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Aus: Ausgabe vom 29.01.2020, Seite 15 / Antifa
Neonazis in der Gamingszene

Steam entfernt 219 Neonaziprofile

Gaming-Plattform reagiert auf Hinweis von Landesmedienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein
Von Marc Bebenroth
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Neben dem Verkauf von Spielesoftware bietet die Plattform »Steam« die Möglichkeit, selbstkreierte Inhalte anderen Nutzern verfügbar zu machen (Bildschirmfoto vom 28.1.2020)

Das Entfernen oder Überdecken von Neonaziaufklebern sowie -graffiti im öffentlichen Raum ist eine mühselige Arbeit. Doch nicht nur in der »analogen« Welt verbreiten Faschisten ihre Propaganda an jeder ihnen zugänglichen Ecke. Auch im Internet sind Neonazis außerhalb ihrer eigenen Szeneplattformen aktiv. Einen aktuellen, kleinen Erfolg im täglichen Katz-und-Maus-Spiel konnte nun die Landesmedienanstalt von Hamburg und Schleswig-Holstein vermelden. So habe der Betreiber der Gaming-Plattform »Steam«, die US-Firma Valve Corporation, aufgrund einer Meldung der Medienanstalt auf einen Schlag immerhin 219 Nutzer- und Gruppenprofile gelöscht, wie es in einer Mitteilung der Behörde vom Montag heißt.

Diese Profile seien unter dem Pseudonym »Adolf«, »Adolf Hitler« oder »Hitler« betrieben worden und enthielten »zumeist Kopfbilder des nationalsozialistischen Diktators, aber auch Hakenkreuze oder SS-Kennzeichen«. Einige Konten oder Nutzerkennungen hätten demnach auch »volksverhetzende Textzusätze wie ›all jews must die‹ oder ›i love to kill jews‹« enthalten.

Da Steam auch in der Bundesrepublik als Dienst angeboten wird, fallen die von Nutzern verbreiteten Inhalte unter deutsches Recht. Bei den dem Betreiber gemeldeten Darstellungen handele es sich um »absolut unzulässige und strafbare Inhalte«. Die Anstalt stellte laut Mitteilung »eine Vielzahl von Verstößen gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag« fest. Innerhalb von 24 Stunden habe der Dienstanbieter reagiert und unzulässige Inhalte entfernt. Dabei seien auch sieben Nutzerprofile und zwei Gruppenprofile mit verfassungsfeindlichen Symbolen gelöscht worden.

Der Direktor der Medienanstalt, Thomas Fuchs, begrüßte am Montag die schnelle Reaktion der US-Firma. Allerdings sehe er im aktuellen Fall »nur die Spitze eines Eisbergs«. Auf der primär auf den Vertrieb von Spielesoftware ausgerichteten Plattform befinden sich ihm zufolge »noch unzählige problematische Profile«. Fuchs verlangte vom Betreiber Valve, selbst stärker aktiv zu werden und Hinweise der Behörde zum Anlass zu nehmen, »gegen unzulässige oder strafrechtlich relevante Inhalte vorzugehen«. Zuletzt hatte die Medienanstalt im Dezember 2019 das Löschen Dutzender faschistischer Symbole und eines Profils veranlassen können. Dazu hieß es seitens des Plattformbetreibers, man wolle die Moderatoren »künftig noch stärker schulen«.

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