Gegründet 1947 Donnerstag, 23. Januar 2020, Nr. 19
Die junge Welt wird von 2218 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 14.12.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Letzte Chance

Zu jW vom 6.12.: »Verursacher sollen zahlen«

Dass es ernst ist mit dem Klima, haben inzwischen die Politiker fast aller Länder (mit Ausnahme des US-amerikanischen Präsidenten) begriffen. Risiken für die Welternährung sind nur ein Teil davon. Der Meeresspiegel steigt, zusätzliche Treibhausgase entstehen, Waldbrände und Überschwemmungen nehmen zu. Unwetter und Dürreperioden richten riesige Schäden an. Die bereits durch die kapitalistischen Länder Ausgebeuteten trifft es am ärgsten. Kostspielige »Klimagipfel« haben außer Prognosen und Versprechungen keine realen Wirkungen. (…) Solange nämlich die kapitalistischen Industrienationen das Sagen haben und die neoliberale Politik bestimmen, wird sich nichts ändern. Das Kapital wird sich wider besseres Wissen seiner Natur gemäß an den Profit klammern. Und ihn mit Zähnen und Klauen verteidigen, selbst – um mit Marx zu sprechen – »auf die Gefahr des Galgens« hin. Immer wieder tauchen auf den Demonstrationen von »Fridays for Future« auch Transparente mit Forderungen nach einem »Systemwandel« auf. Erst wenn die gegen den »Klimawandel« demonstrierenden Massen erkennen, dass sie sich gegen die Ursachen und die Verursacher wenden müssen, gegen die kapitalistischen Strukturen, gegen das Eigentum und die Eigentümer an Produktionsmitteln und an natürlichen Ressourcen, erst wenn alle vereint gegen das ausbeuterische System auf die Straße gehen, kann es Hoffnung auf Rettung geben. Solange nur die Symptome bekämpft werden, wird eine Heilung von Ausbeutung und Zerstörung der Natur, einschließlich des Menschen, nicht möglich sein. Nicht das Reden über die zu bewältigenden Aufgaben, sondern das Inangriffnehmen einer sofortigen praktischen Lösung ist entscheidend. Der Plan hierzu muss auf einer Analyse der ökonomischen und politischen Situation beruhen. Dazu ist die Aufklärung der Massen notwendig. Das sollte die vorrangige Aufgabe aller linken Kräfte sein. Nur aus dem Bewusstsein der politischen und ökonomischen Zusammenhänge der Klimakatastrophe kann ein sinnvoller Kampf entstehen. Massenaufstände mit revolutionärem Bewusstsein können allerdings auch nur ein Anfang sein. Aber immerhin ein möglicher Anfang zur Rettung des blauen Planeten.

Eva Ruppert, Bad Homburg

Zerstörung nach Plan

Zu jW vom 7./8.12.: »Der Mann mit dem Besen«

Leo Schwarz hat recht, wenn er schreibt, dass die Beseitigung der vorläufig letzten kommunistischen Massenpartei auf deutschem Boden das Werk einer mehr oder weniger klar konturierten Fraktion innerhalb derselben war, und verortet sie auch richtig. (…) Denn eine Massenpartei mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern kann man natürlich kaum spontan beseitigen, von außen schon gar nicht. Dem innerparteilichen Putsch vor dem Dezember-Parteitag gingen Hetzkampagnen gegen die alten Funktionäre und gegen Egon Krenz sowie der schlimme Beschluss der Volkskammer zur Streichung des Halbsatzes von Artikel 1 der DDR-Verfassung voraus, dass die DDR den Sozialismus »unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei« aufbaue. Wenig thematisiert wird, dass nicht nur die Partei, sondern auch die Rolle der Arbeiterklasse gestrichen wurde. Die DDR verstand sich immer als Arbeiter-und-Bauern-Staat. Die Verfassung war Resultat eines Volksentscheids. So ist es nicht verwunderlich, dass auf dem Parteitag der katastrophale Beschluss zur Auflösung der Betriebsparteiorganisationen an erster Stelle stand. Es war der Todesstoß für die SED als Arbeiterpartei. Übernommen hatten Intellektuelle. Bereits Mitte Dezember 1989 waren alle Macht- und Organisationsstrukturen der DDR als Arbeiter-und-Bauern-Staat zerschlagen: Abschaffung der Staatssicherheit, Löschung der Definition der DDR als Arbeiter-und-Bauern-Staat in der Verfassung, Entwaffnung der Arbeiterklasse durch Auflösung der Kampfgruppen, Beseitigung der Parteistrukturen in den Betrieben als Organisatoren der Arbeitermacht. Ohne einen konkreten Plan geht das wohl kaum. Demgegenüber habe ich einen Plan zur Verbesserung der DDR noch nie gesehen. Erinnert sei an Lenins Auseinandersetzungen mit den »linken Kommunisten« 1918. Er verortete diese in der deklassierten kleinbürgerlichen Intelligenz, verurteilte ihre lauten Phrasen und warnte: »Entweder werden wir diese Kleinbürger unserer Kontrolle und unserer Rechnungsführung unterordnen, oder aber sie werden unsere Arbeitermacht ebenso unvermeidlich wie unabwendbar zu Boden werfen.«

Horst Neumann, per E-Mail

Autos angreifen

Zu jW vom 11.12.: »Nuckelpinne des Tages: E-Roller«

Schade, jetzt springt die jW auch noch ohne Not auf die Anti-E-Roller-Hysterie auf. Ist das wirklich unser Problem? Würde man aber »E-Roller« durch »Autos« ersetzen, hätte die Polemik einen Sinn. Aber das wäre dann ja gegen den Mainstream.

Klaus Büchner, per E-Mail

Heuchlerische Kampagne

Zu jW vom 11.12.: »Die manipulierte Kopie«

Natürlich haben die Russen gedopt – wie alle anderen auch, die im Leistungssport vorne mitmischen wollen. Der Skandal ist, dass aus ausschließlich politischen Gründen der Fokus einzig auf Russland gelegt wird. Niemand scheint es aufzufallen oder zu stören, wenn zum Beispiel norwegische Skiläufer eine »Leistungsexplosion« erleben, die sie auf alle vorderen Plätze spült, wenn enthüllt wird, dass ein von der Firma Nike gesponsertes Sportzentrum in den USA wahrscheinlich systematisch mit »Helferlein« experimentiert hat, wenn niederländische Eisläufer den Rest der Welt mit Leichtigkeit um Bahnen abhängen und, und, und … Leistungssport ist zur Ware geworden, deren Verwertung nur durch unterstützende Mittel gesichert werden kann, und zur Rechtfertigung von Hochrüstung und Kriegsvorbereitung muss ein Feindbild konstruiert werden – das sind die eigentlichen Hintergründe dieser heuchlerischen medialen und politischen Kampagne.

Dieter Reindl, Nürnberg (Onlinekommentar)

Nur aus dem Bewusstsein der politischen und ökonomischen Zusammenhänge der Klimakatastrophe heraus kann ein sinnvoller Kampf zur Rettung des blauen Planeten entstehen.