Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Gegründet 1947 Sa. / So., 28. / 29. März 2020, Nr. 75
Die junge Welt wird von 2267 GenossInnen herausgegeben
Probeabo abschließen und weiterempfehlen Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Aus: Ausgabe vom 04.02.2020, Seite 12 / Thema
Spartengewerkschaft

Streik sei Dank

UFO überlebt Union Busting. Existenzbedrohende Angriffe der Lufthansa schweißen kriselnde Flugbegleitergewerkschaft zusammen
Von Elmar Wigand
UFO_Proteste_am_Flug_63294533.jpg
Des Gegners bewusst: Ein Mitglied der Flugbegleitergewerkschaft UFO demonstriert am Flughafen für bessere Tarife und hält dabei eine Karikatur von Lufthansa-Chef Carsten Spohr in die Höhe, Frankfurt am Main, 8.11.2019

Die Unabhängige Flugbegleiter­organisation (UFO) mit ihrem langjährigen Chef Nicoley Baublies kämpfte im Jahr 2019 ums Überleben. Sie konnte sich am Ende aus eigener Kraft retten, auch weil eine extrem schmutzige wie fadenscheinige Konfliktführung des Lufthansa-Managments die Mitglieder der intern zerstrittenen Gewerkschaft zur Solidarität zwang. Am Ende musste Baublies’ direkte Gegenspielerin, die Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens, den Hut nehmen. Ihr Nachfolger Michael Niggemann, zuvor Finanzchef der Lufthansa-Tochter Swiss, vereinbarte nach zähen Verhandlungen in der vergangenen Woche, mit UFO »eine Vertrauensbasis in der Sozialpartnerschaft« herzustellen.

Im September 2019 sah das noch ganz anders aus: Das Lufthansa-Management hatte ein komplettes Gesprächsembargo gegen die UFO verhängt, beantwortete seit März nicht einmal mehr E-Mails, die finanziell klamme Gewerkschaft sah sich mit hohen Rückzahlungsforderungen durch die Lufthansa und der Aberkennung des Gewerkschaftsstatus konfrontiert. Nicoley Baublies erhielt die fristlose Kündigung als Flugbegleiter, seine Fluglizenz verfiel, eine Verleumdungskampagne zielte auf seinen Ruf, ihm drohte die Privatinsolvenz. Doch er kam als Verhandlungsführer zurück. Ein bemerkenswertes Comeback.

In drei komplizierten Verfahren soll das zerschnittene Tischtuch zwischen Lufthansa und UFO nun zu einer Art Patchworkdecke geflickt werden: Mediation, Schlichtung und außergerichtliches Güteverfahren. Schon jetzt dürfen UFO und Nicoley Baublies als rehabilitiert und wieder voll satisfaktionsfähig gelten.

1.800 Flüge verhindert

»Eine Gewerkschaft beweist sich auf der Straße, nicht in Gerichtssälen, und anscheinend hat es diesen Beweis gebraucht«, resümierte UFO-Vorstand Daniel Flohr. In drei Streikwellen gelang es UFO ab Oktober 2019, insgesamt fast 1.800 Flüge der Lufthansa und ihrer Töchter Eurowings, Germanwings, Sunexpress und Cityline zu verhindern. Direkt betroffen waren weit mehr als 200.000 Passagiere, indirekt trugen die Streiks dazu bei, die Zahl der innerdeutschen Flüge am Frankfurter Flughafen im November 2019 um zehn Prozent zu senken.

Ein kaum beachteter Nebenaspekt: Dieser Streik war ökologisch. Als UFO am 7./8. November Inlandsflüge bestreikte, versorgte die Lufthansa Reisende mit DB-Tickets und verlautbarte, der Streik habe keine Auswirkungen. Alle Passagiere seien ans Ziel gekommen. Was die Erkenntnis befördert, dass Bahnreisen nicht nur umweltschonender und bequemer sind als Inlandsflüge, sondern auch zuverlässiger.

