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Aus: Ausgabe vom 30.12.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Haushoch überlegen

Zu jW vom 24./25./26.12.: »Durchmarsch Richtung Osten«

Ich bin sechs Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geboren (…). Da ich den Zweiten Weltkrieg erlebt habe, muss ich mich zu Wort melden: Ich kenne die Angst vor Bomben und Feuer, Hunger und Trauer, die Besatzung. Ich habe die Nachkriegszeit erlebt, ohne Strom, ohne fließendes Wasser. Ein Brot zum Stillen des Hungers kostete zeitweise 40 Reichsmark, und im August 1945 fuhr mich ein alter Genosse mit seinem Fahrradanhänger hochschwanger drei Kilometer zum Krankenhaus zur Entbindung. Will mich da noch jemand fragen, warum ich etwas gegen Rüstungsbosse und Kriegstreiber habe? (…) Als ich 1954 mit meinen beiden Kindern in den sozialistischen Staat, in die DDR, kam, war der Unterschied zur kapitalistischen BRD groß. (…) Wir waren in einem Arbeiter-und-Bauern-Staat gelandet, nur mit Rucksack und Koffer. Am dritten Tag hatte ich schon meinen Arbeitsvertrag in einem Volkseigenen Betrieb, die Kinder gingen in eine 10-Klassen-Schule. (…) Ab 1. Januar 1984 bekam ich meine Altersrente, und damit entfielen sofort die Beiträge zur Krankenkasse sowie die Rundfunk- und Fernsehgebühren. (…) Der »goldene Westen« war für mich ein Sumpfloch, in dem sich Ausbeuter und Betrüger, Korrupte und Geldgierige wohlfühlten. Die DDR war dem Westen menschlich und kulturell haushoch überlegen.

Elisabeth Monsig, per E-Mail

Falsche Begriffe

Zu jW vom 20.12.: Abgeschrieben

Sehr geehrter Matthias Höhn, Sie nennen (in der internen Debatte der Partei Die Linke; jW) die libanesische Hisbollah eine hochgerüstete und antisemitische Organisation. Daher möchte ich Sie fragen, welchen Ausdruck Sie für die Verbrechen des braunen Deutschlands verwenden, auch »antisemitisch«? Weiter frage ich Sie, was Sie mit »hochgerüstet« meinen. Als was würden Sie Israel bezeichnen? Als »superhochgerüstet«? Was sagen Sie dazu, dass die »einzige Demokratie des Nahen Ostens« auch als einziges Land der Region Atomwaffen besitzt? (…)

Paul Jud, Stühlingen

Dorn im Auge

Zu jW vom 27.12.: »Schlupfloch im Blick«

(…) Die libanesische Hisbollah als »Terrororganisation« zu etikettieren und zu verfolgen, ist hanebüchen und politisch töricht. Die Hisbollah ist eine auch von anderen religiösen und weltanschaulichen Parteien anerkannte libanesische politische Partei, ohne deren militärischen Arm Israel schon längst wieder wie 2006 im Libanon eingefallen wäre. Schon 2006 wurde die israelische Invasion nicht durch die (schwache) libanesische Armee, sondern von der Hisbollah zurückgewiesen. Wir hatten vor einigen Jahren beim Solidaritätsbesuch in den palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon Gelegenheit, mit dem außenpolitischen Sprecher der Hisbollah zu diskutieren: Das war eine normale politische Diskussion, auch von »Allah« war nie die Rede, sondern von Innen- und Außenpolitik und von der Verteidigung des Vaterlands gegen den zionistischen Feind. Dass der militärische Arm der Hisbollah durch die Kampferfahrung in Syrien und verstärkt durch iranische militärische Technologie Israel und den US-Imperialisten ein Dorn im Auge ist, ist offenkundig. Da Israel es nicht wagt, militärisch anzugreifen, bedient es sich seiner mächtigen Lobby und US-amerikanischen Drucks auf seine Verbündeten, sprich deutsche Parteien und Regierung (und die weiterer Länder natürlich), um die Hisbollah auf andere Weise zu diskreditieren. Die Anti-BDS-Kampagne (BDS: Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen; jW) und der Anti-BDS-Beschluss des Bundestags waren Vorläufer. (…)

Leonhard Schäfer, Florenz/Italien

Gleiches Recht

Zu jW vom 27.12.: »Rausgucken erschwert«

Dieser Artikel hätte auch in der Zeit oder auf Spiegel online stehen können. Im 20. Jahrhundert gab es im Saarland zwei Volksabstimmungen, deren Ergebnis die Zugehörigkeit zu Deutschland war, ohne dass Paris (im Gegensatz zu Kiew im Fall der Krim) im Anschluss daran die Zugverbindungen und die Strom- und Wasserversorgung unterbrochen hätte, ohne dass es im Anschluss jahrelange Sanktionen gegen Deutschland gegeben hätte. Haben die Krim-Bewohner nach drei Volksabstimmungen seit 1990 für die Zugehörigkeit zu Russland nicht das gleiche Recht auf freie Verkehrswege oder auf Wasser wie die Saarländer? Alle genannten Kritikpunkte findet man in Deutschland auch: Pfusch am Bau, Preise für Bahntickets, die zwei Drittel des Preises eines Flugtickets gleicher Strecke ausmachen, Langsamfahrten auf neugebauten Strecken, Regionen, in denen man über den Länderfinanzausgleich Mittel an unterentwickelte Regionen abtreten muss. Aber hier muss es als Russland-Bashing extra erwähnt werden. (…) Natürlich kann (nicht »will«) die russische Bahn die Strecke bis auf die Krim nicht übernehmen, da sie ansonsten europaweit sanktioniert würde. Wer sanktioniert die Bahn, weil Züge bis ins Saarland fahren? Reinhard Lauterbach kann sich ja mal nach den Flugpreisen auf die Falklandinseln erkundigen, die nach einem allgemein anerkannten Referendum der Bevölkerung zu GB statt zum nahen Argentinien gehören. Wer erwähnt das überhaupt oder sanktioniert die Briten? Es ist unerträglich, wenn sich EU-Bürger Rechte zubilligen, die dann für russische Bürger nicht gelten sollen.

Fred Buttkewitz, Ulan-Ude/Russland

Völlig harmlos

Zu jW vom 19.12.: »Betreuter Terror«

Wenige Tage vor Weihnachten verurteilte das Landgericht Schwerin den »Prepper« sowie Administrator der Gruppe »Nordkreuz« und ehemaligen Elitepolizisten Marko G. zu einer geringen Bewährungsstrafe. Sein Verteidiger hatte vor Gericht behauptet, dass von seinem Mandanten nie eine Gefahr ausgegangen sei. Die Fakten: Marko G. konnte sich mehr als 50.000 Schuss Munition und diverse Schusswaffen beschaffen. (…) Keine Gefahr? (…) Massenweise Waffen, »Prepper«, »Nordkreuz«-Elite-Polizisten und mögliche Feindeslisten in einer Zeit, in der Völkisches und Neonazistisches blühen. Bleibt zu fragen: Wie kann man unbemerkt an solche Mengen Munition und diverse Waffen kommen?

Wilfried Schubert, Güstrow

Die Hisbollah ist eine anerkannte libanesische politische Partei, ohne deren militärischen Arm Israel schon längst wieder wie 2006 im Libanon eingefallen wäre.

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