Endspurt: Dein Abo zur rechten Zeit
Gegründet 1947 Mittwoch, 19. Februar 2020, Nr. 42
Die junge Welt wird von 2228 GenossInnen herausgegeben
Endspurt: Dein Abo zur rechten Zeit Endspurt: Dein Abo zur rechten Zeit
Endspurt: Dein Abo zur rechten Zeit
Aus: Ausgabe vom 07.01.2020, Seite 1 / Ausland
Militärintervention

Türkische Truppen in Libyen

Ankara: Eigene Streitkräfte sollen »koordinieren«, »andere Teams« sollen kämpfen
RTS2X8JR.jpg
Tripolis am Sonntag: Nach dem jüngsten Anschlag in Libyen auf eine Militärakademie durch »ausländische Kampfflugzeuge«

Die Türkei hat nach eigenen Angaben am Sonntag damit begonnen, erste Soldaten nach Libyen zu entsenden. Die türkischen Streitkräfte würden dort Koordinierungsaufgaben in einer »Operationszentrale« übernehmen, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan Sonntag abend in einem TV-Interview. Laut Erdogan sei es nicht Ziel, zu »kämpfen oder einen Krieg (zu) führen«. Weiter führte er jedoch aus: »Als Kampftruppen werden wir dort andere Teams haben.« Er ließ offen, wen er damit meinte. Erdogan sagte lediglich, dass diese nicht aus türkischen Soldaten bestehen würden. Dabei könnte es sich um mit der Türkei verbündete Dschihadisten aus Syrien handeln, die sich laut Beobachtern in Libyen aufhalten.

Ankara unterstützt die UN-gestützte Regierung von Fajis Al-Sarradsch, deren Kontrolle sich auf Tripolis beschränkt und vom Warlord Khalifa Haftar herausgefordert wird, der im April vergangenen Jahres mit seiner »Libyschen Nationalarmee« eine Offensive auf die Hauptstadt Libyens begonnen hatte. Al-Sarradsch erhält neben der Türkei Unterstützung aus Katar und Italien, Haftar wiederum aus Ägypten, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Russland, Frankreich und laut UNO aus Jordanien.

Kairo hat infolge der Entsendung türkischer Truppen ein Treffen mit Vertretern von vier europäischen Anrainerstaaten des Mittelmeers angekündigt. Für Mittwoch sind Gespräche mit den Außenministern Frankreichs, Italiens, Griechenlands und Zyperns geplant, wie das ägyptische Außenministerium am Montag mitteilte. Kairo sieht die türkische Militärintervention als »Angelegenheit der nationalen Sicherheit Ägyptens«. Zudem bezeichnete es die im November von Ankara und Tripolis unterzeichneten maritimen und militärischen Vereinbarungen als »illegitim«. Auch Griechenland und Zypern kritisieren besonders das Abkommen über Einflussbereiche im Mittelmeer. Aus Sicht Ankaras hatten die betreffenden Anrainer jedoch bisher unerschlossene, aber milliardenschwere Erdgasreserven unter sich aufgeteilt, ohne Ansprüche der Türkei zu berücksichtigen. (dpa/AFP/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • N. N.: Zustand der NATO Hier stehen sich die NATO-Staaten Frankreich, Italien und Türkei kriegerisch gegenüber. Weshalb? Was sagt dies aus über den Zustand der NATO und der Welt? NATO abschaffen? Eine Forderung der Linken?...

Mehr aus: Ausland