Der Konflikt zeigt auch, dass die mediale Durchsetzungkraft der mächtigen Lufthansa-PR durch Klimaproteste und Bewegungen wie »Fridays for Future« erheblich nachgelassen hat. Wurde früher bei jedem Streik im Transportwesen ein anschwellender Bocksgesang inszeniert, der von angeblich gigantischem »Schaden für die Volkswirtschaft« handelte, stets ergänzt um die Versatzstücke »Geiselnahme an wehrlosen Passagieren« und »unverhältnismäßiges Lahmlegen der Daseinsvorsorge« durch »skrupellose Besitzstandswahrer«, so bleibt dieses Schmierenstück mittlerweile ohne Effekte. Im Jahr 2019 flogen rund 145,2 Millionen Menschen mit der Lufthansa und ihren Tochterairlines; Ryanair beförderte 152,4 Millionen Passagiere. Die Grenzen des Wachstums scheinen längst überschritten. Wenn ein paar dieser Flüge ausfallen, juckt das die kritische Öffentlichkeit kaum.

Rudel formiert sich nicht zur Meute

Obwohl UFO als alleinstehende Spartengewerkschaft kaum Solidarität erfuhr und die Szene der meinungsprägenden Alphajournalisten, die über Luftverkehr berichten, sehr überschaubar ist und leicht bearbeitet werden kann, gelang es der Lufthansa-PR nicht, ihr Narrativ von der korrupten, gespaltenen, dysfunktionalen Gewerkschaft und ihrer lasterhaften, verschwenderischen Führung durchzusetzen. Es war wohl alles etwas zu dick aufgetragen. Zudem ist Baublies bei Journalisten grundsätzlich beliebt, weil er klar und zupackend formuliert und sich dadurch wohltuend von herkömmlichen Gewerkschaftsapparatschiks unterscheidet. Die Welt preschte vor, Focus stach durch, das Handelsblatt folgte dezent, der Spiegel schwenkte zeitweise ein, aber das Rudel formierte sich nicht zur Meute – anders als 2014 gegen den GDL-Chef Claus Weselsky.

Eine Dämonisierung der UFO und ihres »Gewerkschaftsbosses« Baublies, wie sie die Welt mit einigem Aufwand betrieb, setzte sich nicht durch. Da war von »Psychoterror« durch Baublies zu lesen, die Gewerkschaft sei »eine Mischung aus Drückerkolonne und Scientology«, die Finanzen »desolat, die Buchführung chaotisch, die Führung zerstritten«.¹ Historische Vorbilder sind hier wohl die Kampagnen gegen Jimmy Hoffa von der US-Transportgewerkschaft Teamsters oder Arthur Scargill von der britischen Bergarbeitergewerkschaft NUM.

Die Spiegel-Journalistin Dinah Deckstein befand: »Es geht um Geld, dubiose Freistellungen von Gewerkschaftern, gefakte Reisekostenabrechnungen und Champagnergelage zu Lasten der Flugbegleitergewerkschaft UFO.«² Sie erkannte aber immerhin, dass wohl eher der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr Antreiber des Konflikts war: »Der umtriebige Funktionär (Baublies) hatte 2015 den längsten Streik der Flugbegleiter in der Geschichte der Lufthansa organisiert und als Kompromiss einen der teuersten und kompliziertesten Tarifverträge seit Bestehen der Airline ausgehandelt. Das hat deren Vorstand unter Carsten Spohr wohl nie so ganz verwunden.«³

Darin steckt allerdings eine Unwahrheit. UFO erkämpfte damals fünf Prozent mehr Gehalt und sichere Arbeitsplätze bis 2021. Ihre Erfolge, zu denen 2002 bereits die Verhinderung von Leiharbeit in der Kabine gehört hatte, waren keineswegs besonders teuer.

Unerwähnt bleibt bei diesem Konflikt der Doyen des Union Busting im deutschen Transportsektor, der Arbeitsrechtsanwalt Thomas Ubber, Regenmacher der Kanzlei Allen & Overy. Er vertritt mit Lufthansa, Deutscher Bahn, Fraport und Deutscher Flugsicherung seit 20 Jahren ein veritables Branchensyndikat und überzieht jede Tarif- und Streikbewegung mit juristischem Sperrfeuer, das die Grenzen der »vertrauensvollen Zusammenarbeit« sprengt.

Die Staatsanwaltschaften Darmstadt und Frankfurt am Main flankierten das Kesseltreiben mit offiziellen Ermittlungen bis hin zu Durchsuchungen der Geschäftsräume von UFO und ihres gescheiterten Dachverbands Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL). Von einem ähnlich beherzten Vorgehen gegen kriminelle Unternehmer und deren Subunternehmer können Gewerkschafter nur träumen. Am Ende stellte die Staatsanwaltschaft Frankfurt die Ermittlungen ein, ob die Darmstädter Staatsanwaltschaft noch etwas Gerichtsverwertbares zu Tage fördert, ist abzuwarten. Es bleibt der Eindruck, dass sich die Exekutive zum verlängerten Arm einer Schmutzkampagne hat machen lassen.

