Gegründet 1947 Donnerstag, 23. Januar 2020, Nr. 19
Die junge Welt wird von 2218 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 17.01.2020, Seite 4 / Inland
Folgen der Pressekonzentration

»Medienvielfalt« in Sachsen-Anhalt

Bauer-Konzern sichert sich mit Kauf der Mitteldeutschen Zeitung faktisch Pressemonopol
Von Susan Bonath
DuMont_verkauft_Mitt_63994281.jpg
Bald bei Bauer: Hauptgebäude der Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung in Halle am Mittwoch

Die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung kommt unter den Hammer. Künftige Eigentümerin soll die Bauer Media Group werden, wie am Mittwoch bekannt geworden war (siehe jW vom 16.1.). Bauer sichert sich damit ein Monopol in Sachsen-Anhalt. Dem Verlag gehört bereits die Magdeburger Volksstimme, wie die MZ eine ehemalige Bezirkszeitung der SED, die für ihre neuen Eigentümer nach 1990 jahrelang hohe Profite abwarf. Die einzige nominelle Bauer-Konkurrenz in einem Teil des Bundeslandes ist damit nun die kleine Altmark-Zeitung. Der geplante Verkauf lasse »nichts erkennen, was für die Belegschaft und die Leserinnen in unserem Bundesland von Vorteil sein könnte«, kritisierte der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) Sachsen-Anhalt, Uwe Gajowski, am Donnerstag. Er sprach von einem »schwarzen Tag für die Medienvielfalt«.

Die Verkaufsentscheidung hatte die Verlagsgruppe Dumont als bisherige Eigentümerin am Mittwoch in einer Versammlung der Belegschaft bekanntgegeben. Man wolle die Wettbewerbsfähigkeit der Zeitung mit 17 Lokalausgaben sichern, begründete Dumont-Geschäftsführer Christoph Bauer den Schritt und sagte: »Schon heute sind die strukturellen Rahmenbedingungen in Sachsen-Anhalt sehr herausfordernd.« Die Eingliederung in die 100prozentige Bauer-Tochter Mediengruppe Magdeburg unter Geschäftsführer Marco Fehrecke sei »der richtige Ansatz, um die MZ langfristig abzusichern«. Dumont hatte im Herbst bereits den Berliner Verlag verkauft. Auch die Hamburger Morgenpost soll veräußert werden.

Der Transaktion muss noch das Bundeskartellamt zustimmen. Zugehörige Medien, darunter die Anzeigenblätter Wochenspiegel und Super Sonntag, den regionalen TV-Kanal TV Halle sowie Logistik und Druck werde Bauer ebenso übernehmen wie die insgesamt 1.100 Beschäftigten inklusive ihrer Arbeitsverträge. Gajowski traut dem Versprechen nicht. »Es wird vielleicht eine Schonfrist geben, langfristig ergibt es aus unternehmerischer Sicht aber keinen Sinn, doppelte Ressorts aufrechtzuerhalten«, sagte er am Donnerstag im Gespräch mit jW. Er rechnet daher damit, dass letztlich einige Sparten, wie Politik und Kultur, mit der Volksstimme zusammengelegt und inhaltlich angeglichen werden: »Das dürfte auch zu Entlassungen führen.«

Gajowski erinnerte an das Gebaren von Bauer in Magdeburg. Der Konzern hatte dort nach und nach sämtliche Lokalredaktionen und das Druckhaus der Volksstimme in Kleinst-GmbHs ausgegliedert. 2011 mussten etwa die festangestellten Drucker gehen, ersetzt wurden sie durch Leiharbeiter einer zum Konzern gehörigen Zeitarbeitsfirma. 2013 überführte Bauer schließlich die übriggebliebene Mantel- und Sportredaktion in Minifirmen. Alle Redakteure erhielten die Kündigung sowie Vertragsangebote zu schlechteren Konditionen, der Betriebsrat wurde aufgelöst. Heute bestehe die Volksstimme aus über 40 GmbHs mit wenigen Festangestellten, mahnte Gajowski: »Bauer mag offensichtlich keine Mitbestimmung.«

Auch der Medienwissenschaflter Horst Röper schätzte den geplanten Verkauf gegenüber dem MDR als »harten Fall in Sachen Vielfalt« ein. Die beiden großen Tageszeitungen in Sachsen-Anhalt seien dann in einer Hand. »Wir wissen aus der langen Erfahrung mit der Pressekonzentration, dass die Verlage in solchen Fällen eben auch in den Redaktionen sparen«, so Röper. Für die Leser im Süden und Norden von Sachsen-Anhalt bedeute dies, dass sie in der Volksstimme und der MZ künftig außerhalb der Lokalteile »mindestens in Teilen identische Berichterstattung vorfinden werden«.

Die zukünftige Ausrichtung der MZ dürfte nicht zweifelhaft sein. Kritiker bezeichnen die Volksstimme, die Bauer 1991 von der Treuhand erworben hatte, als publizistischen Arm der in Sachsen-Anhalt politisch dominierenden CDU. Immer wieder erhielten leitende Journalisten Posten in Ministerien. So wechselte etwa der frühere Volksstimme-Chefredakteur Franz Kadell 2011 in die Staatskanzlei, als Regierungssprecher von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

Ähnliche:

  • Will den Landtag auf Linke loslassen: Daniel Roi (AfD) am Mittwo...
    21.06.2019

    McCarthy in Magdeburg

    AfD in Sachsen-Anhalt scheitert vorerst mit Landtagsausschuss zum Bespitzeln politischer Gegner. Landes-CDU teils bereit für Koalition
  • Duldet keine Kritik. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlk...
    01.04.2019

    Stahlknechts Muskelspiele

    Sachsen-Anhalts Innenminister geht hart gegen kleines Medienportal vor. Journalisten sehen sich in ihrer Existenz bedroht
  • Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) im Herbst 2016 (...
    02.11.2018

    SPD-Bürgermeister gegen Roma

    Nach dubiosen Medienberichten über Rumänen in Magdeburg: Sachsen-Anhalts Behörden dürfen eigenmächtig Wohnungen kontrollieren und zwangsräumen