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Aus: Ausgabe vom 31.12.2019, Seite 2 / Ausland
USA und Nahost

Tödliches Signal an Teheran

Pentagon lässt proiranische Milizen im Irak und in Syrien angreifen
Von Knut Mellenthin
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Die Zentrale der Miliz Kataib Hisbollah in der irakischen Stadt Al-Kaim nach dem US-Luftangriff (30.12.2019)

Die USA haben am Sonntag Luftangriffe gegen drei Ziele im Irak und zwei in Syrien geflogen. Einer offiziellen Stellungnahme aus dem Pentagon zufolge handelte es sich um Waffenlager sowie Kommando- und Kontrollanlagen der irakischen Schiitenmiliz Kataib Hisbollah (KH). Die angegriffenen fünf Stützpunkte seien benutzt worden, um Überfälle auf die »Koalitionskräfte« des von den USA geführten Einsatzes »Operation Inherent Resolve« (OIR) zu planen und auszuführen.

Als unmittelbaren Auslöser der US-amerikanischen »Vergeltungsschläge« bezeichnet die Stellungnahme des Pentagon den Angriff auf einen irakischen Militärstützpunkt in der Nähe von Kirkuk, der am Freitag stattgefunden hatte. Dabei seien ein US-Bürger getötet und vier andere verletzt worden. Sie hätten für eine private Sicherheitsfirma gearbeitet. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden dafür 30 Raketen eingesetzt. Die Miliz KH unterhalte »enge Verbindungen« zur iranischen Kuds-Truppe und habe vom Iran mehrfach Waffen und andere Unterstützung erhalten, heißt es weiter in der Pentagon-Erklärung. Die Kuds-Truppe ist die Abteilung der »Revolutionsgarden« für Auslandsaktivitäten.

Aus dem Text geht nicht hervor, wie die fünf Angriffe durchgeführt wurden. In den meisten Pressemeldungen ist von Drohnen die Rede. Andererseits soll Verteidigungsminister Mark Esper vor Journalisten gesagt haben, dass Kampfflugzeuge vom Typ »F-15« eingesetzt worden seien.

Der irakische Präsident Barham Salih, der geschäftsführende irakische Regierungschef Adel Abd Al-Mahdi und ein Sprecher der irakischen Streitkräfte verurteilten das militärische Vorgehen der USA. Es sei eine Verletzung der Souveränität ihres Landes und bedeute eine gefährliche Verschärfung der Lage im Irak und in der Region.

Über die Folgen der Luftangriffe vom Sonntag gibt es noch kein klares Bild. Die Pentagon-Stellungnahme enthält dazu keine Angaben. Nach nicht näher bezeichneten »irakischen Quellen« sollen mindestens 25 Angehörige der KH getötet und 51 verletzt worden sein. Unter den Toten sollen sich vier Kommandeure der Miliz befinden.

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