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UBS auf Crashkurs

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Von Lucas Zeise
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Geld stinkt nicht: Blackrock sammelt das Geld der einfachen Leute (Protest in Paris am 24.1.2020)

Alle schauen auf Blackrock. Dieses relativ junge bankartige Gebilde hat sich seit seiner Gründung 1988 zum bei weitem größten Vermögensverwalter entwickelt. Die unvorstellbare Summe von fast sieben Billionen US-Dollar »verwalten« die bei Blackrock tätigen Damen und Herren. Blackrock ist mit einem Prozentsatz von fünf bis zehn Prozent an fast allen 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen beteiligt. In Gestalt von Friedrich Merz, Aufsichtsratschef der deutschen Niederlassung und knapper Verlierer bei der Wahl zum Vorsitzenden der CDU, zeigt die Finanzfirma aus den USA ganz offen, dass sie in der Politik Deutschlands mitzumischen gedenkt – und der aller anderen Länder, in denen sie investiert hat. In der Schweiz etwa hat sie den früheren Chef der dortigen Notenbank, Philipp Hildebrand, als Vizepräsident engagiert, als der wegen der Devisenspekulationen seiner Gattin das hohe Amt des Hüters der Schweizer Währung Hals über Kopf verlassen musste. Hildebrand tritt heute ganz selbstverständlich in der Öffentlichkeit, z. B. beim »Weltwirtschaftsforum« in Davos, auf und gibt als Insider nicht nur in Devisengeschäften zum besten, wie er und Blackrock die übrigen Kapitalisten auf klimafreundlich zu trimmen gedenken.

Viel dezenter ist da doch die UBS. Sie ist die größte Bank der Schweiz und war bis 2008, in jenen fürchterlichen Monaten der großen Finanzkrise, auch größter Vermögensverwalter der Welt. Geschätzte 50 Milliarden Dollar musste die UBS vom Eigenkapital damals abschreiben. Die UBS wackelte und mit ihr die gesamte Eidgenossenschaft. Aber die finanzstarke Schweiz schaffte es, die Bank mittels einer großzügigen Finanzspritze überleben zu lassen. Blackrock wuchs erst danach zur heutigen Größe. Dennoch wird die UBS heute als größter »Wealth Manager« des Globus geführt. 2,5 oder drei Billionen US-Dollar werden genannt. Das ist weit weniger als bei Blackrock. Aber es ist von besonderer Qualität. Vermögensverwalter sind Kapitalsammelstellen für alle Vermögenden: die sehr Reichen und die nur ein bisschen Reichen. »Wealth Manager« verwalten, wie der englische Ausdruck andeutet, nur den Reichtum der ersten Gruppe.

Bei der Vorstellung des im vergangenen Jahr auf 4,3 Milliarden Dollar leicht gesunkenen Gewinns machte in der vergangenen Woche der Vorstandsvorsitzende Sergio Ermotti deutlich, dass man am US-Kapitalmarkt nicht mit den wirklich Großen wie Goldman Sachs oder gar JP Morgan mithalten könne. Das Massengeschäft mit den börsennotierten Fondsanteilen (ETF), das Blackrock so riesenstark hat werden lassen, ist erst recht nichts für die UBS. Statt dessen will man der wirklich reichen Kundschaft – Kredite aushändigen, damit diese über den Hebel der damit größeren Verschuldung die Rendite ihrer Spekulationsgeschäfte erhöhen kann. Die UBS könne damit ihre jährliche Kreditvergabe um etwa 20 Milliarden Dollar steigern.

Zur Erinnerung: Die verbreitete Übung, Aktien auf Kredit zu kaufen, war die Ursache für den Börsencrash 1929. Massenhaft Hypotheken auf Kredit zu kaufen war die Ursache für den Finanzcrash 2007. Ermotti und seine ehrwürdige Bank sind nicht allein mit dieser Strategie, aber gemeinsam auf Crashkurs.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main

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