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Aus: Ausgabe vom 13.01.2020, Seite 15 / Politisches Buch
Marxistische Blätter

Staat und Nation bei Lenin: Neues Heft der Marxistischen Blätter

Von Arnold Schölzel
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1. Mai 2014 in Donezk, Ukraine, am Lenin-Denkmal

Das neue Heft der Zweimonatszeitschrift Marxistische Blätter hat den Schwerpunkt »Lenin 150. Staat, Nation und Internationalisierung«. Es greift aktuelle Debatten auf. Das trifft besonders auf die Beilage zu, in der sich Wolf-Dieter (»Gottlieb«) Gudopp-von Behm unter dem Titel »Die Welt verändern! Vorläufige Notizen über Naherwartung und Parousieverzögerung« grundsätzlich und zurückgreifend auf die Geschichte von Heilserwartungen mit der »strategischen Ratlosigkeit« unter den »verbliebenen Kommunisten« nach der Niederlage des Sozialismus befasst. Die Katastrophe bestehe darin, dass der Kapitalismus noch nicht von der Weltbühne vertrieben sei. Aber: »Wo bleibt der unverschnörkelte Aufruf zum Sozialismus?« Der Autor hält nichts davon, vom »Westen« oder »Osten« oder – wie auch in Dokumenten der DKP – von »EU« zu sprechen statt von Kapitalismus. Nach dem Ende der »großen Armee« müssten die »verbliebenen Häuflein« ohne Rückversicherung selbst nachdenken, wobei die Basisorientierung laute: »Gegen Krieg und Faschismus«. Ideologische Engführung bleibt da nicht aus. Der Autor hält z. B. kritisch fest: »Die aktuell kursierende Losung ›Deutschland raus aus der NATO, NATO raus aus Deutschland, Friede mit Russland‹ steht gewollt oder ungewollt in der Kontinuität der ›nationalrevolutionären‹ Strömungen seit der frühen Weimarer Republik.«

Einseitige Auffassungen, die Positionen Lenins ignorieren, tauchen heute öfter auf, etwa zum Begriff Nation. Das Heft enthält dazu ein wichtiges Dokument des Revolutionärs von Ende 1922, in dem er den Marxschen Grundsatz unterstrich, zwischen dem Nationalismus einer unterdrückenden und dem einer unterdrückten zu unterscheiden. Beate Landefeld analysiert einen Artikel Lenins von 1913, in dem er der Arbeitsmigration eine »fortschrittliche Bedeutung« beimaß. Die Autorin setzt sich u. a. mit dem Buch »Kritik der Migration« von Hannes Hofbauer auseinander: Die These, »erst die Migration bewirke die Teilung des Arbeitsmarkts«, sei »nicht korrekt«. Holger Wendt weist Angriffe auf den Leninschen Imperialismusbegriff zurück und hebt hervor, dieser schließe an Überlegungen von Marx und Engels zur Dynamik des Kapitalismus an. Hannes Fellner analysiert Aussagen von Lenin und Antonio Gramsci zum Staat, Herbert Münchow den Band von Michael Brie »Lenin neu entdecken«. Alfred Kosing hebt in einem Auszug aus seinem neuen Buch zur nationalen Frage die Aktualität der Position Lenins zu den »Vereinigten Staaten von Europa« hervor.

Das Heft, das u. a. auch Diskussionsbeiträge von Ellen Brombacher und Edeltraut Felfe enthält, führt ins Zentrum aktueller Debatten. Parallel gibt die Zeitschrift als MASCH-Skript einen Nachdruck des Aufsatzes von Hans Heinz Holz »Lenins philosophisches Konzept« aus dem Jahr 2003 heraus.

Marxistische Blätter, Heft 1/2020, 152 Seiten, 9,50 Euro (Jahresabo 48 Euro, ermäßigt 32 Euro). Bezug: Marxistische Blätter, Hoffnungstr. 18, 45127 Essen, Tel.: 02 01/23 67 57 , E-Mail: ­redaktion@marxistische-blaetter.de

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