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Aus: Ausgabe vom 13.01.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Knapp vorbeigeschrammt

Lahme Ente Deutschland

Handelskonflikte und schwache Weltkonjunktur: Wirtschaft 2019 kaum gewachsen
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Getriebemontage in einer Fabrik in Baden-Württemberg

Von den USA inszenierte Handelskonflikte sowie eine schwache globale Konjunktur haben den Aufschwung in Deutschland 2019 abgewürgt. Experten und die Bundesregierung gehen für 2019 von einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von etwa 0,5 Prozent aus. Im Jahr zuvor hatte die Wirtschaftsleistung noch um 1,5 Prozent zugelegt.

Besonders die exportorientierte Industrie hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Sonderzölle sowie Sanktionen gegen diverse Staaten wie etwa Russland, aber auch das Hickhack um Modalitäten und Zeitpunkt des Ausscheidens Großbritanniens aus der EU, haben sich negativ ausgewirkt. Schlüsselbranchen wie der Automobil- und Maschinenbau sowie die Elektro- und Chemieindustrie bekamen das deutlich zu spüren. Problematisch gestaltet sich auch der im Zuge der Klimadiskussion in Gang gebrachte Strukturwandel in der Autobranche.

Die Binnenwirtschaft erwies sich auch wegen drohender Strafzinsen auf Sparguthaben als verlässliche Stütze: Die Bürger konsumierten kräftig. Auch an der Vermehrung des »Betongolds« wurde gearbeitet, denn am Bau herrschte weiter Hochkonjunktur. Das ist zwar Gift für die Mieten, aber derzeit eine der wenigen spekulativen Anlagen, die sich auf dem Papier rechnen. Das alles – und wie Kritiker glauben, der »spitze Bleistift« amtlicher Statistiker – hat dafür gesorgt, dass eine Rezession (ein Rückgang der BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen) vermieden und ein deutlicher Absturz der deutschen Wirtschaft verhindert worden sind. Im Sommer hatte die Wirtschaft um rasante 0,1 Prozent zugelegt, im 2. Quartal zuvor war sie um 0,2 Prozent geschrumpft. (dpa/jW)

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