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Aus: Ausgabe vom 07.01.2020, Seite 5 / Inland
Gesundheitsversorgung

Debatte um Klinikschließungen geht weiter

Regierungschefs der Länder bevorzugen dezentrales Krankenhausangebot
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Laut dem Barmer-Chef eine »irrationale Liebe«: wohnortnahe Gesundheitsversorgung

In der Debatte um die Zukunft kleinerer Krankenhäuser sehen einige Länder nur bedingten Bedarf für Schließungen zugunsten spezialisierter Kliniken. In Gesprächen mit der Deutschen Presseagentur hoben mehrere Ministerpräsidenten die Bedeutung einer guten Versorgung in der Fläche hervor. »Wir wollen ganz bewusst in unserem großen Flächenland ein dezentrales Krankenhausangebot aufrechterhalten«, sagte etwa Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD). Es gebe ein »tiefes Bedürfnis« nach guter medizinischer Versorgung in erreichbarer Nähe. Es brauche aber zukunftsfähige Konzepte, nicht jeder Standort sei optimal.

Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung verbreitete im Sommer den Standpunkt, statt knapp 1.400 Kliniken bundesweit reichten deutlich unter 600 Krankenhäuser aus. Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, forderte kürzlich eine »Bereinigung der Kliniklandschaft«, in Ballungsgebieten gebe es zu viele Standorte.

In Thüringen hält Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) eine weitere Spezialisierung der Krankenhäuser für angezeigt. »Die Landesregierung befürwortet eine flächendeckende Krankenhausversorgung mit spezialisierten Zentren mit hoher Fachkompetenz«, sagte er. Eine Spezialisierung bedeute jedoch nicht, dass Krankenhäuser schließen müssten. Sie seien gerade in ländlichen Regionen notwendig zur Absicherung einer ortsnahen Versorgung.

Von Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) hieß es knapp, Pläne, Klinikstandorte zu schließen, gebe es nicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht die Krankenhausversorgung im Freistaat flächendeckend gewährleistet: »Wir wollen Spitzenmedizin auch vor Ort im ländlichen Raum.« Kaum mehr Reformbedarf sieht Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). »Ich sehe Sachsen da nicht an vorderster Stelle, Veränderungen zu leisten«, sagte er. Wenn es Probleme gebe, dann nur punktuell. »Wir haben eine Kliniklandschaft, die solide und konsolidiert ist.«

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte, dass sich die Länderchefs gegen die Schließung kleinerer Kliniken aussprechen. Der Erhalt von Standorten werde Geld kosten, sagte Vorstand Eugen Brysch. »Aber kein Wort der Ministerpräsidenten dazu, wer das zahlen soll«. Die Länder gäben seit Jahren kaum etwas für Instandhaltung und Modernisierung aus.

Der Chef der Barmer-Krankenkasse, Christoph Straub, sprach von einer »mitunter irrationalen Liebe der Bürger, der Politik und der Medien zu ihrem wohnortnahen Krankenhaus«. Daran seien bisher alle Versuche gescheitert, Häuser ausschließlich nach hoher Versorgungsqualität und medizinischer Sinnhaftigkeit zu betreiben, schrieb Straub in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Montagausgabe). Er schlug vor, dass sich die Kassen an den Investitionskosten beteiligen und ein Mitspracherecht bei der Krankenhausplanung bekommen. (dpa/jW)