Um den deutschen Behörden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sei andererseits erwähnt: Das Arbeitsgericht Frankfurt und das LAG Hessen wiesen die juristischen Versuche von Allen & Overy, die jüngsten Streiks zu verbieten und UFO als nicht tariffähig zu disqualifizieren, überzeugend in die Schranken.

Pleite und zerstritten

UFO sprach seit März 2019 von Union Busting, also dem gezielten Versuch, sie als Gewerkschaft zu zerschlagen. Die Chronologie der Ereignisse (siehe Kasten) macht deutlich, dass es sich um eine konzertierte Kampagne handelte. Das Lufthansa-Management sah offenbar eine einmalige Gelegenheit, die renitente Truppe, die zwischen 10.000 bis 15.000 Flugbegleiter in ihren Reihen hat, zu entsorgen. Zum einen galt UFO als pleite, zum anderen stand sie vor der Spaltung. »Die vor einigen Jahren noch mit 1,4 Millionen Euro prall gefüllte Streikkasse wurde unter Baublies und durch seine Expansionspläne mit der IGL vollständig aufgezehrt.«⁴

Weil das Tarifeinheitsgesetz den Status von UFO grundsätzlich bedrohte, hatte Baublies seit 2015 die Gründung einer Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) betrieben, mit der UFO sowohl im Bereich Technik und Bodendienste als auch im Cockpit expandieren wollte. Diese ehrgeizigen Ziele waren mittelfristig nicht zu erreichen, auch wenn es Achtungserfolge gab. So stellt die Technikergewerkschaft TGL, die zur IGL gehört, nach eigenen Angaben den Betriebsratsvorsitzenden der vom Verkauf bedrohten Lufthansa-Technik am Standort Frankfurt. Als eine Konsolidierung unumgänglich erschien und Stellenstreichungen notwendig wurden, kam es zu internen Machtkämpfen bis zur Selbstzerfleischung. Hier wird es richtig verworren: Ausgerechnet unter dem Banner der IGL, deren erster Chef Baublies war, machten sich dessen Gegner nun selbständig.

Neben Verdi, die mit Hilfe der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF) beim Ryanair-Streik 2018 ein fulminantes Comeback in der Kabine feierte und auch bei Eurowings im Geschäft ist, tauchte plötzlich die IGL-Gliederung »Cabin Union« als UFO-Konkurrenz auf. Es handelt sich um eine UFO-Abspaltung aus geschmeidigen Gewerkschaftsfunktionären, denen der Baublies-Kurs »zu kompromisslos« erschien. Wenngleich die »Cabin Union« derzeit kaum streikfähig sein dürfte, wertete das Lufthansa-Management die Gewerkschaftsinitiative gezielt auf, indem man sie bereits vor ihrer offiziellen Gründung zu Tarifgesprächen einlud.

Das Lufthansa-Lager um Thomas Ubber hat aus der Vergangenheit offenbar wenig gelernt und einen strategischen Fehler wiederholt. Bereits 2003 hatten frontale Angriffe unter Ubbers Regie die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) aus ihrem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf geweckt. Die GDL sollte im Vorfeld eines DB-Börsengangs ausgeschaltet werden, die DGB-Gewerkschaft Transnet (heute EVG) als einzige Gewerkschaft übrigbleiben. Der folgende Arbeitskampf wurde ein Meilenstein der bundesdeutschen Streikgeschichte.

Offenbar hat Union Busting, das Gewerkschaften existentiell bedroht, eine stark kontraproduktive Wirkung: In Gefahr und höchster Not stellen sich die Gewerkschaftsmitglieder auf die Hinterbeine und versammeln sich trotz erheblicher Differenzen hinter ihrer Führungsebene, die sich notgedrungen zusammenrauft. Das ist ein erfreulicher Befund.

