Gegründet 1947 Mittwoch, 29. Januar 2020, Nr. 24
Die junge Welt wird von 2223 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 15.01.2020, Seite 2 / Ausland
Krieg in Libyen

Russland drängt auf Gespräche

Verhandlungen zu Waffenstillstand in Libyen: Berlin lädt zu Konferenz
RTS2Y6Q4.jpg
Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu wird von seinem Kollegen Sergei Lawrow in Moskau empfangen (13.1.2020)

Nach den bislang erfolglosen Verhandlungen über einen dauerhaften Waffenstillstand in Libyen drängt Russland auf weitere Vermittlungsgespräche. »Alle sollten an einem Strang ziehen und alle libyschen Parteien dazu ermuntern«, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag in Sri Lanka.

Kurz zuvor waren die in Moskau geführten Unterredungen mit den Konfliktparteien vorerst ohne Ergebnis zu Ende gegangen. General Khalifa Haftar reiste aus der russischen Hauptstadt ab, ohne die Vereinbarung über eine Waffenruhe zu unterschreiben, wie das Außenministerium gegenüber dpa bestätigte. Laut Verteidigungsministerium in Moskau hat Haftar sich eine weitere Bedenkzeit genommen, um das Dokument zwei Tage lang mit seinen Verbündeten zu diskutieren. Der Ministerpräsident der international anerkannten Regierung, Fajis Al-Sarradsch, reiste zu Konsultationen in die Türkei, nachdem er die Vereinbarung bereits unterschrieben hatte.

Russland und die Türkei wollen Lawrow zufolge ihre Bemühungen fortsetzen. Auch Deutschland, Frankreich und Italien sowie die Nachbarländer, die in dem Konflikt vermitteln wollten, müssten eine gemeinsame Linie finden.

Unterdessen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für diesen Sonntag zu einem Libyen-Gipfel nach Berlin eingeladen. Das Treffen werde nach Absprache mit UN-Generalsekretär António Guterres auf Ebene der Staats- und Regierungschefs stattfinden, teilte die Bundesregierung am Dienstag in Berlin mit. Ziel sei es, die Bemühungen der UNO für ein souveränes Libyen und einen Versöhnungsprozess in dem nordafrikanischen Land zu unterstützen.

An der Konferenz werden nach Angaben Berlins die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, die Republik Kongo, Italien, Ägypten und Algerien teilnehmen. Es wurde erwartet, dass unter anderem der russische Präsident Wladimir Putin und dessen französischer Amtskollege Emmanuel Macron anreisen. Auch die EU, die Arabische Liga und die Afrikanische Union werden in Berlin vertreten sein, wie die Bundesregierung weiter mitteilte.

Eingeladen werden demnach auch Al-Sarradsch und Haftar. Ihre Teilnahme blieb offen. (dpa/AFP/jW)

Mehr aus: Ausland