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Aus: Ausgabe vom 25.01.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Profit ist geil

Zu jW vom 20.1.: »Klöckner will Handel«

Internationaler Handel bekämpfe Hunger, schone Ressourcen und trage zu Stabilität und Frieden bei, behauptet Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Wo in aller Welt wird das bestätigt? Wo hat die globalisierte Handels- und Wirtschaftsdiktatur des Kapitals in den ärmsten Regionen und Staaten jemals Stabilität und Frieden geschaffen? Die protestierenden Bauern in Berlin sehen in der Frage jedenfalls klarer als ihre Ministerin, die vorgibt, sie zu verstehen. Tatsächlich versteht sie die Großkonzerne der Agrarwirtschaft. (…) Den Kapitalisten entgeht jedoch, wie ihr vernichtender Markt-Profit-Wahn den Bauern in der sogenannten dritten Welt, die mit billigsten Agrarerzeugnissen überflutet wird, keine Chance lässt und dass auch die Existenz der Landwirte in den reichen Ländern in Gefahr gebracht wird durch diese zerstörerische Handelspolitik. (…) Wer eins und eins zusammenzählen kann, dem erklären sich so der Raubbau an der Natur, die Umweltzerstörung, der Hunger, die Flucht von Millionen Menschen aus ihrer Heimat, Kriege und Konflikte ohne Ende, Armut und Elend in der Welt. (…) Aber nicht Profitgier sei das Problem, sondern der Geiz der weniger wohlhabenden Millionen – wenn wir es nur richtig verstehen würden! (…) Für wie dumm werden wir gehalten?

Roland Winkler, Aue

Tödlicher Kreislauf

Zu jW vom 20.1.: »Klöckner will Handel«

Jede 100-Gramm-Portion Wurst und Käse aus staatlich subventionierter Massenquälproduktion, eingeschweißt in umwelt- und gesundheitsschädlichen Kunststoff, wird deutlich billiger angeboten (und massenweise verkauft bzw. entsorgt) als artgerechte Frischthekenware, in Papier eingewickelt. Davon lebt gegen jede Vernunft die aufgeblähte Plastikverpackungsindustrie. Sie treibt ihr Unwesen dank einer Politik, die bewirkt, dass jeder Liter Mineralwasser in Einwegschredderflasche beim Discounter nur ein paar Cent kostet, im Mehrwegkasten aber ein Mehrfaches davon. Und das zu einer Zeit zunehmend »grünen« Bürgerwillens. Wir müssen raus aus dem tödlichen Kreislauf der Gift- und Müllproduktion!

Peter Richartz, Solingen

China auf Überholspur

Zu jW vom 22.1.: »Weltwirtschaftsforum eröffnet«

US-Präsident Donald Trump erklärte auf dem Weltwirtschaftsforum tatsächlich, dass er die »Propheten der Zerstörung, die die Apokalypse voraussagen, ablehnt«. Ich würde mich nicht zu denen zählen, die die Apokalypse voraussagen. Aber dieser Präsident muss weg! So schnell es geht. 51 Prozent der US-Amerikaner sind wohl für das laufende Amtsenthebungsverfahren. Aber das so »demokratische« System der USA ermöglicht es Trump, mit 47 Prozent der Stimmen wiedergewählt zu werden, wenn er die Mehrzahl der Wahlmänner bekommt. Was kann man von den USA lernen? Wie man mit dem Schicksal der Menschheit spielt? Wie man mit Minderheiten Wahlen gewinnt? Wie man sinnlos Hunderte Milliarden für die Rüstung verbrennt, während anderswo Menschen an Hunger und Unterentwicklung leiden, denen eine Milliarde US-Dollar eine beträchtliche Hilfe wäre? Russland ist den USA qualitativ bei den nuklearen Systemen überlegen. Das macht das Verbrennen der über 700 Milliarden US-Dollar pro Jahr (die Hälfte auf Kredit) noch fragwürdiger. Soll man von den USA lernen, wie man den Mammon Geld und Profit über das Leben stellt? Wir werden in diesem Jahrzehnt erleben, wie China bei den Innovationen die USA überholen und das Versagen des Wall-Street-Kapitalismus auch dem letzten sichtbar machen wird!

Achim Lippmann, per E-Mail

Leichter sterben

Zu jW vom 22.1.: »›Leistungsgedanken‹ à la Schröder«

Ein Minimum zum Erhalt der Existenz zu kürzen bedeutet, vorsätzlich gegen Artikel 1 Absatz 1 (Unantastbarkeit der Menschenwürde) und Artikel 2 Absatz 2 (Körperliche Unversehrtheit) des Grundgesetzes zu verstoßen. Schon ein von Unwissenheit getragener Verstoß müsste zwingend eine Ahndung nach sich ziehen. Vorsatz aber ist gleichzusetzen mit einem Gewaltverbrechen. Selbst 15 Jahre nach diesem ungeahndeten Gewaltverbrechen ist Gerhard Schröder, der niemals hätte Bundeskanzler werden dürfen, noch immer uneinsichtig. Mein Herzenswunsch aber für die SPD nach Verabschiedung der »Agenda 2010« ist auf dem besten Weg, sich zu erfüllen, wie ich der sukzessiven Abschmelzung der Wählerzustimmung mit Freuden entnehme. Bündnis 90/Die Grünen waren genauso daran beteiligt, haben aber durch kein »erkennbares« Festhalten an Hartz IV gerade noch mal den Absturz verhindert und als ökologische Fahnenträger der Bourgeoisie deren »Klimagewissen« an den Wahlurnen ein prima Alibi geliefert. Die SPD aber, nach Wortbrüchen von Martin Schulz und Olaf Scholz, lädt statt dessen als Ehrengast Schröder zum Bundesparteitag ein – genau den, dem sie ihren Untergang zu verdanken hat. Meine Mutter sagte an solcher Stelle immer: »Es stirbt sich leichter, wenn man keinen Geist aufzugeben braucht.«

Hans Reinhardt, Glashütten (Oberfranken)

Ohne Alternative

Zu jW vom 18./19.1.: »›Es gibt ein riesiges Potential für neue Klassenallianzen‹«

Die Kritik am vermeintlichen Umfallen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) beim Projekt »Stuttgart 21« geht ins Leere. Am 27. November 2011 gab es zu »Stuttgart 21« eine von der Landesregierung initiierte Volksabstimmung. 58,8 Prozent der Wähler in Baden-Württemberg stimmten gegen den (von der Landesregierung gewollten) Ausstieg des Landes aus der Projektfinanzierung. Selbst in Stuttgart stimmten 52,9 Prozent gegen den Ausstieg. Daraufhin erklärte der Ministerpräsident, dass seine Landesregierung das Votum der Bevölkerung akzeptiere. Das klare Ergebnis pro »Stuttgart 21« war eine Überraschung, da alle Argumente gegen das Projekt schlüssig waren und sich jeden Tag aufs neue als richtig erweisen. Das konträre Votum der Bevölkerung musste von Kretschmann wohl oder übel akzeptiert werden! Was wäre die demokratische Alternative gewesen?

Lutz Oschmann, Kiel

Was kann man von den USA lernen? Wie man mit dem Schicksal der Menschheit spielt? Wie man sinnlos Hunderte Milliarden Dollar für die Rüstung verbrennt?

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