Gegründet 1947 Mittwoch, 29. Januar 2020, Nr. 24
Die junge Welt wird von 2223 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 14.01.2020, Seite 3 / Schwerpunkt
Mittelmeer

Alternative zu russischem Gas

USA haben großes Interesse an »Eastmed«-Pipeline. Ausbau von Militärbasen
Von Jörg Kronauer
Griechischer_Premier_63921043.jpg
Hoch die Tassen: US-Vizepräsident Michael Pence und Kyriakos Mitsotakis, Premierminister von Griechenland, am 8. Januar in Washington

Die Vereinigten Staaten haben aus mehreren Gründen Interesse am Bau der »Eastmed«-Pipeline. Zum einen eröffnet die Leitung zumindest punktuell eine Alternative zu russischem Gas. Zum anderen stärkt sie die ökonomischen Bindungen zwischen dem engen US-Verbündeten Israel und der EU. Hinzu kommt, dass Washington den Bau der Pipeline zum Anlass nimmt, um neue Aktivitäten im östlichen Mittelmeer zu entfalten. Am 20. Dezember unterzeichnete Präsident Donald Trump den »Eastmed«-Act, ein neues Gesetz, mit dem die Vereinigten Staaten sich verpflichten, systematisch die Energiekooperation zwischen Griechenland, Zypern und Israel zu unterstützen. Der »Eastmed«-Act sieht zudem eine engere Zusammenarbeit bei der »maritimen Sicherheit«, beim »Schutz der kritischen Infrastruktur« und bei der »Cybersicherheit« vor. In diesem Kontext hatte Washington im Dezember auch ein seit 1987 bestehendes Waffenembargo gegen Zypern aufgehoben.

Insbesondere wird der »Eastmed«-Act die Militärkooperation zwischen den USA und Griechenland intensivieren. Darauf wies in der vergangenen Woche James Risch hin, Vorsitzender im Auswärtigen Ausschuss des US-Senats. Er äußerte dies nach einem Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis in Washington in derselben Woche. Beide Länder sind ohnehin dabei, ihre militärische Zusammenarbeit auszubauen. Anfang Oktober hatten US-Außenminister Michael Pompeo und sein griechischer Amtskollege Nikolaos Dendias in Athen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Demnach können die US-Streitkräfte in Zukunft nicht nur die Militärbasis Souda bei Chania auf Kreta nutzen, sondern auch eine Luftwaffenbasis bei Larisa im Zentrum des griechischen Festlands und den Hafen von Alexandroupolis nahe der Grenze zur Türkei. Die US-Streitkräfte benötigten die griechischen Militärstützpunkte nicht nur für Operationen im Nahen Osten, sondern auch für die Überwachung Südosteuropas bis hin zur Ukraine mit Drohnen, hieß es in Athen. Gleichzeitig treibt Israel seine Militärkooperation mit Griechenland und Zypern voran. Die Zusammenarbeit richtet sich nicht zuletzt gegen Griechenlands NATO-Partner und Erzfeind Türkei.

Mehr aus: Schwerpunkt