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Aus: Ausgabe vom 13.01.2020, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Eiskalter Winter

Hörspiel | Sa., 20.05 Uhr, DLF
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Wegen der katastrophalen Ernährungslage legten am 31.3.1947 in Krefeld Tausende die Arbeit nieder und versammelten sich zu einer Protestkundgebung auf dem Karlsplatz

Auf der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz las Rolf Becker zur Jazzmusik von Hannes Zerbe aus Ernst Schnabels Text zu »Das Floß der Medusa«, einem Requiem für Che Guevara. Später konnte man im Radio mehr von Schnabel hören: das Hörspiel »Der 29. Januar 1947«. Für dieses hatte Schnabel damals die Hörer des Nordwestdeutschen Rundfunks aufgefordert, ihm zu schreiben, was an jenem Tag geschehen sei. Darauf erhielt er Tausende Zuschriften, deren Inhalt er zu einem Feature verdichtete: Das Ergebnis ist ein eindrucksvolles Zeitzeugnis und eine bleibende Erinnerung an die große Not, die damals herrschte. In jenem Winter erfroren jede Nacht Menschen in ihren Betten. Was heißt Betten: auf Pritschen. Man erfährt von Paaren, die gemeinsam aus einer einzigen Tasse trinken, weil sie mehr nicht besitzen, und von einer Polizei, die scharf auf Kohlendiebe schießt. Grund des Elends war nicht die extreme Kälte, sondern der von Deutschland entfesselte Weltkrieg. Und man darf sich sicher sein: Die Schrecken des nächsten werden noch fürchterlicher sein. (jt)

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