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Aus: Ausgabe vom 13.01.2020, Seite 2 / Ausland
Iran

Iran bedauert Raketentreffer

Passagierflugzeug versehentlich abgeschossen. Ukraines Präsident nimmt Entschuldigung an
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Ergebnis eines von den USA eskalierten Konflikts: 176 Menschen starben in den Trümmern der Passagiermaschine (Teheran, 8.1.2020)

Nach dem Bekenntnis des Iran zum versehentlichen Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs ist es im Iran am Wochenende zu Protesten gegen die politische Führung gekommen. Zuvor hatten die »Revolutionsgarden« erklärt, die Maschine sei versehentlich abgeschossen worden. Präsident Hassan Rohani versprach eine gründliche Untersuchung und sagte, der »unverzeihliche Vorfall« werde juristisch konsequent verfolgt. Zudem sollten die Familien der Opfer entschädigt werden. Auch Irans religiöses Staatsoberhaupt, Ajatollah Ali Khamenei, drückte sein tiefstes Mitgefühl aus. Der ukrainische Staatschef Wolodimir Selenskij nahm eine offizielle Entschuldigung Rohanis an und kündigte an, Entschädigungsforderungen zu übersenden.

Die Boeing wurde nach Darstellung des iranischen Militärs von einer Kurzstreckenrakete getroffen, nachdem sie nah an einer Militäreinrichtung der »Revolutionsgarden« vorbeigeflogen war. Demnach hatte der verantwortliche Raketenschütze die Boeing 737- 800 für einen Marschflugkörper gehalten. Nur wenige Stunden zuvor hatte der Iran als Vergeltung für die Ermordung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch die USA Militärstützpunkte im Irak mit Raketen beschossen, die von US-Soldaten und internationalen Truppen genutzt werden. Der Iran stellte sich auf einen Gegenschlag der USA ein. Für Außenminister Mohammed Dschawad Sarif ist der Abschuss Folge eines »menschlichen Fehlers in Krisenzeiten, verursacht durch die US-Abenteuerpolitik«.

Am späten Sonnabend versammelten sich mehrere hundert Menschen zunächst an der Amir-Kabir-Universität in Teheran, um der 176 Toten zu gedenken, doch schlug die Kundgebung rasch in heftige Kritik an der Regierung um. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Mehr wurde der britische Botschafter Robert Macaire wegen der »Beteiligung an der Anstiftung« der Proteste festgenommen. Macaire erklärte hingegen, er sei nach rund fünf Minuten wieder gegangen, als erste regierungsfeindliche Slogans ertönt seien. Am Sonntag bestellte das iranische Außenministerium den Botschafter ein und teilte ihm mit, dass seine Teilnahme an einer »illegalen Kundgebung« gegen die diplomatischen Vorschriften verstoßen habe. (dpa/Reuters/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Hans Schoenefeldt: Katastrophe vorprogrammiert Nach dem Bekenntnis zum Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs wird vom Iran ein Kniefall vor der Weltgemeinschaft gefordert. Aber selbst dieses Schuldeingeständnis hat für Irritationen in der...

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