Anmerkungen

1 Per Hinrichs, Tim van Beveren: »Wie eine Mischung aus Drückerkolonne und Scientology«, Welt am Sonntag, 3.2.2019

2 Dinah Deckstein: Streit mit Lufthansa. Bericht stärkt UFO-Gewerkschaftschef Baublies, Der Spiegel, 9.3.2019

3 Dies.: Flugbegleitergewerkschaft: Lufthansa schmeißt Ex-UFO-Chef raus, Der Spiegel, 30.9.2019

4 Van Beveren: Brace for Impact. Eine Gewerkschaft gerät ins Trudeln, 15.5.2019 https://www.timvanbeveren.de/?page_id=1484

Elmar Wigand erforscht im Projekt »Prekäre Piloten?« Arbeitsbedingungen und -kämpfe im Cockpit. Er ist Pressesprecher der Aktion gegen Arbeits­unrecht

Lufthansa gegen UFO und Baublies – Chronologie einer Union-Busting-Kampagne

4.10.2018: Alexander Behrens tritt als UFO-Vorsitzender zurück, Nicolay Baublies übernimmt den Posten zum zweiten Mal.

28.11.2018: UFO fordert Lufthansa zu Tarifverhandlungen für die österreichische Eurowings-Tochter Eurowings Europe am Flughafen München auf.

7.12.2018: Lufthansa fordert von UFO-Funktionären Gehaltszahlungen für vier Jahre zurück. Über 850.000 Euro seien zu Unrecht an die hauptamtlich bei der Gewerkschaft Angestellten Behrens, Baublies sowie den Tarifexperten Daniel Flohr geflossen.¹ Die Lufthansa lehnt auch wegen dieser offenen Forderungen Gespräche mit UFO ab.

22.1.2019: Die UFO-Tarifkommission kündigt Manteltarifvertrag und Vergütungstarifvertrag mit Lufthansa.

3.2.2019: Die Welt berichtet über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen UFO-Funktionäre.² Es gehe um »Ungereimtheiten in bezug auf das Verhältnis der Gewerkschaft, seiner Funktionäre und deren Arbeitgeber, der Deutschen Lufthansa AG.«

15.2.2019: Die Welt outet – ganz nebenbei –, dass Nicoley Baublies schwul ist. Sein früherer Lebensgefährte führte die UFO Service GmbH, deren Abrechnungen mit der IGL angeblich in die Kritik geraten seien. Daneben bedient das Blatt den springertypischen Sozialneid gegen nicht standesgemäße Aufsteiger: Baublies habe 2013 mit seiner Vorstandskollegin Sylvia De la Cruz 2013 eine »stattliche Villa« erworben.³

2.3.2019: Lufthansa fordert einen Drogentest von ihrem Angestellten Baublies. Focus berichtet, ein »Untersuchungsauftrag« des Medizinischen Dienstes der Lufthansa fordere ihn zu einer »Haar- und Urinanalyse auf psychoaktive Substanzen (insbesondere Psychopharmaka)« auf.4 Vergleichbare Tests sind laut Paragraph 4a des Luftverkehrsgesetzes für Piloten, nicht aber für Flugbegleiter vorgeschrieben.

9.3.2019: Interner Prüfbericht der Lufthansa entlastet die UFO-Gewerkschafter vom Vorwurf der Veruntreuung. Die Kommission stellt laut Spiegel online »Schlamperei« fest, aber kein »strafrechtlich relevantes Verhalten« der verdächtigten UFO- bzw. IGL-Vorstandsmitglieder. Der Spiegel berichtet, dass Baublies’ Lizenz als Flugbegleiter erloschen sei, da er seit Anfang 2015 nicht mehr in Dienstplänen berücksichtigt wurde.5

21.3.2019: Lufthansa erkennt Kündigung der Tarifverträge nicht an, da sie von Baublies unterschrieben seien. Im Vereinsregister des Amtsgerichts Darmstadt sei aber weiterhin Alexander Behrens als Vorsitzender vermerkt. Eigentlich eine Formalie. Die Lufthansa verhängt ein Gesprächsembargo gegen UFO, das auch für ihre Tochterairlines gilt. UFO spricht von Union Busting.6

15.5.2019: Hausdurchsuchung der Staatsanwaltschaft Darmstadt in den Räumen der UFO und IGL in Mörfelden-Walldorf. Ermittlungen gegen Nicoley Baublies, Sylvia de la Cruz-Gomez und Christoph Drescher unter anderem wegen des Verdachts der Untreue. Ein weiteres Verfahren läuft – offenbar auf Intitiative des Baublies-Flügels – gegen die (ehemaligen) UFO-Vorstände Thomas Klappert, Christoph Drescher, Sascha Berger und Alexander Behrens, ebenfalls wegen des Verdachts der Untreue.

29.5.2019: Baublies tritt als UFO-Chef zurück.

