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Aus: Ausgabe vom 08.01.2020, Seite 6 / Ausland
Indien

Offene Gewalt

Indien: Nach brutalem Angriff in Indien erhärtet sich Verdacht gegen Hindu-Nationalisten
Von Silva Lieberherr und Aditi Dixit, Mumbai
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Nach der Attacke der Hindufaschisten auf die Nehru-Universität in Neu-Delhi (6.1.2020)

Am späten Sonntag abend hatten sich Studierende und Fakultätsmitglieder auf dem Campus der angesehenen Jawaharlal-Nehru-Universität (JNU) in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi versammelt, um friedlich gegen die Erhöhung der Studiengebühren zu protestieren. Plötzlich wurden sie von 100 bis 150 Maskierten mit Eisen- und Holzstäben, Vorschlaghammern und Steinen angegriffen. Die Vermummten attackierten Studierende und Dozierende, verwüsteten Wohnheime und terrorisierten die Menschen, die dort festsaßen. Von diesen wurden mehr als 30 zum Teil schwer verletzt. Die Hinweise verdichten sich, dass es eine geplante Attacke der Studentenorganisation Akhil Bharatiya Vidyarthi Parishad (ABVP) war, die der regierenden hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) von Premierminister Narendra Modi nahesteht.

Aishe Ghosh, Präsidentin des Dachverbands der Studierendenorganisationen an der JNU und selbst unter den Opfern, äußerte sich am Montag auf einer Pressekonferenz deutlich: »Dies war ein organisierter Angriff. Sie haben einzelne Leute ausgewählt und angegriffen. Es gibt eine klare Verbindung zwischen dem Sicherheitspersonal der JNU und den Angreifern. Sie haben nicht eingegriffen, um die Gewalt zu stoppen.« Während indische Fernsehstationen die Attacke unmittelbar danach als einen »Zusammenstoß« zwischen Studierendenorganisationen verharmlost hatten, wurde Ghoshs Version mittlerweile von Augenzeugenberichten, Videos in »sozialen Medien« und von Journalisten, die vor Ort waren, bestätigt.

Die indische Edition der Huffington Post berichtete beispielsweise, dass die Gewalt selektiv gewesen sei. So blieben Plastikblumen an der Tür eines ehemaligen Aktivisten der ABVP unberührt, während einige Meter weiter das Zimmer eines kaschmirischen Studenten mit einem Feuerlöscher aufgebrochen und durchwühlt worden sei. Videos, die von einer Journalistin der Times of India auf Twitter verbreitet wurden, zeigen deutliche Hinweise auf Absprachen zwischen Polizei und Angreifern.

Mittlerweile erhärtet sich der Verdacht, dass sich der orchestrierte Angriff vor allem gegen Linke richtete. Die ABVP ist die Studierendenorganisation der Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), der extrem rechten, paramilitärischen Mutterorganisation der regierenden BJP. Studierende hatten die Angreifer als ABVP-Mitglieder erkannt, und mittlerweile hat die Onlinezeitung Scroll Chatverläufe veröffentlicht, die diesen Verdacht stützen.

Bisher gab es noch keine Festnahmen. Die Polizei hat jedoch eine Anzeige des Sicherheitspersonals gegen Gosh und 19 andere wegen Vandalismus aufgenommen. Ghosh, die im Dachverband die marxistische Studierendenvereinigung vertritt, hatte bei dem Angriff Kopfverletzungen davongetragen. Sie gab sich auf der Pressekonferenz weiterhin kämpferisch und kündigte an, »jede Eisenstange, die gegen die Studierenden eingesetzt wird«, mit Debatte und Diskussion zu beantworten (…). »Die JNU wird ihre demokratische Kultur aufrechterhalten.«

Seit Mitte Dezember gibt es landesweit immer wieder Proteste, die sich gegen ein neues Staatsbürgerschaftsgesetz und gegen nationale Bevölkerungsregister richten. Viele sehen in dem Gesetz einen Angriff auf Indiens laizistische Verfassung. Die indische Regierung reagiert mit brutaler Gewalt. Diese riesigen Proteste im ganzen Land und die Demonstrationen gegen die Erhöhung der Studiengebühren an der JNU sind nicht miteinander verbunden, aber die Gewalt gegen Menschen, die sich auflehnen, ist ihnen gemein. Dies hat nun landesweit an zahlreichen Universitäten erneut Proteste ausgelöst.

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