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Aus: Ausgabe vom 15.01.2020, Seite 10 / Feuilleton

Friedrichson, Küter

Von Jegor Jublimov
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Auch als Briefmarken: Figuren aus der Kinderreihe »Meister Nadelöhr erzählt Märchen«

In (n)ostalgischen TV-Sendungen kann man Eckart Friedrichson immer noch begegnen, war er doch in der Titelrolle der Kinderreihe »Meister Nadelöhr erzählt Märchen« (später »Zu Besuch im Märchenland«) ein absoluter Publikumsliebling. Sogar auf einer von Werner Klemke gestalteten Briefmarke wurde er verewigt. Der aus Wernigerode stammende junge Schauspieler – er war 25, als er Ende 1955 zum ersten Mal zur Elle griff, um sein Erkennungslied zu singen – trug privat eine Kurzhaarfrisur, aber als Nadelöhr eine schöne Fönwellenperücke. Für die Puppen Schnatterinchen und Brummel war er eine Art Ersatzvater, ein Familienidyll, das der freche Pittiplatsch ein paar Jahre später aufmischte.

Nach den Stationen Quedlinburg und Rostock kam Friedrichson schon 1952 nach Berlin, wo er am Theater der Freundschaft und am Deutschen Theater wirkte. In Curt Bois’ Defa-Posse »Ein Polterabend« war er ein Berliner Schusterjunge, in Gerhard Klingenbergs FDJ-Komödie »Guten Tag, lieber Tag« ein sehr musikalischer Jugendfreund. Als der DFF 1962 Georg Hermanns »Kubinke« adaptierte, übertrug man Friedrichson die Titelrolle. Aber als Nadelöhr war er zu festgelegt, als dass ihm das Publikum andere Rollen abgenommen hätte. Der Schauspieler war Diabetiker, ein Grund, warum er 1976 mit nur 46 Jahren starb. Die Märchensendungen, die er zuvor abgedreht hatte, wurden nicht mehr gesendet. Gestern war sein 90. Geburtstag.

Als Charlotte Küter 1983 in Weimar mit 83 starb, hatte sie sich schon seit rund zehn Jahren aus dem Beruf zurückgezogen. Der Unermüdlichen war es auch gegönnt. Die Schauspielerin hatte seit 1920 in Dresden, Berlin und Düsseldorf gespielt. In Königsberg (heute Kaliningrad) lernte sie ihren Mann, den Schauspieler und Regisseur Paul Lewitt, kennen. Da sich beide in der Kommunistischen Partei engagierten, mussten sie 1933 aus Nazideutschland fliehen. In Prag wurde noch deutschsprachiges Theater gespielt, und Küter trat hier auch in der Titelrolle von Brechts »Die Gewehre der Frau Carrar« auf, ehe sie nach Großbritannien fliehen musste. Mit der Rückkehr nach Berlin begann 1945 die intensivste Arbeitsperiode der beiden Künstler. Charlotte Küter spielte und inszenierte am Theater, trat bei Film, Funk und Fernsehen auf, sprach Hörspiele, führte Synchronregie (und fungierte kurze Zeit als künstlerische Leiterin im Synchronstudio der Defa). In der gesellschaftlichen Arbeit entwickelte sie sich zur »Multifunktionärin« u. a. im DFD und FDGB und war viele Jahre lang für den Kulturbund Volkskammerabgeordnete. »Nebenbei« wurde sie auch Publikumsliebling, in den »Bamsdorf«-Kinderfilmen als Oma oder als resolutes Familienoberhaupt in der Serie »Heute bei Krügers«. Am Freitag jährt sich ihr Geburtstag zum 120. Mal.

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