9.8.2019: Lufthansa und Baublies schließen einen Vergleich. Der UFO-Gewerkschafter muss nur rund sieben Prozent der ursprünglich geforderten 235.736 Euro zurückzahlen. Der zeigt sich erleichtert: »Wenn sie mit ihrer Forderung durchgekommen wäre, hätte ich Privatinsolvenz anmelden müssen.«7

16.8.2019: Lufthansa beantragt beim Hessischen Landesarbeitsgericht ein Statusverfahren, um rechtsverbindlich festzustellen, dass die UFO »keine tariffähige Gewerkschaft mehr ist«. UFO-Chefin Sylvia De la Cruz wertet den Antrag als neuerlichen Angriff: »Lufthansa hat sich auf die Fahnen geschrieben, die UFO als unbequemen Gegner loszuwerden.«8

19.8.2019: Der »moderate Flügel« der UFO kündigt die Gründung einer IGL-Gliederung namens Cabin Union (CU) an, die UFO in der Kabine Konkurrenz machen soll.

20.9.2019: Baublies kehrt als Berater und Bevollmächtigter für UFO zurück, »um dem Interimsvorstand zu helfen«.9

25.9.2019: Das Landesarbeitsgericht Frankfurt am Main bewertet die Kündigung der Tarifverträge mit der Lufthansa durch UFO im November 2018 und Januar 2019 als rechtmäßig. Es erkennt damit die UFO weiterhin als Gewerkschaft an.10

30.9.2019: Lufthansa versucht Nicoley Baublies nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit fristlos zu kündigen. Gründe: Eine »ungenehmigte Nebentätigkeit« als Berater von UFO während längerer Krankschreibung behindere seine Genesung und seine Einsatzfähigkeit als Kabinenchef bzw. Purser. Ein Unterausschuss der Personalvertretung widerspricht der Kündigung.¹¹

20.10.2019: 19stündiger UFO-Warnstreik bei den Lufthansa-Töchtern Eurowings, Germanwings, Sunexpress und Cityline. Rund 100 Flüge fallen aus.

4.11.2019: Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens stoppt Arbeitsgerichtsverfahren zur Aberkennung des Gewerkschaftsstatus und akzeptiert UFO damit wieder als Tarifpartner.¹²

6.11.2019: Das Arbeitsgericht Frankfurt weist die einstweilige Verfügung der Lufthansa gegen drohenden UFO-Streik ab. Die Lufthansa lädt neben Verdi auch die noch in Gründung befindliche Cabin Union zu Tarifgesprächen ein und wertet sie damit erheblich auf.

7./8.11.2019: 48-Stunden-Streik bei Lufthansa. Rund 1.500 innerdeutsche Flüge fallen aus, 200.000 Passagiere sind gezwungen, auf die Bahn oder andere Verkehrsmittel umzusteigen.

11.11.2019: Im Main Airport Center in Frankfurt findet die konstituierende Mitgliederversammlung der CU statt. Vorstandsvorsitzender wird Marc Koops, Purser bei der Lufthansa.

14.11.2019: Ende des Lufthansa-Gespächsembargos gegen UFO. Personalvorstand Bettina Volkens trifft sich überraschend mit Baublies. Lufthansa-Chef Carsten Spohr soll über ihren Handschlag mit dem UFO-Chef so erzürnt gewesen sein, dass sie zum Jahresende gefeuert wird.¹³

20.11.2019: Lufthansa lässt Schlichtung mit UFO platzen, weil UFO sich weigert, eine unbefristete Friedenspflicht (Streikverzicht) auch für die Konzerntöchter Eurowings, Germanwings, Sunexpress und Cityline zuzusagen.

26.11.2019: UFO und Lufthansa einigen sich auf die Schlichter Matthias Platzeck (SPD, ehemaliger Ministerpräsident Brandenburgs) und Frank-Jürgen Weise (früher Chef der Arbeitsagentur).

30.12.2019: UFO bestreikt Germanwings für drei Tage über Silvester. Mehr als 190 Verbindungen werden gestrichen.

24.1.2010: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt stellt Ermittlungen gegen die (ehemaligen) UFO-Gewerkschafter Baublies und Behrens ein. Es gebe »keine hinreichenden Anhaltspunkte, dass die beiden Gewerkschafter bei ihren Freistellungsanträgen beim Arbeitgeber Lufthansa bewusste Täuschungshandlungen unternommen hätten«.14

31.1.2020: Lufthansa und UFO einigen sich auf ein dreigliedriges Mediationsverfahren, um tariflich wie außertariflich wieder zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zu finden. Direkte Erfolge: Aufenthalte in Japan und Südkorea werden wieder auf zwei Tage verlängert (die Lufthansa hatte eine Übernachtung gestrichen), Sonderzahlung von 1.500 Euro.

