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Aus: Ausgabe vom 13.01.2020, Seite 16 / Sport
US-Sport

Ein erster Schritt

Dank eines neuen Gesetzes dürfen Collegesportler in Kalifornien endlich Geld verdienen
Von Rouven Ahl
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»Collegeathleten sind Arbeiter. Bezahlt sie« (Bernhard »Bernie« Sanders) – Collegebasketballspiel Minnesota Golden Gophers vs. Michigan State Spartans (9.1.2020)

Die Summe lässt sich sehen: 14 Milliarden Dollar verdienen die rund 1.100 Universitäten in den USA pro Jahr angeblich mit ihren Sportmannschaften um. Der Dachverband des US-Collegesport »National Collegiate Athletic Association« (NCAA) machte 2018 schätzungsweise eine Milliarde US-Dollar Umsatz (28 Millionen Gewinn) – das ist mehr als ein Viertel dessen, was hierzulande die Fußballbundesliga umsetzt. Collegesport ist bereits seit langem ein boomendes Geschäft. Das Finale um den Titel im American Football am 13. Januar zwischen Clemson und Louisiana werden wieder Millionen verfolgen. Die Teams der Universitäten sind in den jeweiligen Bundesstaaten oftmals beliebter als die Profimannschaften.

Von den Einnahmen sehen die Athleten allerdings so gut wie nichts. Die dürfen im US-Collegesport nämlich kein Geld verdienen, sich auch nicht selbst vermarkten oder Werbeverträge abschließen. Sie dürfen im Zusammenhang mit ihrer sportlichen Tätigkeit nicht einmal Geschenke annehmen oder einen Youtube-Kanal eröffnen. Von den geschätzten sechs Millionen Dollar, die beide Footballfinalisten erhalten, sehen die Spieler ebenfalls keinen Cent. Schon lange steht die NCAA dafür in der Kritik. Geändert hat sich an den Verhältnissen bislang nichts. Im US-Bundesstaat Kalifornien dürfte ein neues Gesetz hier zukünftig Abhilfe schaffen. Der »Fair Pay to Play Act«, den Gouverneur Gavin Newsom am 30. September unterzeichnete, sorgt dafür, dass sich die Sportlerinnen und Sportler ab 2023 selbst vermarkten dürfen. Das gestattete die NCAA bisher nur, wenn es nicht im Zusammenhang mit der sportlichen Tätigkeit stand.

Der Verband ist davon naturgemäß wenig begeistert und drohte mit dem Ausschluss der kalifornischen Hochschulen von den Meisterschaften. Diese stellen sich zum Teil ebenfalls gegen das Gesetz. Doch andere Bundesstaaten wollen nachziehen. Nicht unbedingt aus Überzeugung: Die kalifornischen Universitäten hätten dank der neuen Regelung im Kampf um die begehrten Talente einen deutlichen Standortvorteil. Auch auf Bundesebene wurde ein entsprechender Gesetzesentwurf eingebracht. Republikaner und Demokraten wollen sich gleichermaßen dafür einsetzen. Er hat prominente Unterstützer: Basketballstar LeBron James bezeichnete das kalifornische Gesetz Anfang September als »historische Wende« (»Game changer«). Der Bewerber um die Präsidentschaftskadidatur der Demokraten, Bernhard »Bernie« Sanders, ergänzte: »College athletes are workers. Pay them« (»Collegeathleten sind Arbeiter. Bezahlt sie«). Die NCAA hingegen verteidigte ihr System stets mit dem Argument, die Athletinnen und Athleten würden als Entschädigung ihre Ausbildung bezahlt bekommen. Das stimmt natürlich. Mit ihren sportlichen Leistungen wird dennoch viel Geld verdient. Ihr großes Ziele, eine Karriere im Profisport, erreichen nur die wenigsten. Im Football sind es im Schnitt 1,6 Prozent, im Basketball sogar nur 1,2.

Auf dem Weg dahin haben die Sportler meist viel Arbeit investiert, die durchaus gesundheitliche Konsequenzen haben kann. Gerade American Football ist ein gefährlicher Sport. Das förderten unter anderem die Untersuchungen zur Hirnerkrankung CTE zutage, unter der viele Footballer leiden. Der Weg in den Profisport ist also mit Risiken verbunden, die im Collegesport nicht monetär kompensiert werden. Gerade Stipendiaten aus einkommensschwachen Verhältnissen würde es bei der Verbesserung ihrer Lebenssituation helfen, bereits im College mit ihrem Talent Geld verdienen zu können. Die Gesetzesänderung in Kalifornien war nur ein erster Schritt zu mehr Gerechtigkeit.

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