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Aus: Ausgabe vom 29.01.2020, Seite 2 / Inland
Arbeitskampf

Widerstand gegen Lohndumping

Hohe Streikbeteiligung bei Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt
Von Susan Bonath
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Beschäftigte der Ameos-Klinik in Staßfurt legten am Montag die Arbeit nieder

Der unbefristete Streik in vier Ameos-Kliniken an fünf Standorten in Sachsen-Anhalt geht weiter (siehe jW vom 27. Januar). Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi haben an den ersten beiden Tagen etwa 600 Schwestern, Pfleger und Ärzte in Aschersleben, Staßfurt, Bernburg, Schönebeck und Haldensleben ihre Arbeit niedergelegt. Damit streikte etwa ein Drittel aller Beschäftigten an diesen Standorten für bessere Arbeitsbedingungen und einen Tarifvertrag, der sich an den Vereinbarungen des öffentlichen Dienstes orientiert.

Dass die Beteiligung nicht noch höher ausfiel, liege an der Ausgliederungspraxis von Ameos, erklärte André Franz, Betriebsratschef am Klinikum Haldensleben. Etwa 300 der insgesamt knapp 500 Pflegekräfte in zwei Krankenhäusern seien direkt bei dem Konzern angestellt. Die anderen würden größtenteils über die Tochtergesellschaft Ameos Krankenhausgesellschaft mbH beschäftigt.

»Es handelt sich zwar nicht mehr, wie zu Anfang, um eine hauseigene Leiharbeitsfirma«, erläuterte Franz im Gespräch mit jW. Mehr Geld bekämen die Betroffenen dennoch nicht. »Sie profitieren nicht einmal von dem schlechten Haustarifvertrag bei Ameos«, so Franz. Bereits auf dessen Grundlage verdienten Pflegekräfte bis zu 500 Euro weniger als Angestellte in anderen Kliniken. Zugleich sei die Personaldecke viel zu dünn. »Nachts ist teilweise nur eine Pflegekraft für 30 Patienten zuständig.«

Bisher verweigert Ameos Gespräche mit der Gewerkschaft. Einen Erfolg verbuchte Verdi-Verhandlungsführer Bernd Becker dennoch: »Die Beurlaubung des Regionalgeschäftsführers Ost, Lars Timm, ist eine erste Reaktion der Konzernspitze auf dessen Äußerungen und die umgesetzten Kündigungen in den vergangenen Wochen«, sagte er.

Ameos hatte Timm am Montag unerwartet abgesetzt. Grund seien von Timm angestoßene Debatten über mögliche Schließungen von Abteilungen und Krankenhäusern. Das widerspreche der »Unternehmensphilosophie«, so der Konzern. Vermutlich geht es auch um die 14 fristlosen Kündigungen im Zusammenhang mit den Warnstreiks Ende 2019, die Becker für eindeutig rechtswidrig hält und über die nun das Arbeitsgericht entscheiden muss. Man werde sich weiter gegen diese Praktiken wehren und für einen Tarifvertrag kämpfen, sagte der Verdi-Verhandlungsführer.

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