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Aus: Ausgabe vom 14.01.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
E-Mobilität

Erwerbslos durch Elektrifizierung

Kommission kalkuliert mit Verlust von mehr als 400.000 Jobs in der Autoindustrie
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Die Autokonzerne liegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) besonders am Herzen. Hier besucht sie das VW-Werk in Zwickau. Links VW-Chef Herbert Diess, rechts Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) (4.11.19)

Dem Umbau der Autoindustrie könnten einer Studie zufolge Hunderttausende Jobs zum Opfer fallen. Wenn sich die Wettbewerbslage der deutschen Industrie bei der Elektromobilität in den kommenden Jahren nicht verbessere und der Importbedarf für Batteriezellen und Elektrofahrzeuge weiter steige, wäre ein »erheblicher Beschäftigungsrückgang« bis 2030 zu erwarten. So heißt es im Bericht einer Arbeitsgruppe der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission »Nationale Plattform Zukunft der Mobilität«. In einem Ex­tremszenario drohten demnach bis zu 410.000 Arbeitsplätze wegzufallen.

Am Mittwoch kommt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt mit Vertretern von Gewerkschaften sowie des Autobranchenverbands VDA zusammen. Schwerpunkt dürfte der Umbruch in der Branche sein. In dem am Montag vorgelegten Bericht der Arbeitsgruppe heißt es: »Auch wenn dieses Extremszenario aufgrund einer besseren Entwicklung inländischer Angebote von Elektrofahrzeugen und inländischer Produktion von Batterien abgewendet werden kann, gilt: In keinem Fall werden die Automobilhersteller weiterhin im selben Maße für eine solche Wertschöpfung und Beschäftigung entlang der Zulieferketten sorgen können, wie es heute der Fall ist.«

Der Leiter der Arbeitsgruppe, IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, sagte laut Mitteilung, dass sich der »Markthochlauf der Elektromobilität« bis 2030 aufgrund der Klimaschutzregelungen sowie weitere Effizienzsteigerungen durch eine zunehmende Automatisierung in der Produktion immer stärker auf die Beschäftigungsstrukturen auswirken werden. Im Vergleich zu bisherigen Ergebnissen gehe der Personalbedarf in den neuen Elektromobilitätsszenarien weiter zurück, auch weil die Produktivität durch eine höhere Automatisierung in Zukunft weiter steigen werde. Die Herstellung von Elektrofahrzeugen sei stärker automatisierbar. In der Arbeitsgruppe sind neben der IG Metall auch Unternehmen wie VW, Daimler, Siemens, BASF sowie Forschungsinstitute vertreten.

Hofmann forderte Firmenchefs und Regierung zum Handeln auf. Knapp die Hälfte der Unternehmen im Organisationsbereich der IG Metall – insbesondere kleine und mittlere Zulieferer – habe keine Strategie für den Strukturwandel. Nötig seien Zukunftstarifverträge und verbindliche Zusagen für Investitionen in neue Geschäftsmodelle, Produkte und Entwicklungsaufträge. (dpa/jW)

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