Endspurt: Dein Abo zur rechten Zeit
Gegründet 1947 Freitag, 21. Februar 2020, Nr. 44
Die junge Welt wird von 2228 GenossInnen herausgegeben
Endspurt: Dein Abo zur rechten Zeit Endspurt: Dein Abo zur rechten Zeit
Endspurt: Dein Abo zur rechten Zeit
Aus: Ausgabe vom 18.12.2019, Seite 2 / Inland
Konkurrenz um Arbeitskräfte

Nach dem »Fachkräftegipfel«

Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften unterschreiben Absichtserklärung
Gipfel_zur_Fachkraef_63718055.jpg
Lohn, Preis und Profit: Arbeitskräfte sind willkommen (Angela Merkel und Olaf Scholz am Montag im Kanzleramt in Berlin)

Damit das sogenannte Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das am 1. März 2020 in Kraft treten soll, »schnell wirken kann«, wurde bei einem Spitzentreffen der Bundesregierung mit Vertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften im Kanzleramt gestern eine Absichtserklärung unterschrieben. So sollen etwa Visaverfahren beschleunigt und die Möglichkeiten verbessert werden, dass Arbeitskräfte Deutsch lernen. Daneben geht es um die Anerkennung von Berufsabschlüssen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach dem Treffen im Kanzleramt, es gebe »weltweit einen großen Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte«. Deutschland müsse »attraktive Arbeitsbedingungen« und ein »attraktives gesellschaftliches Umfeld« bieten. Alleine das Handwerk könne 250.000 offene Stellen besetzen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte, es sei spürbar, »dass wir mehr Wirtschaftswachstum haben könnten, wenn genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stünden«. Es seien Pilotprojekte zur Anwerbung von Fachkräften aus Brasilien, Indien und Vietnam geplant.

Aus Sicht der Auslandshandelskammer (AHK) seien für eine Anwerbung von vietnamesischen Fachkräften mehr Deutschkurse vor Ort nötig. »Das Interesse der vietnamesischen Seite ist sehr groß, aber das Lernangebot der deutschen Seite ist nicht ausreichend«, sagte der AHK-Delegierte der deutschen Wirtschaft in Vietnam, Marko Walde, am Dienstag in Hanoi.

Die Hans-Böckler-Stiftung wies darauf hin, dass der Personalnotstand auf diese Weise nicht behoben werden könne, da die Personallücke zu groß sei. Und damit »Newcomer dauerhaft in der Pflege bleiben, braucht es in Pflegeeinrichtungen zusätzliche Ressourcen und systematische Konzepte für ihre Integration in den Beruf«. Gelinge es nicht, die Neuzugänge zu halten, drohe letztlich eine Verschärfung von Zeitnot und Personalknappheit auf vielen Stationen. Frustration verursache außerdem der Umstand, dass Anerkennungsverfahren von ausländischen Abschlüssen bislang bis zu 18 Monaten dauern können. Solange würden ausländische Pflegefachkräfte als Pflegehelfer beschäftigt.

Der Präsident der Diakonie Deutschland merkte an, dass die »Interessen der Herkunftsländer« berücksichtigt werden müssten. Die dort benötigten Fachkräfte dürften nicht einfach »abgeworben« werden. (dpa/jW)

Ähnliche:

  • Bei dem Brand in der Textilfabrik von Kik in Karatschi am 11. Se...
    12.09.2019

    Opfer der Lieferkette

    Gewerkschaften, Menschenrechts- und Umweltorganisationen fordern Gesetz, um Konzerne für Schäden an Mensch und Umwelt haftbar zu machen
  • Solidarität mit Vene­zuela auf der Maidemons­tration des DGB in ...
    24.07.2019

    »Wir sind Venezuela«

    Über gewerkschaftliche Solidarität, die Politik der Bundesregierung und die bolivarische Verfassung
  • Strom »tanken«: Gewerkschaft will Autobranche beim Umstieg auf E...
    19.06.2019

    IG Metall sucht Investoren

    Gewerkschaft macht sich für Finanzierung von Autozulieferern stark

Regio:

In Zeiten von Desinformation, Sozialabbau und Kriegsvorbereitung brauchst Du eine progressive Tageszeitung mehr denn je.
Mit einem Abo Dich selbst und die junge Welt stärken und den herrschenden Verhältnissen etwas entgegensetzen: