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Aus: Ausgabe vom 25.01.2020, Seite 8 / Ansichten

Genosse der Bosse des Tages: Sigmar Gabriel

Von Simon Zeise
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Sigmar Gabriel zieht es in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank

Aufgepasst, Siggi kommt. Überall, wo Sigmar Gabriel auftaucht, geht es krachend bergab. Die SPD gewann unter seinem Vorsitz keinen Blumentopf. Lange war er im Gespräch als Cheflobbyist der Autoindustrie, die für das geringe deutsche Wirtschaftswachstum hauptverantwortlich zeichnet. Er ist Vorsitzender der Transatlantik-Brücke, zu einer Zeit, in der das Verhältnis zwischen Washington und Berlin verkrampft wie lange nicht mehr ist.

Am Freitag hat sich Gabriel aufgemacht, neue Tiefen zu ergründen. Bei der Deutschen Bank ist ein Aufsichtsratsposten für den einstigen Popbeauftragten der SPD freigeworden. Die Aktie des Geldhauses kostet keine acht Euro mehr – am Vorabend der Finanzkrise von 2007 notierte sie bei mehr als hundert Euro. 2019 hat die Bank den fünften Jahresverlust in Folge eingefahren. Ein Übernahmekandidat? Nein danke, Investoren nehmen Reißaus. In der Bankbilanz schlummerte 2018 ein Bestand von hochriskanten Finanzwetten, sogenannter Derivate, mit einem Wert von 43,5 Billionen Euro – mehr als zehnmal so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik. Die Büchse der Pandora will keiner öffnen. Aber dafür ist ja jetzt Gabriel im Haus. Wenn er schon mal mit an Bord ist, kann er auch gleich darüber wachen, dass sich weltweit 18.000 Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz suchen.

Am Freitag hieß es für ihn: Bauch rein, Brust raus, Luft holen zur Antrittsrede beim Penny­stock: »Mit einer nun klaren Strategie und ihrem starken Führungsteam hat die Deutsche Bank als eine der wichtigsten Finanzinstitutionen in Europa die Chance und die Verantwortung, die Zukunft der deutschen und europäischen Wirtschaft mitzugestalten. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten.« Na dann Glück auf, Genosse Bankster.

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