Anmerkungen

1 Jens Koenen: Die UFO kämpft gegen viele Probleme. Jetzt kommt auch der Verdacht der Untreue hinzu, Handelsblatt, 4.2.2019,

2 Per Hinrichs, Tim van Beveren: »Wie eine Mischung aus Drückerkolonne und Scientology«, Welt am Sonntag, 3.2.2019

3 Hinrichs/van Beveren: Rette sich, wer kann: Vorstände und Funktionäre zuerst, Die Welt, 15.2.2019

4 Lufthansa fordert Drogentest von Gewerkschaftschef, Focus 10/2019, 2.3.2019

5 Dinah Deckstein: Streit mit Lufthansa. Bericht stärkt UFO-Gewerkschaftschef Baublies, Der Spiegel, 9.3.2019

6 Nicoley Baublies: Statement des UFO-Vorsitzenden zur Lufthansa-Veröffentlichung, UFO, 22.3.2019, https://ufo-online.aero/images/themen/deutschelufthansa/pdf/Veroeffentlichung_280319_UFO_DLH_Anlagen.pdf

7 Lufthansa und Ex-UFO-Chef Baublies schließen Vergleich, airliners.de, 9.8.2019, https://www.airliners.de/ex-ufo-chef-lufthansa-vergleich/51341

8 Carlo Sporkmann: Mit diesen fünf Punkten begründet Lufthansa die UFO-Prüfung, Aviationnet online, 21.8.2019, https://www.austrianaviation.net/detail/mit-diesen-fuenf-punkten-begruendet-lufthansa-die-ufo-pruefung/

9 Baublies ist wieder für UFO aktiv, um »Interimsvorstand zu helfen«, airliners.de, 20.9.2019, https://www.airliners.de/baublies-ufo-interimsvorstand/51941

10 Etappensieg für UFO gegen die Lufthansa, airliners.de, 26.9.2019, https://www.airliners.de/etappensieg-ufo-lufthansa/52024

11 Dinah Deckstein: Flugbegleitergewerkschaft: Lufthansa schmeißt Ex-UFO-Chef raus, Der Spiegel, 30.9.2019

12 Lufthansa akzeptiert UFO als Tarifpartner. Langwierige Schlichtung erwartet, airliners.de, 4.11. 2019, https://www.airliners.de/lufthansa-ufo-tarifpartner-langwierige-schlichtung/52675

13 Alfons Frese: Chaos bei der Lufthansa, Der Tagesspiegel, 16.1.2020, https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/konflikt-mit-ufo-chaos-bei-der-lufthansa/25437252.html

14 Erste Untreueermittlungen gegen UFO-Funktionäre eingestellt, Onvista, 24.1.2020, https://www.onvista.de/news/erste-untreue-ermittlungen-gegen-ufo-funktionaere-eingestellt-322176557

Elmar Wigand erforscht im Projekt »Prekäre Piloten?« Arbeitsbedingungen und -kämpfe im Cockpit. Er ist Pressesprecher der Aktion gegen Arbeitsunrecht

Ähnliche:

  • Weitere Streiks um den Jahreswechsel sind wahrscheinlich
    24.12.2019

    Schlichtung gescheitert

    Lufthansa lässt Gespräche mit Flugbegleitergewerkschaft platzen. Neue Streiks »jederzeit möglich«
  • Zahlreiche Flugzeuge der Lufthansa-Tochtergesellschaften blieben...
    22.10.2019

    Lufthansa unter Druck

    Kabinenpersonal bestreikt Lufthansa-Töchter. Konzern nicht verhandlungsbereit. Urabstimmung über unbefristete Arbeitsniederlegung
  • Lufthansa-Logo: Dieser Kranich lässt erneut vermuten, dass er ei...
    11.06.2018

    Lufthansa droht Tochter

    Führung nach Gutsherrenart: Konzernchef Spohr will von Brussels Airlines »Resultate« sehen. Sonst gibt es keine »Geschenke«

*** Tageszeitung junge Welt, drei Wochen gratis lesen: www.jungewelt.de/testen ***

Drei Wochen kostenlos: jetzt probelesen!