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Aus: Ausgabe vom 03.01.2020, Seite 5 / Inland
Prekäre Arbeit

Heimische Idylle trügt

Verdi-Vorsitzender warnt vor Verpflichtung auf Homeoffice: Unternehmer wollen Kosten senken
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Ausbeutung zu Hause: Die eigenen vier Wände können durch Homeoffice zur Falle werden

Die Gewerkschaft Verdi warnt vor steigendem Druck auf die Beschäftigten. »Die Arbeitgeberverbände wollen unter dem Stichwort ›Experimentierräume‹ im wesentlichen die Ruhezeiten verkürzen«, sagte Verdi-Chef Frank Werneke am Donnerstag gegenüber dpa.

Das Bundesarbeitsministerium will in sogenannten Experimentierräumen mit Betrieben und Gewerkschaften neue Arbeitsmodelle erproben. Dabei geht es unter anderem um mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit und weniger Präsenzzeit im Büro. Das Ressort von Minister Hubertus Heil (SPD) erwägt auch einen gesetzlichen Anspruch auf mobile Arbeit, etwa Homeoffice.

Werneke stellte klar: »Heute gilt eine Ruhezeit von elf Stunden.« Wer um acht Uhr im Büro zu arbeiten beginne, könne nicht verpflichtet werden, um 22 Uhr zu Hause noch Mails zu schreiben. »Genau das wollen die Arbeitgeber ändern«, so Werneke. Schon heute würden um 22 Uhr oft Mails geschrieben. »Aber die Beschäftigten entscheiden selbst, ob sie es tun.« Die Einhaltung von Ruhezeiten sei ein wesentlicher Punkt des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. »Mit Gesundheit macht man keine Experimente«, mahnte der Verdi-Chef. Er forderte: »Wenn es ein Recht auf Homeoffice geben soll, ist die Freiwilligkeit für die Beschäftigten wichtig.« Eine Regelung für Homeoffice dürfe Unternehmen nicht einfach dazu dienen, in teuren Städten mit entsprechend hohen Büropreisen einfach die Mieten einzusparen, betonte der Verdi-Chef.

Werneke stellte sich dagegen, Arbeit zu Hause zu idealisieren. »Ich zweifle daran, dass ein Homeofficearbeitsplatz immer so idyllisch ist, wie es manchmal skizziert wird«, sagte er. »Vielfach wird dies gewählt, weil es zu pflegende Angehörige oder Kinder mit Betreuungsbedarf gibt – das ständige Wechseln zwischen Aufträgen des Arbeitgebers und Fürsorge für andere Menschen hat auch seine Schattenseiten.« (dpa/jW)

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