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Aus: Ausgabe vom 10.02.2020, Seite 8 / Abgeschrieben

Umweltaktivisten ermordet: Coordination gegen Bayer-Gefahren fordert Aufklärung

Außerdem: Seebrücke Potsdam fordert Aufnahme von Geflüchteten aus griechischen Lagern

Die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) forderte am Sonntag Aufklärung über den Mord an mexikanischen Umweltaktivisten:

In Mexiko fiel der Agraringenieur und Umweltaktivist Homero Gómez González einem Mord zum Opfer. Der 50jährige verschwand am 13. Januar spurlos, mehr als zwei Wochen danach wurde seine Leiche in einem zur Stadt Ocampo gehörenden Wasserreservoir aufgefunden. Nach Angaben seines Bruders war Gómez González zuletzt bei einem Treffen mit dem Bürgermeister von Ocampo und Verwaltungsbeamten lebend gesehen worden. Lokale Medien verdächtigen die organisierte Kriminalität der Tat, denn diese war an den illegalen Abholzungsaktionen beteiligt, gegen die Gómez González gekämpft hatte.

Homero Gómez González (…) hatte sein Leben dem Erhalt des Monarchfalters gewidmet. Dieser Schmetterlingsart kommt durch ihre Bestäubungsleistung eine wichtige Funktion in der Nahrungsmittelkette zu. (…) Die Population ging jedoch seit einiger Zeit drastisch zurück, nicht zuletzt durch das von der Bayer-Tochter Monsanto produzierte Pestizid Glyphosat. (…) Da Glyphosat die Lebensgrundlagen des Schmetterlings direkt angreift, hatte Gómez González zu Widerstand gegen Monsanto aufgerufen.

Dann wurde am 1. Februar in Ocampo (…) der leblose Körper des Umweltaktivisten Raúl Hernández Romero entdeckt. Der Kopf des Mannes, den seine Frau fünf Tage vorher als vermisst gemeldet hatte, wies Anzeichen schwerer Gewalteinwirkung auf. Auch hier gibt es einen Zusammenhang mit den durch Bayer-Glyphosat bedrohten Monarchfaltern. (…)

In Mexiko werden immer wieder Aktivisten und kritische Journalisten getötet. Im Jahr 2019 waren es insgesamt 790. (…) Damit stellt sich die Frage, wer steckt hinter diesen Verbrechen? Die CBG fordert die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission sowie eine restlose Aufklärung (…).

Die Initiative Seebrücke Potsdam verlangte am Sonntag die Aufnahme von geflüchteten Menschen aus den griechischen Lagern:

Im Rahmen des (…) bundesweiten Aktionstags #WirHabenPlatz protestieren wir am Büro der (Potsdamer, jW) CDU-Bundestagsabgeordneten Saskia Ludwig gegen die Blockadehaltung der Bundestagsfraktionen SPD, Union, FDP und AfD bezüglich der Aufnahme unbegleiteter Minderjähriger, die besonders unter den inhumanen Zuständen in den griechischen Flüchtlingslagern leiden. Erst kürzlich wurde der Antrag der Linke-Bundestagsfraktion »Für eine schnelle Aufnahme unbegleiteter Flüchtlingskinder aus den EU-Hotspots in Griechenland« von den genannten Fraktionen abgelehnt. (…)

Nach jüngsten Angaben der griechischen Regierung müssen auf den griechischen Inseln mehr als 42.000 Menschen, darunter knapp die Hälfte Minderjährige, in eigentlich auf 6.300 Menschen ausgerichteten Hotspots ausharren. In den Lagern herrschen katastrophale Bedingungen, wie Mangel an Nahrung, an medizinischer Versorgung, an Sanitäranlagen, an Strom- und Wasserzufuhr. Die maßlose Überfüllung führt zu teils gewalttätigen Konflikten. Kinder und Jugendliche sind vor Übergriffen kaum geschützt. Es kommt immer wieder zu Todesfällen aufgrund von Konflikten oder vermeidbaren Folgen von Krankheiten. Die psychischen Belastungen unter den menschenunwürdigen Bedingungen traumatisieren eine Vielzahl von Menschen. (…)

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