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Aus: Ausgabe vom 31.12.2019, Seite 8 / Abgeschrieben

Studierende in Bayern fordern mehr Mitbestimmung

Eine Ausstellung an der Universität Bamberg über die Lebenssituation von Geflüchteten in sogenannten Anker-Zentren in Bayern wurde von der Hochschulleitung abgelehnt. Dazu teilte der Freie Zusammenschluss von Studentenschaften (FZS) mit:

Das Sozialreferat der Studierendenvertretung der Universität Bamberg wollte eine Ausstellung über die Unterbringungssituation von Geflüchteten in »Anker-Zentren« in Bayern, welche vom Bayerischen Flüchtlingsrates bereitgestellt wird, an der Hochschule zeigen. Dies wurde jedoch von der Universitätsleitung abgelehnt, da das Wort »›Lager‹ aus Respekt zu den Opfern des Nationalsozialismus nicht verwendet werden kann« und es eine von der Stadt Bamberg gesetzte Frist vor den Kommunalwahlen gebe, die mit den »Inhalten der Ausstellung kollidieren«. Das Wort »Lager« ist in der Migrationsforschung ein gängiger Begriff und weist auf die Massenunterbringung von Geflüchteten auf engstem Raum hin. Eine Frist vor den Kommunalwahlen, die eine Ausstellung über »Anker-Zentren« an der Uni verwehren könnte, existiert nicht. »Für eine Uni wie unsere ist es wichtig, sich auch mit unbequemen Themen zu beschäftigen. Universitäten sind auch Horte des eigenständigen Lernens und des kritischen Hinterfragens.«, merkt Julia Agrikola, studentische Senatorin der Universität Bamberg, an. »Striktes Ablehnen von Veranstaltungen mit politischem Bezug widerspricht dem.«

»Auch einen kritischen Diskurs über die menschenunwürdigen Lebensbedingungen in den bayerischen ›Anker-Zentren‹ will die Leitung der Universität Bamberg verbieten. Sie stellt sich somit auf eine Linie mit der Bayerischen Staatsregierung. Von einem unabhängigen und freien Diskurs an der Uni Bamberg kann nicht die Rede sein«, kritisiert Thomas Bollwein vom Bayerischen Flüchtlingsrat. »Da es in Bayern keine eigenständige studentische Vertretung wie in allen anderen Bundesländern gibt, fällt es Studierendenvertretern häufig schwer, Interessen gegenüber den Hochschulleitungen durchzusetzen«, ergänzt Leonie Ackermann, Vorstandsmitglied des studentischen Bundesverbands FZS. (…)

Die Zahl der Flüchtlinge weltweit hat sich nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe im letzten Jahrzehnt um mehr als 50 Prozent erhöht, wie aus einer Erklärung vom Sonntag hervorgeht:

Waren es 2009 noch knapp über 43 Millionen Menschen, so sind es jetzt mehr als 70,8 Millionen. Hauptursache ist die Kombination aus Langzeitkonflikten mit großen Fluchtbewegungen (…) und neueren Krisen (…). Auch die Folgen des Klimawandels treiben die Fluchtbewegungen auf Rekordhöhe: Extremwetterereignisse verschärfen bestehende Krisen, wie aktuell in Afrika zu sehen ist, wo eine Rekorddürre im südlichen und Überschwemmungen in Ostafrika die Menschen belasten. In Deutschland haben die Fluchtbewegungen im Rekordjahr 2015 sowie die private Seenotrettung die Debatten in den vergangenen Jahren beherrscht. Die UNO-Flüchtlingshilfe, nationaler Partner des UN-Flüchtlingshilfswerkes (UNHCR), betont, dass angesichts 15.000 Toter und Vermisster in den letzten fünf Jahren auf dem Mittelmeer die private Seenotrettung unverzichtbar ist. »Es war ein extremes Jahrzehnt, die weltweiten Krisen komplex. Nationalismus ist für diese Herausforderungen ebenso die falsche Antwort wie Grenzen und Zäune«, kommentiert Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe. (…)

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