Gegründet 1947 Donnerstag, 2. April 2020, Nr. 79
Die junge Welt wird von 2267 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 29.01.2020, Seite 16 / Sport

Und schon flattern die Angebote

Von André Dahlmeyer
Preolimpico_2020.jpg
Auf dem Weg nach Tokio: Die Olympiaqualifikation wird in Südamerika von U-23-Mannschaften ausgespielt

Einen wunderschönen guten Morgen! In Kolumbien läuft seit dem 18. Januar und noch bis zum 9. Februar das 13. Torneo Preolímpico Sudamericano Conmebol, bei dem die beiden südamerikanischen Teilnehmer für die Olympischen Sommerspiele in Tokio ermittelt werden. Erstmals seit Chile 2004 wird das Turnier wieder mit U-23-Mannschaften ausgetragen, wie sie ja auch bei Olympia an den Start gehen. In Chile gewann damals Marcelo Bielsas Argentinien ungeschlagen, zweiter wurde Paraguay. Beide standen sich dann auch im Finale von Athen gegenüber, wo Argentinien sensationell ohne Punktverlust und ohne Gegentor die Goldmedaille holte.

Gespielt wird aktuell in den Städten Armenia, Bucaramanga und Pereira und in zwei Fünfergruppen jeder gegen jeden. Die jeweils beiden Erstplazierten treten dann noch einmal jeder gegen jeden an. Als Favoriten galten vor dem Turnier die gastgebenden Kolumbianer sowie die argentinische Auswahl, die vergangenes Jahr Gold bei den Panamerikanischen Spielen in Lima gewonnen hatte (bei den Frauen hatte Kolumbien das Finale gegen Argentinien nach Elfmeterschießen gewonnen; für das Männerturnier hatte sich Kolumbien nicht qualifiziert). Gleich zum Auftakt trafen sie in der Gruppe A aufeinander, vor über 30.000 Zuschauern und ausverkauftem Haus. Der bei River Plate in Buenos Aires unter Vertrag stehende 21jährige Jorge Andrés Carrascal Guardo, der in Südamerika den Beinamen »kolumbianischer Neymar« trägt und gewöhnlich als Halbspitze agiert, brachte die Cafeteros schon nach sieben Minuten in Führung. Alexis Mac Allister, der für Boca Juniors aufläuft und auch schon zwei Länderspiele in der »Albiceleste«, der A-Nationalmannschaft, bestritten hat, glich vier Minuten darauf aus; Adolfo Gaich gelang kurz nach dem Seitenwechsel der Siegtreffer für die Gaucho-Auswahl. Gaich war der Torschützenkönig bei den Panamerikanischen Spielen 2019, absolvierte bei Papstklub San Lorenzo de Almagro gerade mal neun Erstligamatches, und schon flatterte den Sanlorencistas dieser Tage ein Angebot über 17 Millionen Dollar (brutto) vom FC Brügge aus Belgien ins Haus, der sich die Dienste des hochgewachsenen Mittelstürmers sichern möchte.

Auch in den Spielen gegen Chile (2:0) und Ecuador (1:0) konnten die Argentinier überzeugen und haben sich so gut wie sicher für die finale Gruppenphase qualifiziert – es sei denn, sie verlieren morgen gegen Venezuela und Chile besiegt anschließend die Gastgeber. Dann ist Rechnen angesagt. Nach Siegen gegen Ecuador (4:0) und Venezuela (2:1), bei denen jeweils Carrascal traf, reicht den Cafeteros bereits ein Remis gegen die Trasandinos zur Qualifikation. Die große Enttäuschung der Gruppe waren die Ecuadorianer, die alle Spiele verloren und denen kein einziges lausiges Tor gelingen wollte.

In der Gruppe B ist Brasilien nach Siegen gegen Peru (1:0) und Uruguay (3:1) noch ohne Punktverlust. Am Wochenende wurde in dieser Gruppe die Fußballwelt auf den Kopf gestellt. Zunächst traf in Armenia Bolivien auf Uruguay. Nach 25 Minuten brachte Moisés Villarroel die Altiplanos durch einen Foul-Strafstoß in Führung. Nach einer Stunde erhöhte Víctor Abrego per Kopfball sogar auf 2:0 für Bolivien. Doch die Grünen hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht, in diesem Fall den uruguayischen Charrúa, einen Krieger, der niemals aufgibt. In weniger als zwei Minuten glichen José Luis Rodríguez sowie Federico Viñas (spektakulärer Konter) für die Celeste aus. Noch zehn Minuten. Es ging hin und her wie beim Tischtennis. Und in der 94. Minute fiel doch noch der Siegtreffer durch Fernando Saldías. Bolivien im Fußballhimmel!

Anschließend gleich die nächste Sensation: Peru bezwang Paraguay nach einem 0:2 Pausenrückstand noch mit 3:2. Der Siegtreffer gelang Santiago Arzamendia 15 Minuten vor dem Abpfiff. Er traf ins eigene Netz.

Mehr aus: Sport

Jetzt drei Wochen gratis im Probeabo!