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Aus: Ausgabe vom 17.01.2020, Seite 8 / Ansichten

Imperialist des Tages: Stefan Mair

Von Simon Zeise
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Stefan Mair wechselt vom BDI an die Spitze der Stiftung Wissenschaft und Politik

Die einflussreiche Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hat einen neuen Vorsitzenden. Ab dem 1. Oktober wird Stefan Mair die Leitung des Thinktanks übernehmen und somit Bundesregierung und deutschen Vertretern in UN, EU und NATO die Strategie einflüstern.

Mair kann es kaum erwarten, endlich richtig loszulegen. Bislang versauerte er beim Bundesverband der Deutschen Industrie. Doch den schnöden Fabrikchefs fehlte bislang der Weitblick fürs imperialistische Ganze. Mair war im vergangenen Sommer vorgeprescht: Die deutsche Marine müsse in die Straße von Hormus vordringen. Schließlich sei eine funktionierende Handelsschiffahrt für die »Exportnation und das Industrieland Deutschland von herausragender Bedeutung«. Die Straße von Hormus sei eine der wichtigsten Routen für den Transport von Öl und Gas weltweit. »Ein Großteil der deutschen Ausfuhren in Form von Pkw und Produkten für den Maschinen- und Anlagenbau sind auf sichere Seeschifffahrtswege angewiesen.« Wenn Teheran das nicht begreift, gibt’s Saures. Und überhaupt, wenn schon mal auf hoher See, könne man auch gleich die blöden Amis aus der Region verdrängen. Das Ganze hübsch verpackt: »Wir halten es für richtig, dass sich die Bundesregierung nicht an einer amerikanisch geführten Mission beteiligt. Eine defensive, europäisch geführte Schutzmission wäre nach wie vor ein starkes und wichtiges Signal«, ließ Mair die interessierte Öffentlichkeit wissen und schickte damit sein Bewerbungsschreiben an die SWP.

Dort freut man sich auf den Schöngeist. Die Stiftung ließ am Donnerstag wissen, man sei sich »sicher, dass die SWP damit auch zukünftig auf hohem fachlichen Niveau unabhängige Orientierung geben wird und weiterhin Deutschlands führender Thinktank und die erste Adresse für seriöse außen- und sicherheitspolitische Beratung bleibt«.

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