Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Gegründet 1947 Donnerstag, 9. April 2020, Nr. 85
Die junge Welt wird von 2267 GenossInnen herausgegeben
Probeabo abschließen und weiterempfehlen Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Aus: Ausgabe vom 07.01.2020, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Lesetips

Rechtsgeschichte

Das deutsche Arbeitsrecht ist ein »Richterrecht«. Das heißt: Was als »Recht« gilt und was nicht, ist zumeist nicht in Gesetzen detailliert ausbuchstabiert, sondern wurde und wird von Gerichten entschieden. Wer wissen will, wie es zu den heutigen arbeitsrechtlichen Standards gekommen ist, muss sich deshalb die wichtigen Gerichtsurteile der vergangenen Jahre und Jahrzehnte anschauen. Diesen Versuch unternimmt der ehemalige IG-Metall-Justiziar und Verfasser etlicher juristischer Werke, Michael Kittner. Sein im Bund-Verlag erschienenes Buch enthält kurze, verständlich geschriebene Erläuterungen zu den 50 bedeutendsten Urteilen, die das Arbeitsrecht bis heute prägen. Und so manche Überraschung: So urteilte die Zivilgerichtsbarkeit beim Kieler Bäckerboykott von 1904 – die Gewerkschaften hatten zum Boykott von Bäckern aufgerufen, die ihren Gesellen unter anderem einen Mindestlohn von 22 Mark pro Woche verweigerten – anders als die Strafgerichte erstaunlich liberal. Erst in der Weimarer Republik wurde »aus der kaiserzeitlichen Liberalität gegenüber wirtschaftlichen Kämpfen (…) Restriktion gegenüber Störungen einer ohnehin labilen Wirtschaft«. Dieses und viele weitere Beispiele zeigen, wie sich »das Recht« entwickelt hat – und, dass es veränderbar ist. (dab)

Michael Kittner: 50 Urteile. Arbeitsgerichte schreiben Rechtsgeschichte. 2., bearbeitete Auflage, Bund-Verlag, Frankfurt am Main 2020 (November 2019), 344 Seiten, 38 Euro, ISBN: 978-3-7663-6857-7

Gruppenarbeit

Peter Birke vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (Sofi) wirft in der Fachzeitschrift Industrielle Beziehungen einen Blick zurück auf die Einführung von Gruppenarbeit in den 1990er und 2000er Jahren. Dabei unterzieht er seinerzeit geführten Interviews mit Beschäftigten einer Sekundäranalyse und zeigt auf, dass die Interviewten die damaligen Versprechen einer Demokratisierung der betrieblichen Abläufe durchaus ernst nahmen. Das bedeutete indes nicht, dass sie ihre Vorstellungen vom Interessengegensatz zwischen Eigentümern und Arbeitenden oder traditionelle Formen des Arbeitskampfes ad acta legten. Ein interessanter historischer Rückblick, der auch Hinweise für die heutige Debatte um »agile Arbeit« beinhaltet. Offen bleibt allerdings, wie sich die Umsetzung und Folgen der Gruppenarbeit seither tatsächlich entwickelt haben. (dab)

Industrielle Beziehungen. Zeitschrift für Arbeit, Organisation und Management, 3/2019, ca. 100 Seiten, 27 Euro; Bezug: ­indbez.budrich-journals.de

Mehr aus: Betrieb & Gewerkschaft