führenden Dschihadistenverbände in Idlib und Südwest-Aleppo, die mit Al-Quaida verbündeten Haiat Tahrir Al-Scham (HTS), die von Uiguren geführte »Islamische Partei Turkistans« und die HTS-Abspaltung Hurras Al-Din. Diese Gruppen gelten als Terroristen und sind von dem Deeskalationsabkommen der Türkei, Russlands und des Irans für Idlib ausgeschlossen, das im September 2018 in Kraft trat.

Die Stadt Sarakeb war Berichten zufolge eine logistische Verteilstelle für Waffen, Kämpfer, Hilfsgüter und Treibstoff, die von dort aus über die beiden Autobahnen zu Dschihadisten an der Frontline zu Latakia, Aleppo und Hama transportiert wurden. Für jene bedeutet der Verlust der wichtigen Verbindungsstraßen eine herbe Niederlage. Am Montag morgen berichtete das oppositionelle Medienzentrum Aleppo (AMC) per Twitter, dass die Dschihadisten eine Gegenoffensive gegen die syrische Armee gestartet hätten, um Sarakeb zurückzuerobern. Die türkische Armee unterstütze die Offensive mit Artillerie berichtete der kurdisch-irakische Nachrichtensender Rudaw unter Verweis auf »Quellen vor Ort«.

Eine Bestätigung aus Ankara gibt es dafür nicht. Das türkische Außenministerium erklärte, man werde die »notwendigen Schritte« einleiten, sollte die syrische Armee ihren Vormarsch in Idlib nicht bis Ende Februar stoppen. Gleichzeitig wurde auf die russisch-türkischen Gespräche über die Lage in der Provinz verwiesen, die am Samstag begonnen hatten und am gestrigen Montag in Ankara fortgesetzt wurden. Thema war türkischen Angaben zufolge die Frage, wie der politische Prozess in Syrien gefördert werden könne. Sollten die Delegationen keine Einigung erzielen, so türkische Medien, werde die »Idlib-Frage« auf Präsidentenebene zwischen Recep Tayyib Erdogan und Wladimir Putin erörtert werden müssen.

Die türkische Armee ist durch den syrischen Vormarsch erheblich unter Druck geraten. Mindestens vier der zwölf türkischen »Beobachtungsposten« in Idlib sind inzwischen von syrischen Truppen umzingelt. Ankara forderte die syrische Armee zum Rückzug auf.

Medienberichten zufolge soll die türkische Armee entlang der türkisch-syrischen Grenze ihre Präsenz deutlich erhöht haben. Die in London ansässige »Beobachtungsstelle für Menschenrechte« gab am Montag an, dass seit dem 2. Februar 2020 mehr als 1.450 türkische Lastwagen und Militärfahrzeuge, Panzer, Radaranlagen und anderes Material in die Provinzen Idlib und Aleppo gebracht worden sein sollen. Mindestens 6.000 türkische Soldaten seien dort stationiert.

Wie viele der türkischen Militärkonvois tatsächlich die Grenze nach Syrien überquert haben, ist unklar. Aus Regierungskreisen in Ankara hieß es, der militärische Nachschub diene lediglich der Befestigung der türkischen »Beobachtungsposten« in Idlib.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Peter Richartz, Solingen: Erdogan auf US-Kurs Friedensbewegte Bürger dürfen nicht müde werden, der Welt die verlogen-mörderische Grundhaltung kriegslüsterner Staatsführungen vor Augen zu führen. (...) Das US-Machtgebaren findet inzwischen zahlrei...

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