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Aus: Ausgabe vom 22.01.2020, Seite 7 / Ausland
China und Vietnam

»Traditionelle Freundschaft«

China und Vietnam feiern 70 Jahre diplomatische Beziehungen. Konflikte angesprochen
Von Stefan Kühner
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Chinas Außenminister Wang Yi (l.) und sein Amtskollege aus Vietnam Pham Binh Minh in Hanoi (1.4.2018)

Anlässlich des 70. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen am 18. Januar 1950 betonen China und Vietnam die Bedeutung der Freundschaft und Zusammenarbeit der beiden Länder. China war das erste Land, das diplomatische Beziehungen mit der Demokratischen Republik Vietnam (DRV) in der Regierungszeit von Ho Chi Minh aufgebaut hat.

Der Vizepräsident der »Chinesischen Volksvereinigung für die Freundschaft mit dem Ausland«, Song Jingwu, sagte am 13. Januar bei einem Treffen in der Botschaft Vietnams in Beijing, »die 70jährige Geschichte hat bewiesen, dass die traditionelle Freundschaft zwischen China und Vietnam ein unschätzbarer Wert für die beiden Parteien, Staaten und Völker ist. Es gilt ihn zu schätzen, zu schützen und an spätere Generationen weiterzugeben.«

Vietnams Außenminister Pham Binh Minh, der gleichzeitig stellvertretender Ministerpräsident ist, erklärte am Freitag in einem ausführlichen Beitrag für die Tageszeitung der KP Vietnam Nhan Dan, die Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern sei das prägende Element der Beziehungen. Minh sagte, dass das Jahr 2020 eine wichtige Bedeutung in der traditionellen Freundschaft der beiden Länder habe, die von den verstorbenen Präsidenten Ho Chi Minh und Mao Zedong aufgebaut und gepflegt worden sei. Im Laufe der 70jährigen Entwicklung hätten die Parteien, Staaten und die Völker beider Länder Seite an Seite gestanden und sich gegenseitig unterstützt, wann immer es möglich war, um zum Erfolg der jeweiligen revolutionären Grundlagen, der nationalen Befreiung und zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft beizutragen.

Pham Binh Minh räumte allerdings auch ein, dass die Beziehungen zwischen Vietnam und China viele Höhen und Tiefen erlebt haben. Die Freundschaft und Zusammenarbeit bleibe aber das hervorstechende Element.

Was die Auseinandersetzungen im Südchinesischen Meer um die Paracel- und die Spratly-Inseln betrifft, so werde Vietnam hartnäckig seine legitimen Rechte schützen, aber gleichzeitig geduldig den friedlichen Dialog fortführen, um etwaige Differenzen zu überwinden. »Die Staats- und Regierungschefs beider Länder werden die Voraussetzung und das Vertrauen dafür schaffen, dass beide Seiten die Gespräche fortsetzen, um Maßnahmen zu suchen, die eine schrittweise friedliche Lösung der Ostmeerfrage (die vietnamesische Bezeichnung für das Südchinesische Meer, Anm. jW) auf der Grundlage der langjährigen Freundschaft der beiden Länder ermöglichen«, heißt es in der Erklärung.

Zwischen China, Vietnam und anderen Anrainerstaaten im Südchinesischen Meer gibt es seit Jahren Auseinandersetzungen um Fischereirechte und die völkerrechtlichen Ansprüche auf die Paracel- und die Spratly-Inseln. Diese sind teilweise nur sehr klein, haben aber eine große Bedeutung in der internationalen Seeschiffahrt. Außerdem gibt es in diesem Seegebiet Erdölvorkommen und andere Bodenschätze. China reklamiert einen universellen Anspruch auf diese Inseln und hat in den vergangenen Jahren auf einigen von ihnen militärische Infrastruktur wie beispielsweise Flugplätze errichtet. Die Philippinen, Brunei, Malaysia und vor allem Vietnam fühlen sich dadurch bedroht.

2014 hatte Beijing zeitweilig eine Ölbohrplattform in vietnamesischen Hoheitsgewässern plaziert, was zwischen beiden Ländern für Streit gesorgt hatte. Dieser führte bis an den Rand eines Kriegs. Die Differenzen sind nicht beigelegt, beide Seiten betonen aber immer wieder den Willen zur Zusammenarbeit und Konsultation auch auf militärischer Ebene.

Debatte

  • Beitrag von Reinhard L. aus . (22. Januar 2020 um 03:18 Uhr)
    Na ja, dass beide Länder 1979 einen Krieg gegeneinander geführt haben, den Vietnam tendenziell gewonnen hat, bleibt in der hurrapatriotischen Darstellung des Autors leider außer Betracht.

    Sorry, aber die Augen zu verschließen, bringt langfristig nicht wirklich etwas.

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