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Aus: Ausgabe vom 13.01.2020, Seite 4 / Inland
Deutsch-israelische Manöver

Latente Gefahr

Mit Cyberangriffen und »Eurofightern« in den »Kampf um Bodenschätze«: Bundeswehr führt verstärkt Übungen mit israelischem Militär durch
Von Matthias Monroy
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Krieg führen am Rechner: Die Bundeswehr will dazulernen

Die Bundeswehr plant ein gemeinsames Manöver zur Cyberkriegführung unter anderem mit dem israelischen Militär. Die Übung mit dem Titel »Multi-Lateral Cyber Defence Exercise 20« (MLCD20) soll im August in Deutschland stattfinden; auch Einheiten aus Österreich und der Schweiz nehmen daran teil. Das hat das Verteidigungsministerium in der Antwort auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Andrej Hunko erklärt. Zu den Details der Manöverszenarien ist bislang nichts bekannt. Bei derartigen Übungen werden Angriffe von sogenannten »Red Teams« simuliert und von »Blue Teams« gekontert.

Welche Abteilungen die ausländischen Streitkräfte entsenden, wollte der parlamentarische Staatssekretär Peter Tauber (CDU) trotz Nachfrage nicht mitteilen. In Israel wird die geheimdienstliche Aufklärung im Cyberspace von der militärischen »Einheit 8200« durchgeführt. Israelischen Medienberichten zufolge ist die Einheit mittlerweile auch für Cyberangriffe zuständig. Aus der Bundesrepublik sind alle wichtigen militärischen Cyberabteilungen an der »Multi-Lateral Cyber Defence Exercise 20« beteiligt, die Führung liegt bei dem vor drei Jahren aufgestellten Kommando »Cyber- und Informationsraum« in Bonn. Es ist unter anderem für die Aufklärung von Aktivitäten zuständig. Für eigene Cyberangriffe verfügt das Kommando über ein »Zentrum Cyber-Operationen« in Rheinbach.

Schließlich nimmt auch das militärische Forschungsinstitut »Cyber Defence und Smart Data« an der Übung teil. Das bei der Bundeswehr-Universität in München angesiedelte Projekt ist für umfangreiche Forschungen im militärischen und politischen »Cyber- und Informationsraum« zuständig. Hierzu gehört auch die sogenannte Krisenfrüherkennung mit Hilfe von Software, die im Internet nach Auffälligkeiten sucht.

Auch als "Partner" der NATO nimmt Israel an Manövern in Deutschland teil. Im April hatten israelische Soldaten erstmals mit der Bundeswehr in einer sogenannten »Volltruppenübung« der NATO trainiert. Die internationale Großübung stand unter der Führung der 1. Panzerdivision aus Oldenburg und fand auf dem US-Truppenübungsplatz Hohenfels statt. Neben Fallschirmjägern hatte das israelische Militär eine mit Kampf- und Spürhunden ausgestattete Spezialeinheit geschickt. Die Hunde stammen laut dem israelischen Journalisten Gideon Levy teilweise aus Deutschland und werden auch bei Operationen der israelischen Armee im besetzten Westjordanland eingesetzt. Dabei werden immer wieder unbeteiligte Zivilisten verletzt. Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem fordert deshalb ein Ende des Kampfhundeeinsatzes.

Israel ist außerdem das erste Nichtmitglied, das an einem Manöver beim NATO-Einsatz »Sea Guardian« im Mittelmeer teilnahm. Unter der Bezeichnung »Kristallmeer« wurde dabei unter anderem die medizinische Versorgung der Besatzungen an Bord, die an »Sea Guardian« teilnehmen, trainiert. Auch das israelische Militär lädt regelmäßig zu internationalen Übungen ein. Zum zweiten Mal hatte sich die deutsche Luftwaffe im Herbst 2019 mit sechs »Eurofightern« an »Blue Flag« in Israel beteiligt. Bei dem Manöver wird eine fiktive »Rahmenlage« simuliert, im letzten Jahr war diese bestimmt durch »Klimawandel und Wasserknappheit«. Als Szenarien für den Luftkampf nennt die Bundeswehr die »Gefahr latenter Auseinandersetzungen im Kampf um Bodenschätze und natürliche Ressourcen«. Das Manöver in der Negev-Wüste findet alle zwei Jahre statt. Das Verteidigungsministerium hat bereits die deutsche Teilnahme für 2021 angekündigt.

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